Stadtteilgeschichte Dresden Pirnaische Vorstadt
Bericht aus Magazin die-infoseiten.de – Ausgabe März / April 2010
Dieser Dresdner Stadtteil erstreckt sich zwischen der Lothringer Straße am Sachsenplatz, hinauf zur Grunaer Straße, das ehemalige Robotrongelände einnehmend zum Georgplatz und über Pirnaischen Platz und St. Petersburger Straße zurück zur Elbe.
Das Pirnaische Tor, wie das in Richtung Pirna weisende Stadttor genannt wurde, war ein prächtiger Bau im Stil der Renaissance. Schon 1703 gab es in der Vorstadt eine Apotheke später bekannt als MohrenApotheke am Pirnaischen Platz.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts, die Stadtmauern waren längst abgetragen, entwickelte sich die vormals wenig bebaute Vorstadt zu einem Wohnund Geschäftsviertel. Grund hierfür war sicherlich auch der Bau der Grunaer Straße als wichtige Verbindung zwischen Dresdner Innenstadt in östliche Richtung. Es entstanden u.a. das Residenztheater (siehe Ausgabe JanuarFebruar 2010) und das Künstlerhaus. 1888 errichtete man das heutige Landgericht an der Lothringer Straße. 1875 entstand die Albertbrücke.
Im Februar 1945 wurde die Pirnaische Vorstadt fast vollständig zerstört. Nach Beräumung der Trümmer begann in den 1950iger Jahren die Bebauung der Grunaer Straße mit Wohnund Geschäftshäusern, später folgten die Gebäude zwischen Pillnitzer Straße, Ziegelstraße (früher gab es in der Vorstadt mehrere Ziegeleien) und Terrassenufer sowie die Errichtung des Robotrongeländes.
Der Pirnaische Platz – das Tor zur Dresdner Altstadt
Hier, wo sich heute täglich tausende Autos, Straßenbahnen und Fußgänger tummeln, stand bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts die Stadtbefestigung Dresdens. Hinter wehrhaften Mauern befand sich die eigentliche Stadt. Hinein gelangte man durch eines der bewachten Stadttore, so auch durch das Pirnaische Tor. Es wurde etwa 1820 zusammen mit der Stadtmauer abgetragen.
Nach Rückbau und Abbruch der alten Mauern, verblieb im Gebiet eine wahre Brache. Pläne zur neuen Bebauung mussten her, fehlte doch nun ein repräsentatives Entree zur Altstadt. Auch fehlte die direkte Verbindung zum Altmarkt. 1877 wurde diese mit Bau der KönigJohannStraße geschaffen doch das ist eine andere Geschichte.
Die Pläne zum Ausbau des Pirnaischen Platzes brachte Gottlob Friedrich Thormeyer, ein Dresdner Baumeister. Großzügige, aufwändig gestaltete Wohnund Geschäftshäuser entstanden ebenso wie beliebte Gaststätten.
Ein Kaiserpalast für Ilgen am Pirnaischen Platz
Der Dresdner Apotheker und Kulturmäzen Hermann Ilgen ließ das prunkvolle Gebäude am Pirnaischen Platz 1897 erbauen. Nachdem der Inhaber einer Apotheke in Kötzschenbroda mit dem von ihm erfundenen Mäusegift zu beträchtlichem Reichtum gelangt war, verkaufte er die Apotheke und stieg in das Immobiliengeschäft ein. Als Mäzen finanzierte er u.a. die „IlgenKampfbahn“ an der Lennéstraße hier steht heute das neue Dynamostadion verschiedene Sportauszeichnungen und Kulturhäuser.
Neben einigen Gebäuden auf der Prager Straße nannte Ilgen bald auch den Kaiserpalast sein eigen. Es war das erste im neobarocken Stil erbaute Haus in Dresden und befand sich Ecke Grunaer Straße und Amalienstraße (heute St. Petersburger Straße). Mit prachtvollen Verzierungen, Erker und einem Turm war es der Blickfang auf dem Pirnaischen Platz. Im fünfstöckigen Wohnund Geschäftsgebäude befanden sich u.a. eine Bank und im Erdgeschoss ein Restaurant, das neben einer Konzertgaststätte auch die erste Dresdner American Bar beherbergte. Als herausragende Spezialität wurde hier ein extra für den Export gebraute amerikanische Tafelpilsner ausgeschenkt.
Nach seiner Zerstörung im Jahr 1945 wurde die verbliebende Ruine bis 1951 beräumt. Später wurde das Gelände mit einem Hochhaus und angesetztem Flachbau bebaut. Hier befand sich lange Zeit das Restaurant „Pirnaisches Tor“.
Ein kulturhistorisches Relikt – der Eliasfriedhof
Der Eliasfriedhof zwischen Dürerund Ziegelstraße ist einer der ältesten Friedhöfe Dresdens und heute nur in Zusammenhang mit einer Führung zu besichtigen.
1680 wurde er als Pestfriedhof vor den Toren von Dresden angelegt, als die Kapazität anderer Friedhöfe erschöpft war. Es musste schnell gehandelt werden, starben doch infolge der Epidemie innerhalb weniger Monate mehrere tausend Menschen. Es entstand ein einfacher “Gottesacker” ohne Bebauung. Bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts blieb er Friedhof für die arme Bevölkerung, Straftäter und Seuchenopfer.
Als mit Neubau der Frauenkirche deren angrenzender Friedhof beseitigt wurde, beschloss man, den Eliasfriedhof als Hauptbegräbnisort für die evangelischen Kirchen Dresdens zu benennen. Doch wer von Dresdner Adel oder Bürgertum wollte sich schon auf einem Pestfriedhof begraben lassen? So wurde das Areal ab 1724 erweitert und umgestaltet. Es erhielt die bis heute erhaltene Friedhofsmauer, an die nach Plänen von George Bähr Grufthäuser angebaut wurden. Bis 1876 fanden hier zahlreiche Dresdner Persönlichkeiten ihre letzte Ruhestätte. So u.a. der bereits erwähnte Baumeister Gottlob Friedrich Thormeyer, der Maler Johann Christian Klengel und Justine Renner, bekannt als Gustel von Blasewitz (siehe Ausgabe 3/2006). Dann wurde er geschlossen. Seit 1924 ist er für die Öffentlichkeit nicht mehr zugängig. Heute kämpft ein Förderverein für Erhalt und Pflege der kunstund kulturgeschichtlich wertvollen Bauten und Grabsteine.
Vom Amtsgericht zum Landgericht
1888 erfolgte der erste Spatenstich für das neue Amtsgerichtsgebäude nach Vorlagen von Max Arwed Roßbach an der Lothringer Straße. Vorangegangen war ein für Dresden bis heute nicht untypischer, langjähriger Streit über Standort und Bauausführung. Roßbach plante das monumentale Gebäude im Stil der Neorenaissance mit einem großzügigen Eingangsportal für Besucher und einer großen glasüberdachten Wandelhalle. Johannes Schilling schuf die beiden am Eingang sitzenden Figuren “Wahrheit” und “Gerechtigkeit”.
Wer war Rudolf Sigismund Blochmann?
Dem Begründer der deutschen Gasbeleuchtung ist in der Pirnaischen Vorstadt eine Straße gewidmet. Weniger bekannt dürfte sein, dass Sigismund Blochmann auch auf dem Theaterplatz gedacht wird. An einer der historischen Gaslaternen findet man sein Abbild mit Lebensdaten. Geboren wurde Blochmann 1784 in Reichstädt als erstes von acht Kindern einer Pfarrerfamilie. Bald folgte der Umzug nach Dresden. Nach Lehrund Arbeitsjahren in München, Tegernsee und Ungarn, kehrte Blochmann 1818 nach Dresden zurück und übernahm die Leitung des MathematischPhysikalischen Salons. Zahlreiche Erfindungen gehen auf Blochmann zurück. So beispielsweise die Blochmannsche Wasserleitung, eine Sandsteinröhre, die die damaligen hölzernen Wasserleitungen ersetzte. Bereits 1817 konnte er erste Erfolge in Versuchen mit Leuchtgas verzeichnen. Seine 1828 in der Dresdner Altstadt errichtete Gasanstalt war die erste von einem deutschen Unternehmer errichtete. Im April des selben Jahres leuchteten die ersten Gaslaternen in Dresden auf dem Schlossplatz. Blochmann errichtete weitere Gaswerke u.a. in Leipzig, Berlin und Prag. 1871 starb Sigismund Blochmann im Alter von 86 Jahren in Dresden.
Am 21. Juni 2010 - Veröffentlicht in: Geschichte Dresden
Redaktion (89 comments) 21. Juni 2010 10:53 :
Pirnaischer Platz wird umgebaut – Bauarbeiten beginnen am 28. Juni
Am Montag, 28. Juni 2010 beginnt parallel mit den sächsischen Ferien der Ausbau des Pirnaischen Platzes. Gebaut wird voraussichtlich bis 17. Dezember 2010.
Insgesamt sind neun Sperr- bzw. Bauphasen vorgesehen. Dafür wird eine mobile Lichtsignalanlage eingerichtet. Alle vorhandenen Fußgängerbeziehungen sind während des Baus gewährleistet. Für den Kfz-Verkehr auf der Bundesstraße werden jeweils zwei Spuren pro Richtung aufrecht erhalten.
Im Straßenbahnverkehr kommt es zu zeitweiligen Vollsperrungen. Dabei wird von den vier am Pirnaischen Platz vorhandenen „Gleisästen“ immer nur einer gesperrt sein. Am 22. November 2010 sollen die Straßenbahnen wieder wie gewohnt fahren. Das Straßen- und Tiefbauamt bittet um Verständnis, dass es trotz umfangreicher Leistungen für Verkehrsführungsprovisorien zu stärkeren Verkehrsbehinderungen kommen wird.
Alle Fahrbahnen, Straßenbahngleise und Fahrleitungen werden erneuert. Das Radwegenetz wird vervollständigt. Nachdem der Fußgängertunnel nach einem Brand nicht mehr genutzt werden kann, werden die Überquerungsmöglichkeiten für Fußgänger neu gestaltet. Der defekte Tunnel wird verfüllt. Die dazu gehörigen Treppen werden zurückgebaut. Straßenentwässerung und Straßenbeleuchtung werden erneuert. Zwei Bushaltestellen sollen barrierefrei ausgebaut werden.
Die Stadtentwässerung Dresden GmbH nutzt die Bauphase, um Entwässerungsschächte unter dem Platz zu sanieren. Auch die DREWAG Stadtwerke GmbH lässt ihre Leitungen für Trinkwasser erneuern und nicht mehr benötigte Gasleitungen zurückbauen.
Die Gesamtkosten betragen, ohne die Investitionen der Dresdner Verkehrsbetriebe, ca. 4 100 000 Euro. Davon trägt die Stadt etwa 3 400 000 Euro für den Straßenbau, die öffentliche Beleuchtung und für die Lichtsignalanlagen. Für die Medienverlegungen fallen nochmals ca. 600 000 Euro an.
Newsletter der Landeshauptstadt Dresden, 19.06.2010
redaktion (89 comments) 25. Juni 2010 08:27 :
Erneuerung der öffentlichen Beleuchtung auf der Grunaer Straße
Die Dresdner Verkehrsbetriebe AG baut ihre Fahrleitungsanlage auf der Grunaer Straße zwischen Pirnaischem Platz und Straßburger Platz um. Im Zuge dessen erneuert das Straßen- und Tiefbauamt auch die öffentliche Beleuchtung, die auf den Fahrleitungsmasten montiert ist. Die Arbeiten dauern vom 28. Juni bis voraussichtlich 18. Oktober. Fußgänger müssen in dieser Zeit mit Einschränkungen rechnen.
Die neue Anlage besteht aus 26 modernen Leuchten, die auf den Masten an beiden Seiten der Straße zum Einsatz kommen.
Newsletter der Landeshauptstadt Dresden, 24.06.2010
Redaktion (89 comments) 06. August 2010 10:55 :
Nächste Bauphase am Pirnaischen Platz Dresden beginnt
Einschränkungen für den Straßenverkehr
Der Umbau des Pirnaischen Platzes Dresden tritt jetzt in die erste verkehrswirksame Bauphase. Ab morgen beginnen die Straßenbauarbeiten. Während der Straßenbahn-Verkehr noch nicht betroffen ist, müssen Kraftfahrer mit Einschränkungen rechnen. Alle Zu- und Abfahrten sind möglich, jedoch ist der Verkehr auf zwei Spuren eingeengt. Teilweise wird er über provisorisch angelegte Behelfsfahr-bahnen geführt, so dass besondere Vorsicht geboten ist. Behinderung und Staus werden sich vor al-lem auf der viel genutzten Bundesstraße 170 nicht vermeiden lassen, informiert das Straßen- und Tiefbauamt. Die Sperrung einzelner Strecken ist jedoch erst im Oktober nötig. Dazu wird gesondert informiert.
Seit der Umbau des zentralen Platzes am 28. Juni startete, wurden ohne größere Verkehrsbehinde-rungen entlang der St. Petersburger Straße und am Dr.-Külz-Ring Kabel und Leitungen verlegt. Au-ßerdem erhielt der Fußgängertunnel eine Verfüllung mit Magerbeton. Auch Bauprovisorien für die nächste Bauphase wurden vorbereitet.
Nun sieht der Bauablauf bis Ende August vor, weitere Leitungen direkt unter der St. Petersburger Straße, in allen vier Zu- und Abfahrtsbereichen des Platzes und in der Grunaer Straße zu verlegen. Weiterhin kommen die Treppen zum Tunnel weg.
Newsletter der Landeshauptstadt Dresden, 5.8.2010