Albrechtsburg Meißen – die Wiege Sachsens

Bericht aus Magazin die-infoseiten.de – Ausgabe März/April 2010, Quelle Text: Schlösserland , Albrechtsburg Meißen

Die Albrechtsburg Meißen gilt architekturgeschichtlich als erster Schlossbau Deutschlands und ist ein Meisterwerk der spätgotischen Baukunst im heutigen Freistaat Sachsen. Der einstige Markgrafensitz erhebt sich rund 30 Kilometer nordwestlich von Dresden majestätisch auf einem Felsen über der Elbe.

Nachdem im Jahre 929 König Heinrich I. zunächst eine hölzerne Wehranlage errichten ließ, wurde Meißen rasch zum Mittelpunkt der gleichnamigen Grenzmark gegenüber den noch slawischen Gebieten des Ostens und damit zur „Wiege Sachsens“. Im Zuge der mittelalterlichen deutschen Ostsiedlung entwickelte sich der Meißner Burgberg zu einem wichtigen Machtzentrum, auf dem drei verschiedene Gewalten herrschten: Am Anfang des 11. Jahrhunderts ließ der Markgraf die erste steinerne Befestigung auf dem Felsplateau errichten, den Vorgängerbau der Albrechtsburg. Daneben residierten auf dem Burgberg ein reichunmittelbarer Burggraf in Höhe des heutigen Restaurants „Burgkeller“ und der Bischof des Bistums Meißen. Davon zeugen noch das Bischofsschloss mit dem jetzigen Amtsgericht und der gotische Dom.

Der neue Schlossbau der Albrechtsburg entstand zwischen 1471 und 1524 im Auftrag der das Herzogtum Sachsen gemeinsam regierenden Brüder Ernst und Albrecht von Wettin. Als Zeichen ihrer Macht und ihres Reichtums sollte die Residenz nicht nur repräsentativ gestaltet werden, sondern auch Platz für zwei getrennte Hofhaltungen bieten. Diese Nutzung unterschied sich von der bisherigen Burganlage, die in erster Linie Verteidigungszwecken diente. Ungeachtet des neuartigen Charakters erhielt das Schloss zum Andenken an einen der Bauherren von Kurfürst Johann Georg II. 1676 die Bezeichnung Albrechtsburg.

Für den Bau zeichneten mehrere Werkmeister verantwortlich, allen voran Arnold von Westfalen. Er erhielt 1470 als neu ernannter Landesbaumeister den Auftrag und schuf ein Schloss, das europäische Maßstäbe setzte: in Raumstruktur, Statik, Gewölbebau, Fensterform und Treppengestaltung. Wegen der Lage am steilen Elbhang musste bereits das Kellergeschoss teilweise über zwei Etagen aufgeführt werden. Daraufhin folgten das Erdgeschoss sowie die Errichtung von drei Obergeschossen. Vorbildliches leistete Arnold besonders hinsichtlich der Raumgliederung, der großzügigen Lichtführung durch die sogenannten Vorhangbogenfenster und der über drei Etagen ausgeführten Gewölbe. Diese einzigartigen Zellengewölbe, die zum Teil mit scharfen Graten oder mit aufwändig profilierten Rippen versehen sind, prägen nicht nur den Großen Saal, die Kleine Tafelstube oder das KurfürstAugustZimmer, sondern fanden auch in den Treppentürmen Verwendung. Besonders der Große Wendelstein besticht durch seine statisch kühne und zugleich äußerst kunstvolle Konstruktion. Damit, sowie mit ihren technischen Installationen (Abortschächte, Führung der Kaminzüge) und der im gesamten Südflügel gleichartigen AppartementStruktur der Wohnbereiche, verkörpert die Albrechtsburg eine der fortschrittlichsten Baukonzeptionen des ausgehenden Mittelalters. Aufgrund der Leipziger Teilung der wettinischen Territorien 1485 wurde die Albrechtsburg jedoch nie als dauerndes Wohnschloss genutzt, sondern lediglich zeitweise für Empfänge, besondere Hofhaltungen oder Jagdgesellschaften verwendet. Die überwiegende Zeit stand das neue Gebäude leer. Kurfürst Ernst regierte in Wittenberg und Herzog Albrecht in Dresden.

Erst 1710 führte August der Starke das Schloss einer neuen, nicht baugerechten Verwendung zu: als Produktionsstätte des ersten europäischen Hartporzellans, der Porzellan Manufaktur Meissen. Diese verblieb über 150 Jahre in den gotischen Räumen, bis schließlich in den 1860er Jahren die mühevolle Rekonstruktion der Schlossanlage begann. Ab 1873 wurden die meisten Räume mit einem historistischen Bildprogramm ausgeschmückt und 1881 der Öffentlichkeit als Museum und „Gedenkstätte sächsischer “ übergeben.

Ein Kommentar zum Thema “Albrechtsburg Meißen – die Wiege Sachsens”

  1. Redaktion (71 comments) sagt:

    Albrechtsburg Meißen präsentiert nach 15 Jahren Sanierung ihr neues Gesicht und Porzellanschätze

    Pünktlich zum 300-jährigen Jubiläum erstrahlt Sachsens erstes Porzellanschloss in neuem Glanz. Die über 15-jährigen Sanierungsarbeiten stehen kurz vor dem Abschluss. Davon konnte sich auf dem heutigen Presserundgang auch Finanzminister Prof. Dr. Georg Unland überzeugen.

    Finanzminister Unland: „Wer ab Mai die Sonderausstellung „Der Stein der Weis(s)en“ besucht, wird seinen Augen kaum trauen. Den Besucher erwartet nach vielen Jahren eines Nischendaseins ein Haus, das wieder lebt und mit seiner einmaligen spätgotischen Architektur beeindruckt. Der erste Schlossbau auf deutschem Boden hat sich in der kurz vor dem Abschluss stehenden 15-jährigen Sanierungszeit in vielfältiger Weise gewandelt.“

    21 Millionen Euro investierte der Freistaat Sachsen seit 1993 in den Umbau und die Sanierung. Weitere fünf Millionen Euro stehen für 2010/2011 bereit. Die Projektleitung für die Sanierung hat der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB).

    Neu gestaltet wurde vor allem der Besuchereingang in die Burg. Er befindet sich nicht wie bisher als Nebeneingang im Mittelbau, sondern neu an der Westgiebelseite. Hierfür wurde ein großzügiges Entree mit Information, Kasse, Buchshop und Museumscafe geschaffen. Die alte Stadttreppe durch die Burg wird durch eine ganztägig öffentliche Erschließung ersetzt und dient als Verbindungsglied zwischen Domplatz und Burgberg sowie als Zugang von der Leipziger Straße.

    Zusammen mit der Stadt Meißen gestaltet der Freistaat Sachsen auch den Domplatz neu. Die touristische Erschließung wird durch ein neues Leitsystem wesentlich einfacher. Ein sogenannter „Quellstein“ am historischen Ort der Zisterne bildet zukünftig einen Blickfang. Die Oberfläche des Domplatzes wird unter Verwendung des historischen Pflasters komplett ausgetauscht und steht jetzt auch für Freiluftveranstaltungen zur Verfügung.

    Drei Obergeschosse stehen zukünftig mit rund 4.500 qm Ausstellungsfläche zur Verfügung. Diese hat sich um ein Drittel vergrößert. Das sanierte dritte Obergeschoss stand bisher aufgrund des schlechten Erhaltungszustandes nicht als Museumsfläche zur Verfügung. Hier soll zusammen mit der zweiten Etage ab Mitte 2011 die neue Dauerausstellung zur sächsischen Landesgeschichte präsentiert werden.

    Im zweiten Obergeschoss öffnet am 8. Mai die große Sonderausstellung „Der Stein der Weis(s)en“. Von 1710 bis 1863 war die Albrechtsburg das wohl außergewöhnlichste Domizil Europas erster Porzellanmanufaktur. Einzigartige Zeugnisse erzählen von den Anstrengungen der heute nicht mehr sichtbaren Manufaktur und erwecken diese zu neuem Leben. Die Reise in die Vergangenheit ist in fünf verschiedene Erlebnisbereiche gegliedert. Beginnend mit dem „Porzellanfieber“, der Sucht nach Porzellan, kann der Besucher die Produktionsstätte auch sinnlich erleben oder virtuell selbst Porzellanrezepturen ausprobieren. Herzstück der Ausstellung ist ein sechs mal drei Meter großes interaktives Modell der Burg, das die einzelnen Stufen der Porzellanproduktion im 19. Jahrhundert beeindruckend widerspiegelt.

    Die Albrechtsburg Meißen verdankt ihren Namen Herzog Albrecht, dem Begründer der albertinischen Linie des sächsischen Herrscherhauses. Dabei ist sie keine Burg im eigentlichen Sinne, sondern ein spätgotisches Residenzschloss, das aber als solches nie genutzt wurde. Die Verbindung mittelalterlicher Wehrhaftigkeit mit der Eleganz eines Residenzschlosses und die sensationelle Statik über dem steilen Abhang machen die Albrechtsburg Meißen zu einem architektonischen Erlebnis.

    Pressemitteilung Sächsisches Staatsministerium der Finanzen, 12. März 2010

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