Die große Kreisstadt Freital im Osterzgebirge
Bericht aus Magazin die-infoseiten.de, Ausgabe November/Dezember 2007
Zu Füßen des 352 m hohen und dichtbewaldeten Windbergs liegt die Große Kreisstadt Freital.
Als sich die ersten Siedler im Tal der Weißeritz niederließen, ahnten sie noch nicht, dass der Steinkohleabbau einmal zu einem explosionsartigen Bevölkerungszustrom und zur Gründung einer hervorragend ausgestatteten Industriestadt führen würde, deren Erzeugnisse weithin einen guten Ruf genießen. Vielmehr verdienten sie ihren Lebensunterhalt mit der Landwirtschaft und verkauften ihre Produkte u.a. in der nahe gelegenen Residenzstadt Dresden.
Der erste Steinkohlefund ist aus dem Jahre 1542 historisch dokumentiert. Mit einfachsten Mitteln wurden an den unterschiedlichsten Orten die Bodenschätze abgebaut. Um 1750 bewohnten ca. 1.700 Menschen die Freitaler Region.
Am Anfang des 19. Jahrhunderts siedelten die ersten großen Steinkohlewerke an. Zu nennen wären hier die Königlichen Steinkohlewerke Zauckerode (gegr. 1806) und die Freiherrlich von Burgkschen Steinkohlenund Eisenhüttenwerke (gegr. 1819). Schnell kamen eine Vielzahl von Unternehmen der unterschiedlichsten Sparten hinzu, wie beispielsweise die Glasfabrik „Friedrichshütte“, Dampfkesselfabriken und die Sächsische Gussstahlfabrik Döhlen (gegr. 1855). Tausende Arbeiter und Bergleute strömten herbei, so dass mit der Industrialisierung der Bau von Häusern, Wohnungen, Straßen – kurz: die Neugestaltung der gesamten Region – einherging. Enge Arbeiterviertel entstanden unmittelbar neben großen Fabrikarealen. Später siedelten u.a. Fabriken zur Papier- und Kosmetikherstellung, der Chemie- und Bauindustrie, eine Porzellanfabrik sowie verschiedene Werkzeugmaschinenfabriken an.
Bevölkerten 1890 ca. 30.000 Menschen die Region, waren es 1910 knapp 48.000 Einwohner.
Eine Vielzahl von Vereinen, Arbeiterorganisationen, Sport- und Ortsgruppen organisierte das gesellschaftliche Leben. Für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen wurde so mancher Streik ausgefochten. So machte das sogenannte „Tal der Arbeit“, auch „Rotes Wien an der Weißeritz“ genannt – der Großteil der Arbeiter und Bergleute waren politisch links gerichtet – in allen Bereichen von sich Reden.
Im Jahr 1869 ereignete sich ein katastrophales Grubenunglück. Bei einer riesigen Methangasexplosion kamen 276 Bergleute ums Leben. In Gedenken an diese Menschen wurde ein Denkmal am Segen-Gottes- Schacht errichtet.
1921 schlossen sich als erstes die Ortschaften Döhlen, Potschappel und Deuben zu einer neuen, richtungsweisenden Stadt zusammen. Nach einem Vorschlag des Bergarbeitersohnes und Gemeinderates Hermann Henker wurde diese Freital – freies Tal – genannt.
Bis heute vereint Freital 25 ehemals selbstständige Ortschaften und verschiedene Siedlungen. Der Steinkohlebergbau spielt schon lange keine Rolle mehr. Seit 2003 erinnern zwei Fördergerüste – jeweils einer in Freital Zauckerode und einer in Freital Burgk – als Denkmal an diese bewegte Geschichte, die Stadt und Landschaft in so einzigartiger Weise geprägt hat.
In den letzten Jahrzehnten entwickelte sich Freital zu einer freundlichen, hellen Stadt mit äußerst reizvollem Umland. Der Großteil der bestehenden Häuser wurde saniert, so manches neu gebaut. Pensionen, Gasthäuser und Hotels ziehen immer mehr Touristen an, die den Charme der ehemaligen Bergbaulandschaft zu schätzen wissen. Die Nähe zum Tharandter Wald lädt zum Wandern ein.
Auch als Wirtschaftsstandort hat Freital einiges zu bieten. So produziert beispielsweise die BGH Edelstahl Freital GmbH mit gegenwärtig ca. 690 Mitarbeitern. Die Sächsische Porzellan-Manufaktur Dresden GmbH hat hier ihren Sitz und fertigt kunstvolles Porzellan.
Schloss Burgk
Auf dem ehemaligen Rittergut ließ 1846 Carl Friedrich August Dathe von Burgk – Besitzer der Freiherrlich von Burgkschen Steinkohlen- und Eisenhüttenwerke – sein Herrenhaus zu einem Schloss umgestalten.
Seit dem Jahr 1946 befi ndet sich das Freitaler Museum in den Räumlichkeiten. Die Städtischen Sammlungen auf Schloss Burgk bieten Interessierten einen umfangreichen Einblick in die Geschichte der Stadt und des Steinkohlebergbaus. Vom Wirken und Schaffen regionaler Künstler erzählt die Kunstsammlung, welche sich ebenfalls im Schloss befindet.
Der idyllisch romantische Park mit seinen prächtigen Bäumen, einem Teich und verschiedenen Plastiken lädt zum stillen Verweilen ein. Hier befi ndet sich neben dem Mundloch zum sehenswerten Besucherbergwerk „Tagesstrecke Oberes Revier Burgk“ auch das „Rotkopf-Görg-Denkmal“.
Der Bildhauer Michael Arnold schuf dieses Kunstwerk nach einer alten heimischen Sage, die hier kurz angerissen werden soll: Der Musikant Rotkopf-Görg trifft eines Tages einen Berggeist, der ihn auffordert, für ihn und seine Gäste recht kräftig aufzuspielen. Anstatt des versprochenen reichen Lohnes erhält der enttäuschte Rotkopf-Görg jedoch nur glühende Kohlen und wirft sie weg. Zu spät bemerkt er den Zauber, der die Kohlen in pures Gold verwandelt hätte…
Wilhelmine Reichard (1788 – 1848)
Eine der berühmtesten Bewohnerinnen der Stadt war wohl Wilhelmine Reichard. Sie war 1811 die erste Ballonfahrerin Deutschlands. Obwohl Sie im selben Jahr einen Absturz nur knapp überlebte, hielt sie an ihrer Leidenschaft fest. Jede ihrer Ballonfahrten gestaltete sich zu einem Ereignis mit Programm und vielen Zuschauern. Sie wurde von ihrem Mann Gottfried nach allen Kräften unterstützt.
1821 verwirklicht Gottfried Reichard einen weiteren Traum der Eheleute. Er eröffnet in Freital eine chemische Fabrik.
Von 1814 bis zu ihrem Tod im Jahre 1848 lebte Wilhelmine mit ihrer Familie in Freital. Das Haus auf der Reichardstraße befi ndet sich heute wieder in privaten Händen und wurde in den vergangenen Jahren liebevoll restauriert.
Blickt man an warmen, sonnigen Abenden an den Himmel, kann man die Luftfahrt-Pionierin mitunter sehen. Lächelnd schaut dann ihr Abbild von einem Heißluftballon auf uns herab.
Das König-Albert-Denkmal
Entnommen aus „Historischer Wanderleitfaden – Der Plauensche Grund und die Täler der Weißeritz“ (3).
Die Gemeinden des Windbergumlandes und des Plauenschen Grundes widmeten dem beliebten sächsischen König Albert ein Denkmal auf dem Gipfel des Windberges. Die Mittel zur Errichtung des 17 m hohen Monuments wurden durch Geldspenden aufgebracht, das Grundstück vom Freiherrn Max von Burgk kostenlos zur Verfügung gestellt.
Der Entwurf des Baus stammte vom Architekten Kühne, die Ausführung besorgte eine Firma aus Dresden-Plauen. Eine Schrifttafel und das Relief eines Reiterstandbildes zieren das am 18. September 1904 eingeweihte Denkmal.
Eine ebenfalls angebrachte Tafel aus dem Jahre 1952 hält die Erinnerung an den Freitaler Bergbau und seine Bergleute mit dem Spruch des Freitaler Ehrenbürgers Hellmuth Heinz wach:
„Siehe Wanderer, ins Tal, wie es erfüllt von Streben. Aus des Bergmanns Fleiß entstand und lebt es bis heute.“
Von diesem Standort bietet sich ein herrlicher Rundblick über Freital und die umliegenden Ortschaften.
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Historischer Wanderleitfaden – Der Plauensche Grund und die Täler der Weißeritz
