Stadtteilgeschichte Dresden Hosterwitz
Bericht aus Magazin die-infoseiten.de – Ausgabe November-Dezember 2008
„Oh Hosterwitz, oh Ruhe! Ruhe!“
So beschrieb Carl Maria von Weber im 19. Jahrhundert den kleinen Ort am Ufer der Elbe. Worte, die den Dresdner Stadtteil auch heute noch treffend charakterisieren. Idyllisch zwischen Pillnitz und Niederpoyritz gelegen, mit liebevoll gepflegten Anwesen, einer bezaubernden Kirche, direkt an der Elbe und doch nicht weit vom pulsierenden Leben der Großstadt entfernt – so empfängt Hosterwitz seine Gäste.
Dem Wanderer sei ein Besuch des wildromantischen Keppgrundes empfohlen. Der Keppgrundweg führt steil empor und auf dem Weg wird man stets vom Plätschern des Keppbaches begleitet. Vorbei an attraktiver Bebauung inmitten
traumhafter Natur gelangt man auf
den „Zuckerhut“, einer 220 m hohen Anhöhe. Ihren Namen verdankt sie ihrer typischen Form. Von hier aus hat man, Hosterwitz zu Füßen, einen fantastischen Blick über das Elbtal bis in die Sächsische Schweiz hinein. Wer mag, kann sich von hier aus auf einen Abstecher in das Hochland begeben.
Aus einer slawischen Ansiedlung entstanden, findet der Ort Hosterwitz im Jahre 1406 unter dem Namen „Hostenbricz“ erstmals urkundliche Erwähnung. Doch die Besiedlung der Gegend erfolgte bereits viel früher, wie alte Ausgrab
ungsfunde belegen. Unsere Vorfahren verdingten sich hier als Fischer und Schiffer.
An den
Hosterwitzer Elbhängen wurde lange Zeit umfangreicher Weinbau betrieben. Den Anbau beendete man erst Ende des 19. Jahrhunderts, als die Reblaus ganze Hänge vernichtete. Außerdem wurde das Gebiet beliebter Baugrund, denn ab dem 19. Jahrhundert zog es die Dresdner Bürgerschaft auf der Suche nach Ruhe und Entspannung mehr und mehr in den kleinen Ort. Anwesen mit Sommerhäusern entstanden.
Aber auch der Adel schätzte die Romantik und Ruhe des Ortes von jeher. So weilte u.a. auch Prinzessin Mathilde, Herzogin zu Sachsen, während der Sommermonate mit ihrem Gefolge in Hosterwitz. Ab 1919 siedelte sie gänzlich in das Sommerhaus ihres Vaters, König Georg von Sachsen, um und wohnte hier bis zu ihrem Tode.
Im Jahre 1950 wurde Hosterwitz nach Dresden eingemeindet.
Die Hosterwitzer Kirche „Maria am Wasser“
Jedem, der am Kleinzschachwitzer Ufer entlang spaziert oder die Region mit dem Dampfer erkundet, wird dieser für Hosterwitz charakteristische Bau ins Auge fallen. Malerisch fügt sich die Kirche in die herrliche Landschaft ein. Etwas erhöht thront sie am Rande der Elbwiesen.
Di
e ehrwürdige Kirche wurde 1406 erstmals erwähnt und diente lange als Schifferund Fischerkirche. In diesem ersten schlichten Bau wurden Messgottesdienste abgehalten. Später genügte dies den Anforderungen der Zeit nicht mehr. So baute man das Kirchlein Anfang des 18. Jahrhunderts umfangreich um. Die Er
weiterungen und Umbauten bestimmen das heutige Aussehen weitgehend. Damals erhielt die Kirche auch ihren achteckigen Turm – gekrönt von einer zwiebelförmigen Spitze. In nachfolgenden Jahren und Jahrhunderten wurde immer wieder erneuert, um- und ausgebaut sowie instandgesetzt.
Wohl nicht zuletzt wegen seiner idyllischen Lage, erfreut sich „Maria am Wasser“ als Hochzeitskirche großer Beliebtheit.
Auch der direkt angeschlossene, denkmalgeschützte Friedhof ist in jedem Fall eine Besichtigung wert. Unter alten, ehrwürdigen Bäumen befinden sich hier sehr wertvolle Grabmale aus dem 18. und 19. Jahrhundert.
Carl Maria von Weber – Museum
Einer der wohl bekanntesten Bewohner von Hosterwitz war der Komponist Carl Maria von Weber. Er residierte seit 1816 in Dresden, war Musikdir
ektor der Hofoper – später Kapellmeister auf Lebenszeit. Um nach diesen ausfüllenden Tätigkeiten die wohlverdiente Ruhe zu finden, mietete er sich, zusammen mit seiner Frau Caroline Brandt, ab 1818 bei einem Weinbauern in Hosterwitz ein. Er nutzte die Räumlichkeiten als Sommerfrische und genoss das glückliche Beisammensein mit seiner Familie.
Namhafte Künstler gingen ein und aus. So besuchten ihn hier beispielsweise E.T.A. Hoffmann, Ludwig Tieck und Heinrich Marschner. Inmitten dieser Idylle fand Weber Ruhe für seine künstlerische Arbeit. In Hosterwitz entstanden u.a. die „Jubelkantate“, die „Aufforderung zum Tanz“, „Euryanthe“ und wesentliche Teile des „Freischütz“, zu dessen Wolfsschluchtszene ihn das Flair der Umgebung an einem nebeligen Morgen inspiriert haben soll.
Im „Weberhaus“ auf der Dresdner Straße 44 befindet sich heute das Carl-Maria-von- Weber-Museum. Inventar aus Familienbesitz, Sammlungen seiner Werke, Lesungen, musikalische Veranstaltungen und ein wunderschöner Garten halten sein Andenken lebendig und lassen den Besuch zu einem besonderen Erlebnis werden.
Webers zahmen Kapuzineräffchen Schnuff widmete der Bildhauer I. Zehme ein Epitaph, dessen Reproduktion heute an der elbseitigen Grundstücksmauer der Kirche „Maria am Wasser“ zu bewundern ist.
Das Hosterwitzer Wasserwerk
„Unverkennbar Erlwein!“, wird so mancher Architekturbegeisterte beim Anblick des Wasserwerkes ausrufen. Richtig. Der Bau trägt eindeutig die Handschrift von Hans Erlwein – dem bekannten Dresdner Stadtbaurat und späteren Leiter des Hochbauamtes. Unter seiner Führung entstanden zahlreiche Gebäude, die das Stadtbild bis heute prägen.
Aufgrund der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts war abzusehen, dass die Kapazität des Tolkewitzer Wasserwerkes über kurz oder lang nicht mehr ausreichen würde und bereits 1899 gab es erste Empfehlungen für den Bau eines weiteren Werkes. 1901 erfolgten erste Untersuchungen zu Bodenbeschaffenheit, Wasservorkommen und -menge.
1907 wurde mit dem Bau begonnen und bereits 1908 konnte die Anlage als drittes Wasserwerk in Dresden in Betrieb genommen werden.
Naturwissenschaftliche Glaskunst – die Blaschkas in Hosterwitz
Leopold (1822 – 1895) und Rudolf (1857 – 1939) Blaschka, Vater und Sohn, kamen ursprünglich aus Nordböhmen. Die Glaskunst hatte in der Familie bereits seit einigen Jahrhunderten Tradition. 1863 zog die Familie nach Dresden, wo Leopold Blaschka grazile Glasblumen und –pflanzen in Originalgröße und nach eigenen Vorlagen für das Naturhistorische Museum herstellte. Außerdem fertigte er Glasaugen.
Zusammen mit seinem Sohn Rudolf, der die Kunstfertigkeit im Umgang mit Glas ebenso von seinem Vater erbte, wie die Begeisterung für Naturwissenschaften, wurden sie weltweit bekannt. Sie fertigten in einem eigens entwickelten Verfahren – dem sogenannten Glasspinnen – feinste originalgetreue Glasmodelle von wirbellosen Tieren als Lehrmittel für europäische Universitäten und Gymnasien.
1887 zog die Familie nach Hosterwitz. Hier besuchte sie Professor George Lincoln Goodale, Direktor des Botanischen Museums der Harvard Universität, nachdem er in Boston auf die gläsernen Kunstwerke aufmerksam geworden und von den naturgetreuen Meisterwerken begeistert war. Er wollte die Blaschkas dafür gewinnen, für sein Museum Pflanzenmodelle zu fertigen. Nach langen Verhandlungen stimmten Vater und Sohn zu. Die Fertigung von Pflanzen erforderten umfangreiche neue Studien und wissenschaftliche Forschungen. Später fertigten die Blaschkas ausschließlich Modelle aus der Pflanzenwelt für das Museum in Harvard.
Als Rudolf Blaschka am 1.5.1939 in Hosterwitz verstarb, nahm er die Geheimnisse der Familienkunst mit ins Grab. Seine Ehe war kinderlos geblieben und beide Blaschkas hatten niemals Lehrlinge ausgebildet.
Seidenraupenzucht in Hosterwitz – das Plantagengut
Mitte des 18. Jahrhunderts kaufte Premierminister Reichsgraf von Brühl das Hosterwitzer Gut, welches in der Vorzeit verschiedenen Eigentümern gehörte und stets vergrößert wurde. Er ließ hier Tabak anbauen und errichtete sogar eine verarbeitende Fabrik. 1752 trat er das Grundstück an das Sächsische Königshaus ab. Der Tabakanbau wurde eingestellt.
1754 schlug die sächsische Regierung die Errichtung einer Maulbeerbaumplantage und einer Seidenraupenzucht vor, von der sie sich große Gewinne erhoffte. Den Bewohnern wurde der Umgang mit den Bäumen und Raupen gelehrt. Bald standen eine Vielzahl Maulbeerbäumen auf der Plantage, die Seidenraupen wurden im Hauptgut gezüchtet, wo sich auch die Seidenspinnerei befand. Die Plantage wurde nun Plantagengut genannt. Um- und Neubauten zur Verbesserung der Zuchtbedingungen wurden realisiert. Nach großen Beschädigungen während des Elbehochwassers von 1799 wurde die Seidenraupenzucht nicht weiter fortgesetzt.
Camillo Graf Marcolini, kurfürstlicher königlich sächsischer Oberstallmeister und Geheimer Rat, übernahm das Gelände in Erbpacht.
Mehrere Besitzer später erbaute Bankier Thode eine Villa am Ufer der Elbe, die heute noch teilweise erhalten ist. Vom Plantagengut ist außerdem noch das Remisengebäude erhalten geblieben.
Wir danken Herrn Sieghart Pietzsch für die freundliche Unterstützung.
Dem Interessierten sei sein Buch empfohlen: „Chronik von Hosterwitz – 1406 – 2006“
-
Übernachtung in Pillnitz und Umgebung →
Historischer Wanderleitfaden – Pillnitz und Umgebung
Elbuferwanderung von Pillnitz nach Loschwitz →
-
-
entlang der Elbauen mit dem Stadtspiele Verlag →
-
-


Achtung: Sperrung Wanderweg im Keppgrund
Seit dem 18. Oktober ist der Wanderweg durch den Keppgrund zwischen Keppmühle und der Hausnummer 3 am Beginn des Wanderweges in Hosterwitz für Fußgänger gesperrt, da hier durch den desolaten baulichen Zustand der Treppenanlage und der Stützmauer in Höhe der Keppmühle keine Verkehrssicherheit mehr gegeben ist. Die Dauer der Sperrung ist noch nicht absehbar. Das Straßen- und Tiefbauamt prüft derzeit mögliche Ausweichrouten.
Newsletter der Landeshauptstadt Dresden, 22.10.2010