Stadtteilgeschichte Dresden Leuben
Bericht aus Magazin die-infoseiten.de – Ausgabe März-April 2009
Als Leuben 1349 erstmals in einer Urkunde von Bischof Johann I von Meißen erwähnt wurde, bestand das Siedlungsgebiet wohl schon einige Jahrhunderte, wie Ausgrabungsfunde belegen.
Luben wurde das Dorf in der Urkunde genannt. Bauern bestellten ihr eigenes Land, Häusler standen in Lohn- oder Handwerksarbeit. Die Dresdner liebten das gemütliche Dörfchen als Ausflugsziel. Das war über Jahrhunderte hinweg so und sollte sich doch grundlegend ändern.
In den Gründerjahren entwickelte sich Leuben zum Industrie- und Gewerbestandort. So siedelte u.a. ein Sägewerk, eine chemische Fabrik, eine Spitzen- und Gardinenmanufaktur, ein Werk für elektrische Maschinen und eine Papierfabrik an. Leuben wuchs so schnell, dass es bereits Pläne gab, den Dresdner Vorort als eigenständige Großstadt zu etablieren. Die Einwohnerzahl wuchs Gebäude an der Pirnaer Landstraße ehem. Betriebshof der Vorortbahn, Stephensonstr. rasant, denn die Firmen benötigten Arbeiter, man baute Wohnsiedlungen, vergrößerte Straßenzüge – kurz: hier brodelte das Leben. Zählte Leuben 1871 gerade einmal 341 Einwohner, waren es 1921 – dem Jahr der Eingemeindung – bereits 7.800.
Heute sind Gebäude aus den 1960er und 1970er Jahren in Blockbauweise charakteristisch für den Stadtteil. Aber auch Gebiete mit Genossenschaftswohnungen der 1920er und 1930er Jahre sowie ehemals herrschaftliche Villen sind zu finden.
Eine Besonderheit ist die für einen Stadtteil große Anzahl von Kleingartenanlagen. Die älteste, „Dresden – Altleuben“, wurde 1912 gegründet. Hier konnten und können die “Laubenpieper“ im Grünen ihr Fleckchen Land beackern. Aus notwendiger Selbstversorgung wurde Hobby, was blieb ist die Liebe zur Natur.
Auch wenn während der Weltwirtschaftskrise und dann noch einmal nach der Wende viele Firmen geschlossen wurden, blieben einige dem Standort Leuben bis heute treu. So etablierte z.B. die Dresdner Spitzen- und Gardinenmanufaktur ihre Produkte unter der Marke „Dresdner Spitzen“ in aller Welt, an der Pirnaer Landstraße werden im Margarinewerk die schon zu DDR-Zeiten beliebten Marken Sonja und Marina produziert. Nicht zu vergessen das Sachsenwerk, heute in den Händen der VEM-Gruppe.
Dresdner Schmalspur – Vorortbahn
1898 ließen die „Kummer-Werke“ – aus denen später das Sachsenwerk entstand – die erste Schmalspur-Vorortbahn bauen. Die Arbeiter nutzten die Bahn auf dem Weg zur Fabrik und es sollten Materialien sowie fertige Produkte der Werke transportiert werden. Nach dem wirtschaftlichen Zusammenbruch von Kummer & Co kaufte die Gemeinde die Bahn. Bis 1924 fuhr der beliebte „Laubfrosch“, wie die Bahn wegen ihrer grünen Farbe liebevoll genannt wurde, auf schmalem Gleis und in 1 5-minütigem Abstand zwischen Laubegast, Leuben und Niedersedlitz. Seit November 1924 verkehrt die Dresdner Straßenbahn zwischen den Stadtteilen.
Geweiht zu Himmelfahrt:
Die Leubener Kirche Im Jahr 1 901 , 26 Monate nach Baubeginn, wurde die Himmelfahrtskirche zu Leuben feierlich geweiht. Das großzügige Gotteshaus baute man nach den Plänen von Karl Emil Scherz, der auch am Bau der Heilig-Geist-Kirche in Blasewitz beteiligt war. Betrachtet man beide Bauwerke, sind Ähnlichkeiten unverkennbar.
Die Leubener Kirche wurde im neugotischen Stil errichtet. Im ihrem Innenraum findet man Jugendstil-Malereien. An ihrer Stelle stand einst ein kleines Kirchlein, erstmals erwähnt im Jahre 1362 und das einzige der ganzen Umgebung. Nur der Turm blieb erhalten – zu sehen direkt neben der neuen Kirche. Den zweiten Weltkrieg überstand die neue Kirche ohne größere Schäden. Bald schon kamen die Bürger wieder in den Genuss der beliebten Orgelkonzerte. Im Jahr 1963 wurde der Turm instand gesetzt und bis heute folgten zahlreiche Instandhaltungsmaßnahmen.
Vom Apollotheater zur Staatsoperette Dresden
Als 1947 das „Apollotheater“ seine Pforten öffnete, war die Freude groß. Nach Jahren der Entbehrung genoss man die vielfältigen Aufführungen von Schauspiel bis Revue in vollen Zügen. Ab 1950 – als “Operettentheater Dresden” – spezialisierte man sich auf die Aufführung von Spielopern und beschwingter Operetten. Bis heute überrascht die Staatsoperette Dresden ihr Publikum mit abwechlungsreichen Neuinszenierungen, Gastspielen und traditionellem Repertoire auf höchstem Niveau.
Verwaltung, öffentliches Bad, Impfstelle: Das Leubener Rathaus
… wurde am 28. Februar 1901 feierlich eröffnet. Leuben hatte sich vom Bauerndorf zum innovativen Gewerbestandort entwickelt, so dass nun auch ein repräsentatives Gemeindehaus notwendig wurde. Hier befanden sich Gemeindeverwaltung mit Meldeamt, die Sparkasse und das Polizeirevier. Im zweiten und dritten Geschoss waren Wohnungen für den Gemeindevorsteher und -bedienstete, in Keller und Erdgeschoss befand sich der Ratskeller.
Nach dem zweiten Weltkrieg brachte man im Gebäude eine zeitlang ausgebombte Bürger unter. Später zogen wieder Meldestelle und Sparkasse aber auch Mütterberatung, Impfstelle, Konsum-Genossenschaft und die Kommunale Wohnungsverwaltung ein.
Seit 1925 befand sich in den ehemaligen Räumen des Ratskellers ein Volksbad mit Badewannen und Duschen. Jeder, der im eigenen Heim nicht die Möglichkeit hatte, konnte sich hier der Körperpflege widmen. Das Bad wurde auch nach dem Neu- und Umbau vieler Wohnungen weiterhin rege genutzt und – man staune – erst Anfang der 1990er Jahre geschlossen.
Nach 1990 begann die schrittweise Nutzung des ehrwürdigen Gebäudes als Ortsamt Leuben. Als 1997 die dringend notwendigen Sanierungsmaßnahmen beendet waren, zogen Ortsamtsleiter und verschiedene Sachgebiete ein. Das Gebäude steht heute unter Denkmalschutz.
… und alles grünt und blüht … Leubener Gärtnereien
Über die berühmten Laubegaster Gärtnereien berichteten wir u.a. in der Ausgabe Mai-Juni 2008. Aber auch im anschließenden Stadtteil Leuben etablierten sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts große Gärtnereien, die mit Dahlien- und Rosenzucht, Kamelien- und Rhododendrenkulturen weithin bekannt wurden. Über riesige Flächen hinweg grünte und blühte es in allen Farben.
So etablierte u.a. Max Ziegenbalg seine Gärtnerei zu einer der größten von Europa. Seine Ländereien reichten von Leuben bis nach Laubegast. Der Unternehmer Kurt Engelhardt besaß eine Gärtnerei unmittelbar neben dem Leubener Rathaus. Seine regelmäßigen Dahlienschauen zogen tausende Schaulustiger nach Leuben. Weltberühmt wurde Engelhardt mit seiner einzigartigen Dahlienzüchtung „Kalif“, die mit ca. 25 cm Blütendurchmesser als die größte Dahlie galt.
Während Wirtschaftskrise und Weltkriegen orientieren sich die Unternehmen umbauen überwiegend Obst und Gemüse zur Versorgung der Bevölkerung an. Zu DDR-Zeiten verstaatlichte man die Unternehmen und große Flächen mussten neuer Wohnbebauung weichen.



Richtfest für Kindertageseinrichtung in Leuben
Und wieder entsteht in Dresden eine neue Kindertageseinrichtung (Kita). Bürgermeister Martin Seidel ist heute zu Gast beim Richtfest für den Neubau auf der Rathener Straße 87 in Großzschachwitz. Das Haus wird insgesamt 119 Plätze bieten für 39 Krippenkinder in drei Gruppen und 80 Kindergartenkinder in fünf Gruppen. Die Neue kostet zwei Millionen Euro. Davon sind 1 170 960 Euro Fördermittel aus dem Konjunkturpaket II des Bundes. Im Oktober 2010 soll das Haus fertig sein.
Die Kita erhält einen großen Eingang mit Treppe zum Obergeschoss und breite Flure, die zum Spielen genutzt werden können. Die Kinder werden in schöne Gruppen- und Schlafräume mit großen Fenstern einziehen. Angeboten werden außerdem ein großer Mehrzweckraum, zwei Lernwerkstätten und ein Snoozleraum. Vor den Gruppenräumen der Krippenkinder wird im Erdgeschoss über die gesamte Gebäudelänge eine Terrasse mit Pergola und Sonnensegel errichtet.
Im Freien laden 4 000 Quadratmeter Spielfläche ein. Nach dem Abriss der alten Kita kann im Sommer 2010 mit den Arbeiten an der Außenanlage begonnen werden. Ein großer Teil der alten Spielgeräte wird neu arrangiert. Dazu kommen Sandkasten und Kletterkombination. Ein Rundweg durch die Anlage lädt kleinen Fahrzeuglenker zu Wettfahrten ein. Für Personal und Eltern werden vier PKW-Stellplätze sowie ein Behinderten-Parkplatz zur Verfügung stehen.
Die Kita befindet sich im Stadtteil Leuben mitten im Neubau-Wohngebiet Försterlingstrasse. Der Altbau ist ein Stahlskelettbau, vor ca. 30 Jahren gebaut und asbestbelastet. Die Nutzungsgenehmigung läuft in diesem Jahr aus, deshalb musste ein Neubau her. Baubeginn war am 3. März 2010. Der Baufortschritt ist täglich zu beobachten, in zwei Monaten sind die beiden Geschosse im Rohbau errichtet worden.
Newsletter der Landeshauptstadt Dresden, 29.05.2010