Montag!!! – Eine Geschichte, die das Leben schrieb…
04. November 2009
Es ist Montag. Voller Motivation, gestärkt und ausgeruht vom Wochenende kann man(n) in die neue Woche starten und voller Zuversicht in die Zukunft schauen. Das Weckradio plärrt pünktlich kurz vor sieben Uhr. Die Nachrichten werden verlesen, danach folgt der Wetterdienst. Ansage: „Regen, Regen, Regen“. Wie war das mit der Motivation?
Immer noch im Bett fängt das Gehirn langsam an zu arbeiten: Montag = Arbeiten = Wochenbeginn = wichtiger Termin gegen elf Uhr. Abendessen mit Freunden, Anruf auf Wohngeldstelle tätigen, Wäsche bügeln…
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Na gut, auf geht’s. Der Wecker wird liebevoll mit einem Handschlag ausgeschalten. Ab ins Bad. Das Ritual kann starten. Duschen, um endlich auf Betriebstemperatur zu kommen und die letzten wohligen Kuschelgefühle abzuwaschen. Bereits um diese Uhrzeit wird die Zeit effizient genutzt: beim Duschen gleich Zähneputzen, natürlich elektrisch, rasieren per Hand und Haare waschen, Ohren putzen. Der Tag kann sauber starten.
Nun noch schnell einen leckeren Cappuccino in der Küche getrunken und genüsslich die erste Zigarette geraucht. Meine Überlegungen beginnen: „Was ziehe ich an? Habe ja noch diesen wichtigen Termin.“ Heute regnet es, also wähle ich schwarze Hosen, damit man die Pfützenspritzer an den Waden nicht so sieht und man an der unteren Körperhälfte nicht aussieht wie ein gesprenkeltes Schwein. Etwas langes oben rum, damit der Sonntagpastabauch schön kaschiert wird. Einen Schal um den Hals, damit der Blick von den Schuhen, die lange keine Bürste mehr gesehen haben, abgelenkt wird. `Die Schuhe fallen eh´ nicht auf, stecken sowieso nur unter dem Besprechungstisch.´, denke ich mir. Gut. Ausgesucht, angezogen, FERTIG!
Es geht raus in das regnerische Wetter. Leider muss ich mit Schirm gehen, denn durch eine Kapuze oder Mütze würden die in Form gebrachten Haare zerstört. Mit nur noch einer freien Hand kaufe ich mir die morgendliche Zeitung und ein belegtes Brötchen mit Käse beim Bäcker – für Arbeitsschnitten hat der Belag im Kühlschrank nicht mehr gereicht.
Die Handtasche baumelt, quer über die Schulter geworfen, in Pohöhe und klopft bei jedem Schritt an. So ausgestattet, toll gestylt und gewappnet für die Woche geht es weiter zum öffentlichen Personennahverkehr – der Straßenbahn – wo ich dann im Regen an der Straße stehe und auf MEINEN Fahrer warte. Denn laut Werbung leistet sich ja jeder Nutzer des ÖPNV einen eigenen Chauffeur… Der Blick ist der Bahn entgegengerichtet, voller Hoffnung, dass die Minutenanzeige stimmt und die Bahn in zwei Minuten vorfährt.
Viele Gleichgesinnte stehen mit an meiner Haltestelle. Vom sehen her kennt man sich schon, denn irgendwie stehen immer dieselben um dieselbe Zeit hier. Es fällt sogar schon auf, wenn jemand im Urlaub ist. Aber nach zwei Wochen stehen sie wieder mit dem gleichen starren Blick an der Haltstelle.
Auto um Auto rollt an mir vorbei. Alle in die Richtung, in die ich muss. Warum nehmen die mich nicht mit? Die Fahrer sitzen alleine in ihren Fünfsitzern und lassen mich hier an der Haltstelle im Regen stehen. Warum diese Menschen nicht ökologisch denken. Sie könnten von mir doch das Geld für die Straßenbahn kassieren. Refinanzierung des Sprits, der Abnutzung etc. Aber nein, keiner fragt mich und so bleibe ich stehen. Wie immer. Mein Blick wandert wieder in Richtung Straßenbahn. Ich sehe den gelben Wurm langsam ankommen. Voller Freude, endlich ins Warme und Trockene zu kommen, trete ich etwas näher an die Straße heran. In Gedanken überlege ich mir schon, was ich mit dem nassen Schirm mache: Auf den Nachbarsitz legen? Nein, der wird nass. Auf dem Fußboden ablegen? Nein. Da wird mein Schirm dreckig. Am liebsten würde ich ihn entsorgen. Das wäre doch die Idee: ein Mülleimer für gebrauchte Schirme in der Straßenbahn. Wenn man aussteigt zieht man einen trockenen aus dem Automaten und das Problem mit dem nassen Ding wäre erledigt. Was soll´s! Die Bahn kommt und hat die Haltestelle vor mir fast erreicht.
Die Autos rollen noch immer vorbei. Ziemlich schnell und ziemlich nah am Bordstein, denn keiner der privilegierten Trockensitzer bremst freiwillig am Haltepunkt für die Nutzer der „Kasperkartons“. Dahinter ist die Bahn. Eine Pfütze, die sich unscheinbar an den Bordstein schmiegt, bleibt so von mir total unbeachtet. Warum sollte ich auch auf den Fußboden blicken? Doch nun kommt der nächste Spieler dazu: ein weiteres Auto auf der Flucht. Die Pfütze trifft das Auto und spritzt vor Freude laut und hoch auf.
Wie in Zeitlupe schwirren vor mir dicke, dreckige Pfützentropfen durch die Luft. Geformt wie ein Regenbogen ergießen sie sich über mich, meinen Schirm, meine Tasche, meine Zeitung, meine Jacke, Schuhe, Hose, alles. Die Bahn hält, das Auto ist weg. Ich stehe da, nass von oben bis unten und wie gelähmt. Wenigstens meine Haare wurden durch den blöden Schirm geschützt. Ich wurde ein Pfützenopfer und niemanden interessiert´s.
Die Bahn fährt los. Super: ich stehe immer noch draußen. Die Bahn ist weg. Ich schaue mich um: Hat diese Peinlichkeit irgend jemand gesehen? Lacht jemand? Nein, nichts. Alles wie immer, nur die Leute von der Haltestelle sind weg – mitgefahren mit der Bahn.
Glücklicherweise habe ich mich für schwarze Sachen entschieden. Man sieht wirklich keine Spritzer und so warte ich auf die nächste Bahn.
Ich liebe Montage…
e.u.
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