Stadtteilgeschichte Dresden Klotzsche
Bericht aus Magazin die-infoseiten.de – Ausgabe Januar-Februar 2008
Wer kennt ihn nicht – den Flughafen Klotzsche? Ein Ort für Fernweh, rührende Abschiedsszenen und überwältigende Wiedersehensfreude. Geschäftsleute in Anzügen und mit Aktentaschen eilen zum Businessflieger, gleich daneben steht eine Familie in freudiger Erwartung auf ein paar entspannende Urlaubstage. – Hier weht der Wind der weiten Welt.
Auch als Standort der Mikroelektronik/Informations- und Kommunikationstechnologie erlangte Klotzsche in den vergangenen Jahren große wirtschaftliche Bedeutung. So siedelten sich Großbetriebe wie beispielsweise Infineon, ZMD, Solarwatt, Airbus und die Elbe-Flugzeugwerke an. Die hier gefertigten Erzeugnisse haben Abnehmer in aller Welt.
Dabei ging der heutige Dresdner Stadtteil nördlich der City aus einem kleinen slawischen Bauerndorf in der Dresdner Heide hervor. Es wurde 1309 als Kloiczowe erstmals urkundlich erwähnt und unterstand dem Lehnsherrn Bernhard II. von Pulsnitz. Nach mehreren Besitzerwechseln kam es Mitte des 15. Jahrhunderts als Amtsdorf zu Dresden. 1501 wurde das Dorf erstmals als „Klotzscha“ erwähnt und im Jahr 1883 führte man offi ziell den Namen „Klotzsche“ ein. Die Bewohner trotzten den ungünstigen Bodenverhältnissen und bauten auf ihren Feldern Heidekorn an. In den Bauernhöfen betrieben sie Viehzucht. Des weiteren mussten sie für den Dresdner Kurfürstenhof allerlei Frondienste leisten. So w
aren sie u.a. bei der Jagd behilfl ich, durften sich selbst aber gegen Wild, das beträchtlichen Schaden auf den Feldern anrichtete, nicht wehren. Einige Bauern gaben den wertvollen Jagdhunden des Hofes eine Unterkunft. Auch die Imkerei und der Vogelfang in den Wäldern waren von Bedeutung. Am Dresdner Hof galten bestimmte Singvögel als besondere Delikatesse.
Immer wieder mussten sich die Dorfbewohner großer Brände erwehren und ihren Heimatort neu aufbauen. So wurden in den Jahren 1637, 1729 und 1746 große Teile des Dorfes zerstört. Eine Feuersbrunst im Jahr 1802 vernichtete den gesamten Ort bis auf sieben Gebäude, bei einer anderen 1868 verbrannte das halbe Dorf. Das zauberhafte
Altklotzsche entstand nach diesem letzten Großbrand neu. Verschiedene Gebäude und die Dorfkirche stehen heute unter Denkmalschutz. Die liebevoll sanierten Fachwerkhäuser sowie die „Alte Kirche“ lassen Struktur und Flair des Dorfes noch gut erkennen.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Klotzsche, bedingt durch seine idyllische Lage und die guten klimatischen Bedingungen, zum Villen- und Kurort. Es entstand der Ortsteil Königswald, als dessen Begründer der Bezirksfeldwebel Friedrich August Quosdorf gilt. Quosdorf lebte von 1840 – 1889. Er besaß selbst in Königswald ein Anwesen mit Gästehaus – das spätere Klotzscher Bahnhofshotel. Gut situierte Bürger, Gelehrte, Künstler, Ärzte sowie Geschäftsleute ließen sich hier nieder und errichteten prächtige Villen inmitten aufwändig gestalteter Grundstücke. Viele Berühmtheiten wohnten in Klotzsche. So beispielsweise der Dresdner Bildhauer Prof. Johannes Schilling, der dänische Literatur- Nobelpreisträger Karl Gjellerup und die Maler Conrad Felixmüller und Georg Estler, letzterer ein Schüler Ludwig Richters. Der Arzt Prof. Dr. med. Julius von Finck kam 1926 in den Ort und eröffnete das Deutsche Institut für Wirbeltuberkulose. Heute ist eine Klotzscher Straße nach ihm benannt.
We
iterhin entstanden die Ortsteile Alberthöhe und Schänkhübel. Es wurden Restaurants, Gasthäuser und Hotels errichtet. Geschäftshäuser – vor allem entlang der Königsbrücker Landstraße – schossen wie Pilze aus dem Boden. Die Bauwelle ließ die Ortsteile immer näher zusammenrücken und schließlich miteinander verschmelzen.
Vom Königlichen Forst wurde ein ca. 180.000 m² großes Waldstück gepachtet und großzügig mit Wegen zum Flanieren, mit Kinderspielplätzen, Bänken, einem Tennisplatz und Musikpavillons ausgestattet. Gastronomen kümmerten sich um das leibliche Wohl der Besucher. Der Waldpark erfreute sich nicht nur bei Kur- und Badegästen, sondern auch bei den Einheimischen großer Beliebtheit. Ein Denkmal von König Albert von Sachsen, den Monarchen in Jägerkleidung darstellend, krönte den Park. Es wurde jedoch leider 1948 zerstört.
Um den Kurort noch attraktiver zu gestalten, eröffnete man 1902 das Waldbad Klotzsche.
Das Kurhaus Kotzsche
… wurde um 1880 als Gasthaus „Carolaschlößchen“ erbaut. Nach einer Erweiterung in den Jahren 1886 – 1888 entwickelte sich das Kur- und Ballhaus innerhalb kurzer Zeit zum kulturellen Mittelpunkt des Kurbades Königswald. Es galt als beste Adresse für Konzerte, Theateraufführungen und Tanzveranstaltungen. Die Gaststätte blieb noch bis in die 1980er Jahre bestehen, während der Ballsaal 1949 geschlossen und als Lager und Produktionshalle genutzt wurde. 1993 begann die private Sanierung des ruinösen Kurhauses. Heute erstrahlt das ehrwürdige Gebäude als Hotel in altem Glanz.
Der Aufschwung des Ortes ging mit dem Ausbau des Verkehrsnetzes einher. 1875 erfolgte der Anschluss an die bereits bestehende Eisenbahnlinie Dresden – Görlitz und 1884 eröffnete man eine Schmalspurbahn nach Königsbrück.
Ab 1903 beförderte die „Dresdner Heidebahn“ Kurgäste und Sommerfrischler aus der Landeshauptstadt nach Klotzsche. Diese elektrische O-Bus-Linie war die erste ihrer Art in Dresden, musste jedoch bereits 1904 wieder eingestellt werden. 1911 wurde Klotzsche an das Straßenbahnnetz angeschlossen.
Da die Dorfkirche – heute „Alte Kirche“ in Altklotzsche – mit ihren 300 Plätzen nicht mehr ausreichte, errichtete man nach Plänen des Architekten Woldemar Kandler eine neue Kirche im Ortsteil Königswald. Sie wurde 1907 geweiht und trägt seit 1925 den Namen „Christuskirche“.
Das Klotzscher Rathaus
In den Jahren 1906 – 1907 entstand unter der Bauleitung des Dresdner Architekten Gustav Rudolph das Klotzscher Rathaus an der heutigen Kieler Straße 52. Einst zierten die Jahreszahlen der Erbauung, das sächsische Staatswappen und der „Klotzscher Baum“ – das Siegel der Gemeinde – die Vorderfront. Diese Reliefs wurden jedoch in den 1960er Jahren während einer Sanierung entfernt und nie wieder angebracht. Seit der umfangreichen Restaurierung des Rathauses von 1997 – 1998 ist der ehemalige Ratssaal mit seinen Jugendstilornamenten und Wappen als Bürgersaal für die Öffentlichkeit wieder zugängig.
Nach und nach verlor Klotzsche seine Bedeutung als Kurort. Kurgäste bevorzugten Kleinzschachwitz oder das Bad Weißer Hirsch. Da man jedoch schon damals sehr gern in Klotzsche wohnte, erbaute man neue Siedlungen – u.a. 1920 Am Trobischberg und Am Steinacker.
Ganz neue Reformgedanken hielten 1908 beim Bau der Gartenstadt Hellerau Einzug – siehe die-infoseiten.de in der Ausgabe März – April 2007.
1935 – mit Eröffnung des Flughafens – begann eine neue Ära als Garnisionsstadt. Eine Vielzahl militärischer Einrichtungen entstanden. Noch im selben Jahr erhielt Klotzsche das Stadtrecht.
Der Wasserturm
… wird auch das Wahrzeichen von Klotzsche genannt, überragt er doch mit seinen 35 Metern den gesamten Ort. Der Neubau wurde 1935 mit der Errichtung des Flughafens notwendig. Neben seiner Funktion als Speicher für das Klotzscher Wasserwerk – er besaß ein Fassungsvermögen von 1.000 m³ – diente er auch als Feuerwachturm. Nachdem er 1970 stillgelegt wurde, nutzte man das Gebäude noch einige Jahre u.a. als Ort für Weiterbildungen. Danach stand er 15 Jahre leer. Seit seinem grundlegenden Umbau in den Jahren 2003/2004 beherbergt der denkmalgeschützte Turm heute 13 Eigentumswohnungen.
1950 wurde die Stadt Klotzsche nach Dresden eingemeindet. Seit 1955 entstand am Flughafen der VEB Flugzeugwerke Dresden (VEB = Volkseigener Betrieb). Hier wurde das erste Deutsche Düsenverkehrsfl ugzeug, die „152“, hergestellt. 1961 wurde der Flugzeugbau eingestellt. Später entstand hier ein Industriegebiet, wo sich u.a. die Flugzeugwerft, Forschungsinstitute und Firmen der Metallindustrie niederließen. Noch heute produzieren hier viele Betriebe aus unterschiedlichen Branchen. Gleichzeitig wurde Klotzsche zum Hauptstandort der Mikroelektronik in der DDR.
Heute wohnen in Klotzsche ca. 14.000 Einwohner. Der Stadtteil vereint unterschiedliche Merkmale auf einzigartige Weise. Er ist beliebter Wohnort, wichtiger Wirtschaftsstandort, bezaubernder Ausfl ugsort an der Dresdner Heide und mit dem Flughafen Dresdens „Tor zur Welt“.
Wir danken Herrn Siegfried Bannack für die freundliche Unterstützung bei der Erarbeitung des Beitrages.
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eine Beispiel Tour aus diesem Heft->
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Am 14. März 2009 - Veröffentlicht in: Geschichte Dresden
Historischer Wanderleitfaden – Viele Wege führen nach Dresden
Historischer Wanderleitfaden – Touren um die Dresdner Heide
admin (8 comments) 20. April 2009 12:40 :
700 Jahre Klotzsche – eine Urkunde erzählt
Bericht aus Magazin die-infoseiten.de – Ausgabe März-April 2009
Friedrich „Fridericus, durch Gottes Gnade Markgraf von Dresden“, brachte am 9.10.1309 „allen Gläubigen in Christo sowohl für die Jetztzeit als auch für die Zukunft das gegenwärtige Schreiben“,
nämlich die Urkunde der Ersterwähnung von Klotzsche, – „denen, die es sehen und hören können – zur Kenntnis.“ „Da des Menschen Gedächtnis schwankend ist und damit es nicht vorkommt“, heißt es in dieser wichtigen Urkunde weiter, „daß es infolge Not noch durch Bestechung verändert werden könnte, kleiden wir unseren Willen in das Gewand dieser Urkunde. So groß und wertvoll ist es, daß wir den Inhalt dieses authentischen Schreibens unverzüglich anerkennen und öffentlich bekannt geben, weil es die Gerechtigkeit von uns fordert.“ – so der Markgraf, der sich großspurig “Markgraf von Dresden” nannte, obwohl er der Markgraf von Meißen war.
Zwei adlige Edelleute, Otto Burggraf von Dohna und Bernhard II. von Pulsnitz, letzterer der Schwiegersohn des Burggrafen, hatten beim Markgraf in Dresden darum gebeten, der Tochter Margarete des Burggrafen und Gemahlin des Bernhard II. von Pulsnitz, alles Gut, das Bernhard II.
vom Markgraf als Lehen erhalten hatte, als Mitgift zu überlassen. Nachdem das Schreiben des Markgrafen von Bernhard II. anerkannt worden war, wurde alles Lehnsgut des Bernhard in die
Hände seiner Gemahlin Margarete gelegt. Das waren die aufgeführten Dörfer: Hoykendorf (Höckendorf), Dytwinsdorf (Dittmannsdorf), Nuwendorf (Naundorf), Bernhardisdorf (Bärnsdorf), die Hälfte des Dorfes Vollung (um 1309 handelte es sich dabei um das Dorf Pulsnitz, heute Teil der Stadt Pulsnitz), Kloiczowe (Klotzsche), der Forst, welcher zwischen dem Dorf Gromnhan (Gräfenhain) und dem Wald, der Burchwald heißt und zwischen Bernhardisdorf und Nuwendorf liegt (also vermutlich der Friedewald, die Radeburger und die Laußnitzer Heide).
Die hohen Herren setzten die Tochter des Burggrafen zu Dohna und Gemahlin des Bernhard II. von Pulsnitz, Margarete, als neue Herrin in alle Lehnsgüter der vorgenannten Dörfer ein. Rechtlich und
allgemein stand ihr damit die Gerichtsbarkeit über alle Knechte und Mägde in den genannten Dörfern zu. Die aufgeschriebene Mitgift – ohne die Hochzeitsgeschenke – übernahm vorsichtshalber als Vormund und Verweser für seine Tochter der besagte Burggraf von Dohna, damit seiner Tochter in den erwähnten Dörfern möglichst viel erhalten bleiben sollte, falls ihr Gatte sie verlassen, also sterben würde und sie dann selbst in das Amt eingesetzt werde. Bernhard II. von Pulsnitz hatte aber von sich aus für seine Frau Margarete bestimmt, dass sie außer den gemachten Hochzeitsgeschenken das Dorf Mittelbach als Morgengabe zur Hochzeit erhalten solle.
Damit über das Übergebene in Zukunft keinerlei Zweifel entstehen oder es jemanden einfallen sollte, es zu ändern oder zu vereiteln, hatte der Markgraf diese Urkunde für den Burggrafen und seine Tochter Margarete als Zeugnis mit seinem Siegel versehen. Auch Bernhard II. von Pulsnitz hängte als Zeugnis der Glaubwürdigkeit für die gemachten Geschenke dem betreffenden Schreiben sein Siegel an. Bezeugt wurde der ganze urkundliche Akt von mehreren anwesenden hohen Adligen aus der näheren und weiteren Umgebung.
nach einer Übersetzung des verst. Volkskundlers Dr. phil. A. Fiedler, Klotzsche.
Siegfried Bannack, 2009, Klotzscher Verein e.V.
Redaktion (87 comments) 01. September 2009 12:43 :
700 Jahre Klotzsche – Festwochenende vom 11 . – 13.09.2009
Und nun ist es also soweit – der Höhepunkt des Festjahres steht vor der Tür und sicherlich werden die zahlreichen Organisatioren rund um den Klotzscher Verein noch bis zum letzten Augenblick Vorbereitungen treffen, um eben dieses zu einem unvergesslichen Erlebnis werden zu lassen.
weitere Infos, alle Veranstaltungen unter http://www.700-jahre-klotzsche.de
Redaktion (87 comments) 10. September 2009 12:30 :
Festumzug in Klotzsche bringt Verkehrseinschränkungen
vom 11. – 13. September 2009 findet das Festwochenende zur 700-Jahr-Feier des Dresdner Stadtteils statt. Am Sonntag finden die Feierlichkeiten ihren Höhepunkt im Festumzug – Start 13.00 Uhr in Altklotzsche, über die Klotzscher Hauptstraße, Greifswalder Straße, Kieler Straße und Karl-Marx-Straße zum Dörnichtweg. Der Zug endet unterhalb des Wasserturms.