Naturschutz Sachsen

ruht auf vielen Schultern

Privates und ehrenamtliches Engagement für den Erhalt der Kulturlandschaft unerlässlich

„Private und ehrenamtliche Naturschützer sind für den Erhalt unserer wertvollen und vielfältigen Kulturlandschaft unerlässlich. Für ihre Leistungen gebührt den mehr als 1 700 engagierten mein besonderer Dank!“, das sagte Sachsens Umweltminister Frank Kupfer heute (19. August 2010) als Fazit seines Besuchs mehrerer Naturschutzprojekte im Erzgebirge. „Naturschutz wird nicht nur von der Verwaltung, sondern traditionell von privaten Organisationen getragen“, so der Minister weiter. „Zwei hervorragende Beispiele aus der modernen Naturschutzpraxis konnten wir heute kennenlernen.“ Kupfer hatte die Bergwiesen um Stützengrün sowie das Naturschutz- und Natura-2000-Gebiet „Kleiner Kranichsee“, eines der am besten erhaltenen Hochmoore im Erzgebirge, besucht.

„Mit dem Bergwiesenprojekt Stützengrün wurde ein nach der Wiedervereinigung zum großen Teil brach gefallenes Tal erfolgreich wieder ins Leben gerufen“. Davon profitieren Naturschutz, Kommune und Bevölkerung, aber auch Touristen im Naturpark Erzgebirge/Vogtland, die den Bergwiesenlehrpfad besuchen“, so Staatsminister Frank Kupfer. Schottische Hochlandrinder verbringen den Sommer auf den duftenden Wiesen. „Hier wird der Naturschutz in die Landbewirtschaftung sowie in die Entwicklung des ländlichen Raumes integriert. Wir überführen die Flächen in eine naturverträgliche Nutzung und vermeiden auf diese Weise einen dauerhaften Pflegefall“, stellt der Minister anerkennend fest.

Im Rahmen des Pilotvorhabens „Ehrenamtliche Natura 2000-Gebietsbetreuung“ geht der Freistaat neue Wege. „Ehrenamtliche Naturschützer werden hier in die behördliche Schutzgebietsbetreuung eingebunden“, so der Minister weiter. „Das Beispiel des Hochmoores ‚Kleiner Kranichsee’ bei Johanngeorgenstadt zeigt uns, dass eine funktionierende Betreuung essenziell für diese wunderschönen und gleichzeitig hochsensiblen Biotope ist.“

Für den Schutz der Natur als Lebensgrundlage gibt der Freistaat Sachsen auch in finanziell schwierigen Zeiten Geld aus. In diesem Jahr stehen gut zwölf Millionen Euro im Rahmen der Richtlinie „Natürliches Erbe“ zur Verfügung. Fördergegenstände sind unter anderem biotopgestaltende und –sichernde Maßnahmen, Agrarumweltmaßnahmen, Artenschutzmaßnahmen sowie die Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Der ehrenamtliche sowie der private Naturschutz werden mit mehr als 300 000 Euro vom Freistaat unterstützt. Die Mittel des Staatsministeriums für Umwelt und werden durch die Kommunen und Landkreise in ihren Zuständigkeitsbereichen zusätzlich ergänzt.

Hintergrundinformationen:

Landschaftspflegeverbände sind freiwillige Zusammenschlüsse von Naturschützern, Landwirten und Kommunen, die gemeinsam naturnahe Landschaftsräume erhalten oder neu schaffen wollen. Sie streben die Integration des Naturschutzes in die Landbewirtschaftung sowie die Entwicklung des ländlichen Raums an. Dabei wirken die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen gleichberechtigt zusammen.

Die artenreichen Bergwiesen im Erzgebirge, mit ihrer einzigartigen Flora und Fauna werden durch eine naturverträgliche Landwirtschaft und die Schaffung eines offenen Landbiotopes erhalten. Sie sind Teil einer einmaligen Kulturlandschaft, welche in der 500-jährigen Bewirtschaftung des Erzgebirges entstanden ist und zu der auch Feuchtwiesen, Borstgrasrasen, Moore und Steinrücken gehören. Das FFH-Gebiet „Bergwiesen um Schönheide und Stützengrün“ umfasst eine Fläche von 134 ha in einer Höhenlage von ca. 600 bis 700 m. Auf dem Bergwiesenlehrpfad sorgen Weiden mit schottischen Hochlandrindern, Teiche, Bäche, Quellen, Wälder und vieles mehr für Abwechslung und Naturgenuss.

Mit einer Fläche von insgesamt 165 km² stellen die sächsischen Moore das wichtigste Potential an Feuchtgebieten in Sachsen dar. Ihre Hauptverbreitung haben sie im niederschlagsreichen Bergland (i. d. R. Hochmoore, wie am Kleinen Kranichsee) und in den relativ trockenen Naturräumen des Tieflands (i. d. R. Niedermoore). Neben ihrer Bedeutung für die Artenvielfalt liefern sie einen wertvollen Beitrag für den Klimaschutz. Ein großer Teil der sächsischen Bergwiesen und Hochmoore steht unter Naturschutz. Das Handbuch „Naturschutzgebiete in Sachsen“ (ISBN 3-932627-17-2), erstellt auch aus zahlreichen Beiträgen ehrenamtlich engagierter Naturschützer und herausgegeben vom Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, ist ein idealer Wegweiser durch die Schutzgebiete und ihre Besonderheiten. Im Rahmen von Natura 2000-Touren können diese Gebiete erwandert werden.

Pressemitteilung Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, 19.08.2010