Handelsverband Sachsen e.V.
Bericht aus Magazin die-infoseiten.de – Ausgabe Juli-August 2008
Der Zusammenschluss von Händlern zur Wahrung der Interessen ihres Berufsstandes hat eine lange Tradition. Bereits 1916 wurde der „Leipziger Verband des Einzelhandels e.V.“ in der Messestadt gegründet. Zu den Gründern im Jahre 1916 gehörte Max Klötzer, Mitinhaber der Firma August Klötzer Spezialhaus für Schuhwaren nach orthopädisch-wissenschaftlichen Grundsätzen. Im Verband wurden die Interessen des Leipziger Einzelhandels wahrgenommen und gefördert.

Besonderes Augenmerk wurde auf die Hebung und Festigung des Standesbewusstseins und der Zusammengehörigkeit sowie das Erlangen einer ausreichenden Vertretung des Einzelhandels bei gesetzgebenden Körperschaften gelegt. Durch Einigungsämter und Schiedsgerichte schlichtete er Streitigkeiten aus unlauterem Wettbewerb. Er stellte Sachverständige oder Mitglieder für Schiedsgerichte, Ausschüsse und sonstige Einrichtungen. Als Selbsthilfeverein wehrte er Angriffe gegen den Einzelhandel ab und klärte die Bevölkerung über die Notwendigkeit und volkswirtschaftliche Bedeutung des selbständigen Einzelhandels auf. Der Verband nahm die Interessen der Arbeitgeber wahr.
Die Verbandsarbeit wurde in Fachgruppen organisiert. Es bestand ein Hauptausschuss, eine Tarif-, Presse-, Steuer- und Bilanzkommission, sowie eine Messekommission. Die Geschäftsstelle unterhielt eine Rechts- und Steuerberatungsstelle, eine Versicherungs- und eine Buchhaltungsabteilung sowie eine Fachprüfstelle.
Der Verband gehörte u.a. dem Gesamtverbund sächsischer Einzelhandelsgemeinschaften in Dresden an. Diese wiederum der Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels in Berlin. Die Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels wurde am 13.03.1919 in Berlin gegründet.
Seit 1900 gab es in Chemnitz 18 Einzelhandelsvereine, die branchenorientiert organisiert waren und arbeiteten, wie beispielsweise der Verein Chemnitzer Handelsleute „Hand in Hand“, die kaufmännische Gesellschaft Armina, der Reichsverband Deutscher Schuhhändler, der Weinhändlerverband der Kreishauptmannschaft Chemnitz und Zwickau, die IG Chemnitzer Manufakturwaren- und Konfektionsgeschäfte, der Verein Chemnitzer Agenturgeschäfte, der Chemnitzer Linoleumhändlerverein und die Vereinigung Chemnitzer Butterhändler. Sie gehörten dem Gesamtverbund sächsischer Einzelhandelsgemeinschaften in Dresden an. Analoge Vereinigungen gab es in Plauen, Zwickau und Freiberg. Wie auch in Leipzig, dokumentieren die vorliegenden Akten eine erzwungene Selbstauflösung der Vereine wegen der NS-Gleichschaltungspolitik ab 1934.
Die 20iger Jahre, geprägt durch Inflation und Wirtschaftskrise, erwiesen sich als äußerst schwierige Zeiten für den Einzelhandel. Die größten Probleme bereiteten sinkende Kaufkraft, Preisverfall, wachsende Arbeitslosigkeit, zunehmende Konkurrenz durch Selbstversorgerorganisationen der Verbraucher, durch zentralisierten Behördenhandel, Eisenbahnhandel und durch Hausierer- und Straßenhandel, mit denen sich der Verband im Interesse seiner Mitglieder auseinander setzte. Anfang der 30iger Jahre reagierte der Leipziger Verband des Einzelhandels auch auf die Auswirkungen der Notverordnung auf den Einzelhandel.
Mit der „Gleichschaltung“ des staatlichen Lebens in Deutschland im Jahre 1933 hatte der Verband seine eigenständige Rolle als Interessenvertreter des Einzelhandels verloren. 1934 lösten die Nationalsozialisten die Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels auf. Alle Einzelhandelsbetrebe wurden in der Pflichtorganisation „Wirtschaftsgruppe Einzelhandel“ eingeordnet.
An eine Neugründung der Einzelhandelsverbände in Ostdeutschland war nach dem II. Weltkrieg für lange Zeit nicht mehr zu denken. Am 12. September 1947 wurde die Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels in Bonn gegründet. Mehr als vier Jahrzehnte konnte die HDE nur den westdeutschen Einzelhandel vertreten. In der ehemaligen DDR fand aufgrund reglementierter Gesetze und der planwirtschaftlichen Verhältnisse keine Handelsverbandsarbeit statt.
Erst nach dem Mauerfall 1989 und der deutschen Wiedervereinigung konnte man hier wieder an alte Traditionen anknüpfen und so entstanden die ersten Händlervereine und –verbände. Um unter den neuen marktwirtschaftlichen Bedingungen Existenzen zu sichern und erfolgreich neu zu gründen, wurden die Verbände zum unverzichtbaren Betreuer und Dienstleister in Fragen der Wirtschafts- und Strukturpolitik sowie des Arbeits-, Sozial-, Miet-, Wettbewerbs- und Steuerrechts. Zu Finanzierungs- und Standortfragen wurden Informationsschulungen und Beratungsveranstaltungen durchgeführt. 1990 wurde der Name im Markenzeichen HDE in Hauptverband des deutschen Einzelhandels geändert. Die Einzelhandelsverbände der neuen Bundesländer wurden in den HDE integriert.
Weitere Informationen erhalten Sie unter: …www.handel-sachsen.de…
Am 14. Juli 2009 - Veröffentlicht in: Innungen und Verbände
Redaktion (87 comments) 30. November 2009 09:45 :
Neustrukturierung: Aus HDE wird Handelsverband Deutschland
Die Delegiertenversammlung des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE) hat die Namensänderung des Verbandes beschlossen. Aus dem Hauptverband des Deutschen Einzelhandels wird der Handelsverband Deutschland (“HDE – Der Einzelhandel”). Die Delegierten haben hierfür die Weichen gestellt, indem sie einstimmig der neuen Satzung des HDE zustimmten. Mit dem neuen Namen kommt auch ein neues Logo. Beides ist auch Ausdruck der Neustrukturierung der gesamten Einzelhandelsorganisation in den Regionen und Ländern.
Im Zuge einer einheitlichen Präsentation aller Einzelhandelsverbände soll nun die Umbenennung der einzelnen Regional- und Landesverbände folgen.
Information Handelsverband Sachsen vom 27.11.2009