Seiffener Miniaturen und die Geschichte der Familie Flath
Jeder, der Seiffen einen Besuch abstattet, wähnt sich in der Werkstatt vom Weihnachtsmann. Das ganze Jahr über funkeln Lichterketten und Pyramiden. Holzspielzeug wird nach alter Tradition angefertigt.
Dabei „kommt alles vom Bergmann her“ – was auch für die Seiffener Familie Flath zutrifft. War doch Karl August Flath (1821 – 1888) der letzte Bergmann des Dorfes. Von ihm existieren heute noch die Geburtsurkunde und ein alter Gewährschein für den Fortuna-Erbstollen.
Als das Erz langsam versiegte, mussten sich die Anwohner auf andere natürliche Ressourcen zum bestreiten ihres Lebensunterhaltes besinnen – das Holz. So wurde über die Jahrhunderte hinweg die handwerkliche Fertigung von Holzfiguren das Markenzeichen dieser Region und machte sie über Landesgrenzen hinaus bekannt.
Als Anfang des 20. Jh. die Holzpreise stark anstiegen und man schlussendlich auch noch vom Warenwert- auf einen Gewichtszoll umstellte, wurde der Export der Spielzeuge nicht mehr finanzierbar. Getreu dem Motto: „Was man groß fertigen kann, kann man auch klein herstellen“ wurden die großen „Holzfresser“ verbannt und man wandte sich der Fertigung von Miniaturen zu.
So begann 1905 Marie Flath (1862 – 1923) – Schwiegertochter von Karl August – mit der Herstellung von Miniaturgespannen. Sie gehört damit zu den ersten Seiffenern, die sich diesem Geschäftszweig zuwandte. Marie stellte 16 verschiedene Gespanne mit unterschiedlichster Fracht her. Hierbei halfen ihr Mann, der als Böttcher über handwerkliches Geschick verfügte, sowie ihre zwei Söhne, die Drechsler gelernt hatten.
Ihr Sohn Arthur Flath (1887 – 1961) übernahm 1919 den Handwerksbetrieb und perfektionierte diesen. Ihm gebührt der Verdienst, die Fuhrwerke mit großer Sorgfalt zu höchster Vollkommenheit entwickelt zu haben. Allein im Jahr 1924 nahmen fast 24.000 liebevoll gefertigter „Wägelchen“ ihren Weg in alle Welt. Als die Autos fahren lernten, stellte auch Arthur Flath kleine Miniatur-Autos her. Man sagt, dass das englische Wort „Matchbox“ von den Seiffener Miniaturen abgeleitet wurde.
Günter Flath, Sohn Arthurs, übernahm wiederum den väterlichen Betrieb im Jahre 1957 und führte die Herstellung von Miniaturgespannen fort.
Niemanden wird es wirklich verwundern, dass die Familie auch heute noch zu den bekanntesten Spielzeugmachern in Seiffen und Umgebung gehört und ihr Handwerk fleißig ausübt. Wurde doch den nachfolgenden Generationen die Liebe zu Miniaturen quasi in die Wiege gelegt.

