1.001 Nacht im Dresdner Schloss – Die Türckische Cammer

Bericht aus dem Magazin die-infoseiten.de / Ausgabe Januar-Februar 2010

Mit der Türckischen Cammer erhält das Residenzschloss neben dem Grünen Gewölbe eine weitere Schatzkammer. Wobei hier der Begriff “Kammer” wirklich untertrieben ist, schließlich umfasst die Ausstellung ganze 750 m².

Die einzigartige osmanische Sammlung der Sächsischen Kurfüsten und Könige wird hier zu sehen sein orientalische Kunst wie aus den Märchen von 1001 Nacht. Die kunstliebenden Herrscher trugen über Jahrhunderte hinweg Geschenke und Beutestücke auch Ankäufe erfolgten zusammen. Zudem entstanden Stücke als Auftragswerke in Europa, denn bekanntermaßen war es zeitweise üblich, beeindruckende Kulturund Kunststile nachzuahmen, um so deren Faszination zu verstehen. So entstand eine Sammlung, die deutschlandweit ihresgleichen sucht und nun ab Februar wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Insgesamt 600 exotische Waffen, Fahnen, Gewänder und Zelte werden zu sehen sein. Ganze 20 Jahre waren Restauratoren mit der Ausbesserung der Objekte beschäftigt.

Neben einer raumumlaufenden und zahlreichen großformatigen Vitrinen wird ein 20 m langes und 8 m breites osmanisches Staatszelt aus dem 17. Jahrhundert Mittelpunkt der Ausstellung sein. Eine Besonderheit ist, daß das mit großartigen Seidenapplikationen und vergoldetem Leder versehene Zelt frei präsentiert wird. Eine Vitrine zeigt insgesamt fünf lebensgroße, geschnitzte und mit prachtvollem Reitzeug ausgestattete Araberhengste. Damit die kostbaren Ausstellungsstücke angemessen zur Geltung kommen, werden die Fenster verdunkelt sein. Nur eine dezente, genau ausgerichtete Beleuchtung bringt die Kunstwerke ins richtige Licht.

In der Türckischen Cammer werden die Kunstwerke erstmals seit 70 Jahren wieder zu sehen sein. Nachdem bis 1942 nur ein kleiner Teil im Dresdner Johanneum austestellt war, gelangten die Gegenstände nach dem zweiten Weltkrieg größtenteils in die UDSSR. 1958 wurden sie nach Dresden zurückgeführt und ein sehr kleiner Teil konnte seit 1959 in der Rüstkammer bewundert werden.

3 Kommentare zum Thema “1.001 Nacht im Dresdner Schloss – Die Türckische Cammer”

  1. Redaktion (71 comments) sagt:

    Bedeutendste Sammlung osmanischer Kunst öffnet in Dresden
    „Türckische Cammer macht Faszination des Orients erlebbar“

    Im Dresdner Residenzschloss wird am kommenden Sonntag eine der ältesten und weltweit bedeutendsten Sammlungen osmanischer Kunst außerhalb der Türkei eröffnet. In der Türckischen Cammer als Teil der Rüstkammer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden wird auf knapp 750 Quadratmetern orientalische und orientalisierende Kunst zu sehen sein. Die sächsischen Kurfürsten hatten die Sammlung seit dem 16. bis zum 19. Jahrhundert aus diplomatischen Geschenken, Ankäufen und Beutestücken zusammengetragen.

    „Mit der Türkischen Cammer erstrahlt ein neues Glanzlicht sächsischer Sammlungsgeschichte und Kulturpflege. Besucher Sachsens und der Staatlichen Kunstsammlungen erwartet ein Museum, welches weit über Deutschland hinaus seinesgleichen sucht. Die Eröffnung der Türkischen Cammer ist für die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einem Zentrum der Kunst und Wissenschaft von weltweiter Ausstrahlung“, sagte die Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Prof. Sabine von Schorlemer, heute in Dresden. „Ich wünsche mir, dass die Türckische Cammer über die Auseinandersetzung mit osmanischer Kunst und Kultur zur Auseinandersetzung mit osmanischer Geschichte anregt und dass es gelingt, möglichst viele türkische und internationale Gäste nach Dresden einzuladen. Das wäre ein wichtiges Zeichen für Weltoffenheit und Internationalität der Sammlungen und der Stadt Dresden“, so der Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Prof. Martin Roth.

    Die Türckische Cammer zeigt insgesamt rund 600 Objekte, darunter Prunkreitzeuge, Panzerhemden, Helme, Fahnen, Waffen und Gewänder. Zentrales Ausstellungsstück ist ein osmanisches Staatszelt aus dem Besitz Augusts des Starken: 20 m lang, 8 m breit und 6 m hoch. Zu den Höhepunkten der neuen Dauerausstellung zählen acht aus Holz geschnitzte Pferde in Originalgröße. Jeder der rund 150 kg schweren, prunkvoll geschmückten Araber ist ein Unikat. „Die ausgestellten Objekte sollen die von der osmanischen Kunst und Kultur ausgehende Faszination nachvollziehen und das Fremdartige erlebbar machen. Die Besucher erleben den Zauber einer orientalischen Nacht“, sagte der Direktor der Rüstkammer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Prof. Dirk Syndram. „Weltweit einmalig in der Dresdner Sammlung ist eine Gruppe von osmanischen Reflexbögen mit Originalbespannung, deren ältestes Exemplar aus dem Jahr 1586 stammt. Vier faltbare Trinkbecher aus Leder belegen das große Interesse sächsischer Herrscher an der osmanischen Alltagskultur. Eine besondere Faszination ergibt sich jedoch aus den vielfach überlieferten Angaben zur Provenienz der orientalischen Schätze der Türckischen Cammer, wie sie in dieser Form und Fülle wohl in keinem anderen Museum der Welt zu finden sind“, ergänzte Holger Schuckelt, Oberkonservator der Sammlung.

    Die Türckische Cammer war seit 1614 ein eigenständiger Sammlungsbereich innerhalb der Rüstkammer. In den vergangenen 70 Jahren konnten die Arbeiten allerdings nicht angemessen museal präsentiert werden. Sie wurden bis 1942 in anderer Form im Dresdner Johanneum ausgestellt und 1959 in kleiner Auswahl in die Dauerausstellung der Rüstkammer integriert. Zwanzig Jahren lang war an der Konzeption der Türckischen Cammer und dem Erhalt der Objekte gearbeitet worden. Die Gestaltung der Räume der Türckischen Cammer hatte das Architekturbüro Peter Kulka übernommen.

    Die neue Dauerausstellung wird von einem umfangreichen museumspädagogischen Rahmenprogramm begleitet, zu dem auch Führungen in türkischer Sprache und Lehrerfortbildungen, unter anderem in Berlin, Hamburg und Stuttgart, zählen.

    Pressemitteilung Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, 1.3.2010

  2. Redaktion (71 comments) sagt:

    Türkischer Außenminister besucht am 6. März Dresden

    Der türkische Außenminister Prof. Dr. Ahmet Davutoğlu kommt in die sächsische Landeshauptstadt. Am Abend des 6. März wird er gemeinsam mit Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Bundesaußenminister Dr. Guido Westerwelle die „Türckischen Cammer“ offiziell eröffnen.

    Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zeigen in der „Türckischen Cammer“ – die im Dresdner Residenzschloss als Dauerausstellung geplant ist – auf 750 qm circa 600 orientalische und orientalisierende Objekte. Darunter prunkvolles Reitzeug, Kostüme, Zelte, Fahnen, Waffen und andere Kunstwerke.

    Ministerpräsident Tillich: „Ich freue mich sehr über den Besuch von Prof. Dr. Ahmet Davutoğlu. Er zeigt auch eine hohe Wertschätzung für das Kulturland Sachsen.”

    Pressemitteilung Sächsische Staatskanzlei, 26.2.2010

  3. Redaktion (71 comments) sagt:

    Im Dresdner Schloss entsteht Märchenwelt aus 1001 Nacht
    Endspurt für die „Türckische Cammer“ und den Altan!

    Ende November übergibt der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) die baulich fertig gestellte „Türckische Cammer“ an die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Finanzstaatssekretär Dr. Wolfgang Voß nutzte heute bei einem Presserundgang die Gelegenheit, sich vor Ort zu informieren.

    Die „Türckische Cammer”, ein moderner und hochtechnischer Ausstellungsbereich, präsentiert ab Anfang März 2010 die Osmanische Sammlung der sächsischen Kurfürsten und Könige.

    Voß: „Mit der ‘Türckischen Cammer’ entsteht neben dem Grünen Gewölbe eine weitere Schatzkammer im Dresdner Schloss! Um die prachtvollen Ausstellungsstücke angemessen zu präsentieren, sind die Fenster verdunkelt und gibt es nur eine dezente Beleuchtung. Dadurch verstärkt sich der Eindruck einer Schatzkammer. Die Entwürfe stammen von dem Architekturbüro Peter Kulka. Der Freistaat Sachsen investiert rund 6 Millionen Euro für diesen Ausstellungsbereich, der zur Rüstkammer gehört“.

    Derzeit erfolgen letzte Handgriffe an der Endmontage der Vitrinen. Dabei nehmen diese nicht einfach nur Kunstgegenstände auf. Sie sind durch Mechanismen zur Temperatur- und Luftfeuchteregelung, Beleuchtung, Staubfreiheit und Sicherheit eigene technische Meisterwerke. Die Zu- und Abluft wird über Deckengräben, bei den Zelten über Bodengräben realisiert. Dabei kann jede Vitrine nach Bedarf separat eingestellt werden. Der Fußboden und die Podeste sind mit Theumaer Fruchtschiefer belegt.

    Zirka 600 exotische Waffen, Zelte, Reitzeuge, Fahnen und Gewänder werden in einem ausgefeilten Ausstellungskonzept präsentiert:
    • 15 entspiegelte Vitrinen
    • eine Podestvitrine
    • sieben großformatige Sondervitrinen
    • eine raumumlaufende Vitrine (ca. 148 m², Vitrinenhöhe ca. 3,40 m)
    • eine Pferdevitrine für fünf lebensgroße Pferde
    • eine hohe Fahnenvitrine (4,50 m breit/ 4,25 m hoch)

    Hauptausstellungsstück wird das 20 m lange, 8 m breite und 6 m hohe osmanische Staatszelt aus dem 17. Jahrhundert sein. Das später frei präsentierte Zelt wurde Ende Oktober nach einem Probeaufbau im Propositionssaal wieder abgebaut. Gegenwärtig wird es mit Stickstoff behandelt um Schädlingsbefall vorzubeugen.

    Die „Türckische Cammer“
    Fläche: ca. 750 m² ( im 2. Obergeschoss des Zwischenflügels Nord)
    Bauzeit:Oktober 2008 bis November 2009, vor Oktober 2008 bereits erste Abbruch- und Rohbauarbeiten
    Kosten: 5,7 Millionen Euro (davon ca. 2,5 Mill. Euro für Vitrinen- und Vitrinenklimatisierung)
    Bauherr: Freistaat Sachsen, Projektleitung Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement

    Neben der „Türckischen Cammer“ waren der Altan und die Englische Treppe Stationen des Rundganges.

    Der Wiederaufbau des Schlosses beinhaltet die Wiederherstellung der Fassaden im Großen Schlosshof in der Fassung des 16. Jahrhunderts. Dazu gehört der Altan vor dem Hausmannsturm, der in seiner ursprünglichen Fassung neu entsteht. Er zählt mit seinen reichen Bildhauerarbeiten zu den bedeutendsten Renaissanceplastiken nördlich der Alpen und wird zukünftig der Blickfang des Großen Schlosshofes sein. Die ersten Modellentwicklungen für die Reliefplatten begannen im Jahr 2000. Derzeit erfolgen noch bis Ende November die letzten Dachklempnerarbeiten. Der Freistaat Sachsen investierte 2,8 Millionen Euro.

    Die Englische Treppe bildet ab März 2010 den Hauptzugang zu den Museen (Neues Grünes Gewölbe, Historisches Grünes Gewölbe, Kupferstichkabinett, Rüstkammer) und wird seit März 2007 aufwändig rekonstruiert. Derzeit sind hier Stuckateure, Tischler und Natursteinbauer am Werk. Die repräsentative Treppenanlage war 1945 nicht nur ausgebrannt, es stürzten auch Teile der Decken und Dachkonstruktion auf sie herab und beschädigten Podeste, Treppenläufe und Sandsteinsäulen.

    Pressemitteilung Sächsisches Staatsministerium der Finanzen, 16. November 2009

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