Stadtteilgeschichte Dresden Striesen
Bericht aus Magazin die-infoseiten.de – Ausgabe Juli-August 2008
„Wer das Leben will genießen, der nimmt, sein Bett und zieht nach Striesen.“
Ein Spruch, der zweifelsohne bis heute Gültigkeit behalten hat, gilt doch der Dresdner Stadtteil, mit seinem vielen Grün und den typischen Würfelhäusern als sehr beliebte Wohngegend. Striesen gehört zum Ortsamtsbereich Blasewitz und wird unterteilt in Striesen-Ost, -Süd und -West.
Wohl aus einem slawischen Platzdorf entstanden, wurde Striesen 1350 erstmals urkundlich erwähnt. Das Dorf war lange Zeit für den schlechten Zustand seiner Straßen und Wege berühmt und berüchtigt. Eine staubige Hauptstraße, die Pillnitzer Landstraße, führte recht kurvenreich und löchrig durch Striesen und war mehr als unbequem zu befahren.
Selbst der Sächsische Kurfürst, der auf seinem Weg von Dresden nach Pillnitz eben diese Straße benutzen musste, machte in seiner Kutsche manch schmerzhafte Erfahrung mit den holprigen Wegen. Im Jahr 1768 war er dieser „Quälereien“ entgültig überdrüssig und lies eine Umgehungsstraße erbauen. An dieser sogenannten „fiskalischen Landstraße“ wurde eine Absperrung platziert, welche lange Zeit dafür sorgte, dass nur Wagen des Hofes die Straße benutzen durften.
Viel später fuhr der Pferdebus durch Striesen. Er brachte die Bewohner von der Tittmann- über die Blasewitzer Straße bis zur Frauenkirche. Seit 1890 verband die erste Pferdestraßenbahn den Barbarossaplatz mit der Friedrichstadt. Ab 1891 kam eine zweite Linie zwischen Altmarkt und Striesen hinzu. Die Elektrifizierung der Strecke erfolgte 1901, die Gleise wurden damals bis Tolkewitz und Laubegast gelegt.
Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann auch in Striesen die Industrialisierung Einzug zu halten. Große Bedeutung sollte die Kamera- und Zigarettenherstellung gewinnen, auf die wir nachfolgend noch weiter eingehen möchten.
Ein Bebauungsplan von 1860 reglementierte die Bauwut der damaligen Zeit und legte für den Ort eine offene Bebauung mit drei- bzw. viergeschossigen Gebäuden an geraden, sich fast rechtwinklig kreuzenden Straßen fest. So entstanden die bis heute typischen Striesener Würfel. Unzählige Häuser mit zauberhaften Jugendstil- Elementen und zahlreichen Verzierungen entstanden neu und erfreuen Spaziergänger bis heute. Benannte man die neuen Straßen vorerst nur mit Buchstaben und Zahlen, setzten sich nach der Eingemeindung im Jahr 1892 auch richtige Straßennamen durch.
Auch wenn ein Großteil der Würfelhäuser während der Bombennächte von 1945 verschont blieben, wurden andere Regionen des Stadtteils sehr schwer getroffen. Gerade die Wohn- und Gewerbeviertel um Schandauer- und Borsbergstraße waren besonders stark zerstört. Die Gebäude des bis dahin noch ursprünglich erhaltenen Dorfkerns Altstriesen wurden bis auf wenige Ausnahmen komplett zerstört. Die verbliebenen Häuser riss man in den Nachkriegsjahren ab und bebaute das komplette Areal neu.
Die Borsbergstraße
Auf den Arealen rund um die Borsbergstraße befanden sich einst viele große Kunstund Handelsgärtnereien. Die bekannteste unter ihnen war wohl die Gärtnerei „Traugott Jacob Seidel“, der wir in unserer letzten Ausgabe bereits einen ausführlichen Bericht widmeten. Aufgrund großer Bautätigkeit verließen die Gärtner Striesen und die Borsbergstraße entwickelte sich mit ihren repräsentativen Bauten zur Einkaufsmeile.
Mit der Borsbergstraße wie wir sie heute kennen, entstand nach dem zweiten Weltkrieg eine moderne Wohn- und Einkaufsmeile. Nachdem die riesigen Schutt- und Trümmerhalden beräumt waren, wurde hier zum ersten Mal in Dresden die industrielle Blockbauweise angewandt.
Im damaligen Betonwerk auf der Müller- Berset-Straße stellte man die dafür erforderlichen Platten aus Ziegeltrümmern her. Gebäude mit farbigen Fassaden, durchgehender Ladenfassade und gemütlichen modernen Wohnungen entstanden hier bis 1958 innerhalb von drei Jahren. Nach den entbehrungsreichen Jahren eine Sensation!
Bis heute erfreut sich die neue „Borsi“ bei den Dresdnern großer Beliebtheit.
König-Friedrich-August-Häuser
Der Kleinwohnungsbauverein Striesen errichtete das Gebäudeensemble an der Junghans-, Glashütter-, Kipsdorfer Straße in den Jahren 1910 – 1911. Es entstanden hübsche dreigeschossige Wohngebäude mit Mansarde. Der damalige Reformgedanke, preiswerte Wohnungen in gesunder Bauweise für Arbeiter und Angestellte zu erschaffen, floss in die Gestaltung des Areals mit ein. Aufgrund fi nanzieller Unterstützung durch König Friedrich-August wurden die Häuser nach ihm benannt.
Kameraherstellung in Striesen
Ernemann/Zeiss-Ikon
Ende des 19. Jahrhunderts baute Heinrich Ernemann sein Stammwerk an der Schandauer Straße. Er gilt als Begründer der Dresdner Fotoindustrie und war so erfolgreich, dass er bis zu 3.000 Arbeitnehmer beschäftigen konnte. Sein Werk entwickelte sich zu Europas größtem Kamerahersteller.
1909 brachte er die Kinomaschine „Imperator“ auf den Markt. Schnell etablierte sie sich und versetzte Cineasten über Deutschlands Grenzen hinaus in Verzückung. Die nächste Weltneuheit und eine Sensation war die sogenannte „Ernemann-Zeitlupe“, die – entwickelt von Dr. H. Lehmann – ungeahnte Möglichkeiten für Film, Wissenschaft und Technik bereit hielt.
Ernemann setzte sich stark für die Einrichtung eines Lehrstuhls für Fotografie an der TU-Dresden ein. 1913 wurde er zum Königlich Sächsischen Kommerzienrat ernannt. 1926 schloss man sich mit anderen Dresdner Kamerabetrieben zur Zeiss-Ikon-AG zusammen, in der Ernemann dem Aufsichtsrat angehörte. Heinrich Ernemann starb im Jahr 1928 in seinem Tharandter Sommerhaus.
Ab 1964 wurde das Werk mit anderen Dresdner Kamerawerken unter dem Namen PENTACON zusammengeschlossen und war einer der größten Arbeitgeber der Region. Nach der Wende kam es zum Einbruch der Produktion und zu vielen Entlassungen. Die PENTACON GmbH hat heute ihren Sitz auf der Enderstraße.
Kamerawerk Ihagee
Ein weiteres weltbekanntes Kamerawerk war die Industrie- und Handelsgesellschaft mbH, welche 1912 durch den Niederländer Johan Steenbergen gegründet wurde. Der Firmenname war wohl recht lang, weswegen sich später das Kürzel „Ihagee“ durchsetzte.
Das Betriebsgelände in Dresden-Striesen wurde ab 1923 genutzt. Aus diesem Unternehmen stammen u.a. Kameras wie die Photorex, die Patent- Klapp-Reflex oder die Spiegelreflexkamera Serien-Reflex. 1933 fertigte man im Ihagee- Kamerawerk die erste Exakta für Rollfilm und 1936 die Kine-Exakta.
Im Februar 1945 wurde das Werk fast vollständig zerstört, konnte seine Produktion in der Nachkriegszeit aber wieder aufnehmen. Ab den 1950er Jahren stand das Werk unter treuhänderischer Verwaltung und ab 1968 gehörte es zum VEB PENTACON.
Striesener Tabakwerke
Tabakwaren aus Dresden rühmten sich lange Zeit in ganz Deutschland und über Landesgrenzen hinweg sehr großer Beliebtheit. Die Landeshauptstadt galt als Zentrum der deutschen Zigarettenindustrie.
Im Jahr 1889 baute der Grieche Georg Jatzmatzi, ein ehemaliger Werksmeister in Josef von Hupmanns erster deutscher Zigarettenfarbik, sein erstes Werk an der Blasewitzer Straße. Schon im Jahr 1900 folgte ein neuer Betrieb an der Schandauer Straße und noch einmal 10 Jahre später eine Erweiterung an der Glashütter Straße.
Die Firma Jasmatzi & Söhne wurde vor allem wegen der Zigarettenproduktion nach türkischer Art und mit Marken wie „Cheops“, „Ramses“ oder „Hellas“ bekannt und deren Zigaretten in alle Welt verkauft.
Um 1900 verdienten ca. 25 % der Dresdner Bevölkerung ihr Geld in einer der sechzig hier ansässigen Tabakfabriken bzw. waren als Zulieferer oder im Handel tätig.
Die Weltwirtschaftskrise traf auch Dresden hart. Viele Firmen, so auch zahlreiche Zigarettenfabriken, mussten Konkurs anmelden und Tausende Arbeiter entlassen. Andere Werke schlossen sich zu zusammen oder wurden von Großkonzernen aufgekauft.
1945 wurden viele Zigarettenunternehmen beim Luftangriff auf Dresden beschädigt bzw. vollkommen zerstört. Die Produktion konnte trotzdem bald wieder aufgenommen werden, was vor allem für die sowjetischen Besatzer von großem Interesse war.
Im Jahre 1959 vereinte man die VEB „Jasmatzi“, „Greiling“ „Macedonia“ und „Kosmos“ unter einem Namen – dem VEB Vereinigte Dresdner Zigarettenfabriken. 1990 wurde die Vereinigte Zigarettenfabrik GmbH von der Phillip Morris GmbH übernommen und produziert heute unter dem Namen „f6 Cigarettenfabrik Dresden GmbH“.
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Viel wurde in den vergangenen Jahren saniert und gebaut. Gerade die alte, zu DDR Zeiten oft vernachlässigte, Bausubstanz ist inzwischen größtenteils saniert und architektonische Kleinode konnten so dem Verfall entzogen werden. Mit viele Liebe zum Detail erfreuen sie das Auge des Betrachters.
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Historischer Wanderleitfaden – Viele Wege führen nach Dresden

Instandsetzung Brücke Niederwaldstraße – Vollsperrung in der Woche vom 11. bis 15. Oktober
Am 6. September beginnen Bauarbeiten auf der Niederwaldstraße in Dresden-Striesen. Betroffen ist der Abschnitt zwischen Voglerstraße und Niederwaldplatz, wo die Brücke über den Blasewitz-Grunaer Landgraben bis Mitte Oktober instandgesetzt wird. Die turnusmäßige Brückenkontrolle hatte ergeben, dass Geländer, Gehwege und Fahrbahn erneuerungsbedürftig sind. 50 000 Euro werden nun dafür ausgegeben.
Für den Straßenverkehr auf der Anliegerstraße gibt es zunächst eine Einengung, weil die Fußwege auf die Fahrbahn verlegt werden. Vom 11. bis zum 15. Oktober ist dann die Asphaltierung vorgesehen und eine Vollsperrung nötig. Die benachbarten Parallelstraßen dienen zur Umfahrung der Stelle.
Newsletter der Landeshauptstadt Dresden, 31.08.2010