Böhmisch Brauhaus Großröhrsdorf GmbH – Tradition aus Sachsen
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Seit dem 10. Jahrhundert ist die Herstellung von Bier – oder bierähnlichen Getränken – in Deutschland bekannt, wobei hier teilweise abenteuerliche Braumethoden und -zutaten verwendet wurden. Deshalb wurde im 15. Jahrhundert das Reinheitsgebot ausgesprochen, nach dem noch heute Bier gebraut wird. Demnach hat ein Bier nur aus folgenden Zutaten zu bestehen: Malz, Hopfen, Wasser und Bierhefe.
Als das Unternehmen im Jahr 1887 in Großröhrsdorf gegründet wurde, schaute auch diese Ortschaft bereits auf eine lange Tradition der Braukunst zurück. Im Großröhrsdorfer Lehngut wurde seit dem Mittelalter Bier gebraut, welches im Gut selbst, in verschiedenen Bierhöfen und anderen Orten mit Schankrecht verkauft wurde. Streng wurde auf die Einhaltung des mittelalterlichen Bierzwanges geachtet, welcher in vielen Orten Deutschlands herrschte. Demnach durften nur Biere von heimischen Brauereien in den Ortschaften verkauft und verzehrt werden. Der Vertrieb und Genuss fremder Biere war unter Strafe verboten.
Als der letzte Braumeister Gottfried Moritz Fischer verstarb, nahm die Tradition der Bierbrauerei auf dem Lehngut ein Ende. Die Firma C. G. Großmann – seit 1881 Grundstücksbesitzer – kündigte den Pachtvertrag. Zwar betrieb die Witwe des Braumeisters noch kurze Zeit auf dem eigenen Grundstück eine kleine Brauerei, wurde jedoch von den neuen Fabriken im Zuge der Industrialisierung verdrängt.
So öffnete 1887 die neue und moderne Dampfbrauerei unter Albin Nestler ihre Pforten, die zehn Jahre später in die Böhmisch Brauhaus GmbH umfirmiert wurde. Gleichzeitig entstanden zahlreiche neue Gebäude und Anlagen wie Mälzerei- und Stallgebäude, Keller sowie Maschinenhaus. Nachdem sich die GmbH über Jahre hinweg sehr gut entwickelte – vor dem ersten Weltkrieg produzierte sie über 14.000 hl Bier jährlich – wurde die Produktion durch die Folgen des Krieges fast komplett eingestellt. In den Jahren 1916/17 sattelte man deshalb auf die Fertigung von Mineralwasser um.
Als Braumeister Carl Sachse im Jahr 1929 die Firmenleitung übernahm, schöpfte man neue Hoffnung. Durch eine Verbesserung der Qualität konnten die Verkaufszahlen gesteigert und neue Absatzgebiete gewonnen werden. Eine Zeit des Umbaus und der Neustrukturierung folgte: 1930 – Ausbau der Flaschenreinigungsund Abfüllanlage 1931 – 1933 – Umbau von Gär- und Lagerkeller 1936 – Erneuerung des Sud- und Kühlhauses 1938 – 1939 – Erneuerung des Flaschenkellers.
In den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts erfolgten weitere große Umbaumaßnahmen wie beispielsweise der Neubau des Kesselhauses, der Kieselgurfiltration und Fassabfüllung, die Erweiterung des Gärkellers und der Einbau von sechs Wohnungen in das Mälzereigebäude. Am 01.05.1972 wurde der Betrieb volkseigen. Der Betrieb nannte sich fortan VEB Böhmisch Brauhaus und die Bierproduktion stieg stetig. 1972 verzeichnete man knapp 70.000 hl/jährlich und 1974 rd. 79.000 hl. Im Jahr 1975 erfolgte die Eingliederung des Betriebes in den VEB Dresdner Brauereien, Betriebsteil Werk Bautzen und 1979 die Bildung des VE Getränkekombinates Dresden.
1990 befand sich die Brauerei in einem desolaten baulichen und technisch/technologischen Zustand, da in den vorangegangen Jahren die Dresdener Kombinatsleitung darauf hingearbeitet hatte, die knapp bemessenen verfügbaren Mittel in den größeren Brauereien zu fokussieren und die kleineren Unternehmen unter Inkaufnahme deren Schließung auf Verschleiß zu fahren. Umso höher ist das Engagement der Alteigentümer zu würdigen, im Jahre 1990 das Böhmisch Brauhaus wieder zu privatisieren. Durch zahlreiche zeitnahe Investitionen (neue Kesselanlage, neue Wasseraufbereitungsanlage, Umstellung auf Keg-Fässer, neue Flaschen- und Fassabfüllung, neue Gärung, Reifung und Filtration) ist es der Firmenleitung gelungen, ein modernes und wettbewerbsfähiges Unternehmen aufzubauen und das Böhmisch Brauhaus Bier in der Region als Sächsische Bierspezialität wieder zu etablieren. Seit Mai 2008 firmiert die Brauerei nun unter dem Namen Böhmisch Brauhaus Großröhrsdorf GmbH.
Die Brauerei verfügt über ein sehr interessantes Wappen. Mittig angeordnet sind mit „BB“ die beiden Anfangsbuchstaben des Hauses. Darüber thront stolz der Löwe, als Zeichen der Kraft und der böhmischen Braukunst. Weiterhin sind das Wappen des Königreichs Sachsen, zwei Meißner Schwerter als Zeichen des Bistums sowie der Webschütz als Symbol für die Bandindustrie in Großröhrsdorf zu sehen.
Quelle: Broschüre „Über 500 Jahre Braurecht in Großröhrsdorf – 100 Jahre „Böhmisch Brauhaus“