Die Innung Dresden des Maler- und Lackiererhandwerks

Bericht aus Magazin die-infoseiten.de – Ausgabe Januar-Februar 2009

16. und 17. Jahrhundert

Alles begann im Jahre 1574, als sich zehn Maler und fünf Bildhauer zur Bildung einer Innung entschlossen. Als wichtiger Anlass für diese Gründung muss die verstärkte Tätigkeit von auswärtigen Handwerkern und Künstlern in Dresden angesehen werden, die im Auftrag des Hofes standen und somit eine Konkurrenz zu den Innungs-Handwerkern darstellten.

Von Kurfürst August (1553-1586) ist überliefert: „Bei der Ausführung großer Gebäude hätte er unter den hiesigen Malern wenig tüchtige vor gefunden und deshalb fremde verschreiben müssen.“ Die erste Ordnung bestand aus 11 Artikeln. Darin sagten die Innungsmitglieder, daß ihre Kunst in „Abnehmen und Ungedeihn“ gekommen sei, weil jeder beliebige „seines Gefallens Werkstatt gehalten und Meisterschaft getrieben“ habe.

Die Innungsangelegenheiten wurden in die Hände zweier Ältester gelegt. Sie wurden aller zwei Jahre am Tage des heiligen Lucas, des ältesten Patrons der Maler, und zwar der eine aus dem Kreis der Maler, der andere aus dem Kreis der Bildhauer gewählt. Sie hatten den Vorsitz in den Versammlungen zu führen, auf Ordnung zu achten, zu strafen, wenn es nötig wurde und überhaupt mit peinlicher Sorgfalt das Einhalten der Zunftgesetze zu überwachen. In den folgenden Jahren kam es immer wieder zu Unstimmigkeiten zwischen den Mitgliedern, die sich Ende 16. / Anfang 17. Jh. zu einer Innungskrise ausweiteten. So geschah es, das im Jahr 1594 auf des Stadtschreibers Geheiß ein von einem Maler vorgelegtes Gemälde als Meisterstück angenommen wurde, obwohl es den Vorschriften der Innungsordnung nicht entsprach. Auch sollen sich zwei Maler geweigert haben, der Innung beizutreten und damit auch die Meisterprüfung abzulegen, da das Malen eine freie Kunst und nicht dem Innungszwang unterlegen sei. Diese Konflikte wirkten so nachhaltig, dass man von einer Auflösung der Innung in den darauffolgenden Jahren ausgehen kann.

Im Jahr 1620 sprachen sich 25 Maler für die Gründung einer neuen Innung aus. Die Bildhauer und Bildschnitzer schlossen sich später zu einer eigenen Innung zusammen.

Die Innung von 1885 bis 1920

Erst ab 1885 fand man wieder Hinweise auf das Bestehen einer „Malerinnung Dresden“, obwohl davon ausgegangen werden kann, dass auch das 18. / 19. Jh. ein ausgeprägtes Innungsleben hervorgebracht hat. Denn gerade in dieser Zeit sind in Dresden große und wertvolle Bauwerke entstanden, für welche man gute Maler benötigte.

Immer wieder gab es Spannungen zwischen den verschiedenen Gruppen, wie
• künstlerisch geprägte Maler
• Schriftmaler
• Zimmermaler, Anstreicher, Weißer oder Dekorationsmaler
• Lackierer

Die erste Gruppe hatte, bis zur Entstehung der ersten Manufakturen den Hauptanteil an Mitgliedern in der Malerinnung. Bedingt durch die Entwicklung der Städte und dem damit verbundenen Wohnungsbau wurde aber der Bedarf an „Zimmermalern“ immer größer. Der Einfluss dieser Malergruppe in der Innung nahm zu.

Im Jahre 1886 wurde eine erste Ausstellung mit Arbeiten von Lehrlingen durchgeführt. In Dresden wurden die Ausbildungskriterien erarbeitet, die dann in ganz Sachsen Anwendung finden sollten. Vor allem Zeichnen, Malen, Modellieren und Dekorieren waren die Schwerpunkte der Dresdner Fachschulen.

Zwangsinnung

Am 20. August 1896 wurde der Entwurf eines Gesetzes im „Sächsischer Innungs- Bote“ veröffentlicht. Dadurch wurden alle Handwerker zum Innungsbeitritt verpflichtet, was man als Bereinigung der bestehenden Gewerbeordnung darstellte. Die Zwangsinnung erfasste nun alle Betriebe, auch solche, die nicht organisiert waren. Zwischen 1890 und 1920 gab es Tarifgespräche, um eine einheitliche Lohngestaltung zu erreichen. Damit wurden die ersten Machtkämpfe zwischen Handwerksmeistern und Angestellten ausgelöst.

Die Jahre 1921 – 1989

Das organisierte Malerhandwerk und die Arbeit der Innung waren gezeichnet vom 1 . Weltkrieg sowie von materiellen und personellen Verlusten. Jedes Jahr wurden der Obermeister, die Ausschüsse und weitere Ämter neu gewählt. Der Obermeister bemühte sich hauptsächlich um Amtsgeschäfte, kämpfte um öffentliche Aufträge sowie Festpreise und unterstützte bei der Gründung von Betrieben.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Dresdner Maler erstmals 1947 zu einer Spartenversammlung des Malerhandwerks von der Handwerkskammer Dresden eingeladen. Da Großbetriebe in den Folgejahren bei der Vergabe öffentlicher Aufträge immer mehr dominierten, waren viele Malerbetriebe ab 1953 gezwungen, ihre Belegschaft drastisch zu reduzieren. Die materielle Versorgung der Privathandwerksbetriebe wurde unter oft schwierigen Bedingungen durch die Einkaufs- und Lieferungsgenossenschaft des Malerhandwerks vorgenommen, die als Heimstadt des privaten Malermeisters bezeichnet werden konnte. Außerdem gab es eine Arbeitsgemeinschaft der in Dresden vorhandenen 12 Produktionsgenossenschaften des Malerhandwerks.

Es lag am Fingerspitzengefühl der jeweiligen Obermeister, die unterschiedlichen Interessenlagen der beiden Eigentumsformen zu vereinen. Dadurch zersplitterte in Dresden der Berufsstand des Malers nicht, wie es in vielen anderen Gewerken geschah.

Die Innung Dresden des Maler- und Lackiererhandwerks nach 1990

Am 2. März 1990 war es soweit: Von 82 Betrieben wurde die Innung Dresden des Maler- und Lackiererhandwerks gegründet. Es ist beachtlich, wie es trotz der umfangreichen beruflichen Aufgaben eines jeden Handwerksmeisters doch gelungen ist, noch die berufsständische Struktur aufzubauen. Dank und Anerkennung ist daher jedem zu zollen, der in dieser Zeit ein Ehrenamt übernommen und ausgefüllt hat. Der Einzugsbereich der Innung erstreckte sich auf die Kreise Dresden-Stadt, Dresden-Land und den Weißeritzkreis.

Ein wesentliches Aufgabengebiet, mit dem sich der Vorstand und die Geschäftsführung auseinandersetzen mussten, war die Berufsausbildung und das Prüfungswesen. Die praktische Ausbildung erfolgte nun in den Handwerksbetrieben. Es galt, das duale Ausbildungssystem einzuführen und einen leistungsfähigen Gesellenprüfungsausschuss aufzubauen. Eine Angelegenheit, die zwar Sache der Handwerkskammer ist, aber der aktiven Mitarbeit der Innung bedarf. 1992 wurde der Innung von der Handwerkskammer Dresden die Prüfungshoheit übertragen. Ab 1993 beteiligte sich das sächsische Maler- und Lackiererhandwerk am bundesweiten Leistungswettbewerb der deutschen Handwerksjugend. Große Freude herrschte, als sich der Beste im Bereich des Kammerbezirkes Dresden auf Landes- und nachfolgend auf Bundesebene jeweils als Sieger durchsetzen konnte. Bedingt durch die große Zahl von Lehrlingen wurde der Gesellen- und Zwischenprüfungsausschuss erheblich erweitert. Zur Zeit gehören ihm mehr als 50 Meister und Gesellen in paritätischer Zusammensetzung sowie vier Fachlehrer an, die in jedem Jahr mit hoher Einsatzbereitschaft die Prüfungen abnehmen.

Immer mehr gewinnt die ehrenamtliche Tätigkeit von Sachverständigen an Bedeutung, wie auch die Tätigkeit der ehrenamtlichen Richter an den Arbeitsgerichten. Bisher wurden durch die Handwerkskammer Dresden sechs Malermeister und zwei Fahrzeuglackierermeister als Sachverständige berufen und vereidigt. Außerdem arbeiten weitere sechs Vertreter der Innung als ehrenamtliche Richter am Arbeitsgericht Dresden. Seit 2002 begleitet Malermeister Stefan Michael das Ehrenamt des Obermeisters. Mit Wirkung vom 1.5.1998 wählte die Mitgliederversammlung Matthias Lamm als neuen Geschäftsführer der Innung.

Seit 2004 ist die Innung regelmäßig auf der auf der Baufachmesse „Haus“ vertreten. Die Innung Dresden gehört heute, zusammen mit der Innung Leipzig, zu den stärksten Maler- und Lackierer-Innungen in Sachsen.