Stadtteilgeschichte Innere Altstadt
Bericht aus dem Magazin die-infoseiten.de / Ausgabe März-April 2008
Viele Lobpreisungen hat Dresden über die Jahrhunderte hinweg bereits gehört und wenn man heute durch die Innere Altstadt schlendert, muss man eingestehen – mit Recht. Die Sehenswürdigkeiten in Elbflorenz, wie Johann Gottfried Herder Dresden einst betitelt haben soll, laufen sich den Rang ab und es fällt schwer, einen Favoriten zu küren.
Die innere Altstadt befindet sich am linken Elbufer und ist das eigentliche historische Zentrum. Einst von mächtigen Festungsmauern umgeben, wurde die Pracht der Residenzstadt und seiner Regenten weithin bekannt. Die Stadtbefestigung wurde abgetragen, ist aber auch heute noch in Teilen erkennbar, beispielsweise auf der Grünfläche unterhalb des Moritzmonuments an der Brühlschen Terrasse. Anstelle der Stadttore entstanden Plätze – so der Postplatz am ehemaligen Wilsdruffer Tor und der Pirnaische Platz am ehemaligen Pirnaischen Tor. Dresden dehnte sich aus und wurde flächenmäßig immer größer.
Während der Bombardierung Dresdens im Jahr 1945 wurde die innere Altstadt vollständig zerstört. Bis heute dauert der Wiederaufbau an. Baustellen, Kräne und Ausgrabungsstätten gehören mittlerweile zum gewohnten Bild in der Innenstadt und es ist spannend, die Entwicklungen rund um Alt- und Neumarkt, Wilsdruffer Straße und Postplatz mit zu verfolgen. Mit dem weltweit beachteten Wiederaufbau der Frauenkirche und der Gestaltung des Neumarktes hat Dresdens Innenstadt an Charme noch gewonnen. Was gerade in den letzten Jahren durch den unermütlichen Einsatz vieler Menschen neu oder wieder entstand, erstaunt sicherlich nicht nur Touristen.
Dresden wurde im Jahr 1206 erstmals urkundlich erwähnt und 1216 zum ersten Male als Stadt bezeichnet. Die albertinischen Wettiner sind, seit sie Dresden Ende des 15. Jahrhunderts zu ihrer Residenz wählten, mit der Geschichte der Stadt fest verbunden, prägten sie doch Entwicklung und Bild der Stadt entscheidend. Der wohl bekannteste unter ihnen war Kurfürst August I. (1670 – 1733), der wegen seiner Tatkraft und Statur auch August der Starke genannt wurde. Er herrschte absolutistisch und wollte Sachsen zur europäischen Großmacht etablieren. Seine politischen Ambitionen liefen jedoch größtenteils fehl, so daß das sogenannte „Augusteische Zeitalter“ heute eher mit seinen großartigen barocken Bauten und seiner Liebe zu Kunst und Kultur in Zusammenhang gebracht wird. Bis heute blieben uns seine großartigen Kunstsammlungen in der Gemäldegalerie und im Grünen Gewölbe erhalten. Während seiner Regentschaft wurden u.a. Zwinger und Taschenbergpalais erbaut. Auf sein Geheiß wurde 1710 die erste europäische Porzellan- Manufaktur in Meißen gegründet. 1697 krönte man ihn zum König von Polen, sein bedeutendster politischer Erfolg. Legendär sind die Überlieferungen von rauschenden Festen und Bällen am Kurfürstenhof dieser Zeit. Zahlreiche Mätressen versüßten dem Genussmenschen August das Leben. Gräfin Cosel, der bekanntesten seiner Geliebten, machte er u.a. das Taschenbergpalais zum Geschenk. Sie galt als eine der schönsten und klügsten Frauen dieser Zeit. Nachdem August der Starke der Gräfin überdrüssig geworden war, lebte sie bis zu ihrem Tod jahrzehntelang als Gefangene auf Burg Stolpen. Als August der Starke 1733 in Warschau verstarb, setzte man ihn dort bei. Sein Herz jedoch brachte man nach Dresden, wo es – wie man sagt – heute noch schlägt…
Der Zwinger
entnommen aus „Historischer Wanderleitfaden“- Dresdner Stadtspaziergänge
Der Raum zwischen äußerer und innerster Festungsmauer einer Stadtbefestigung wurde Zwinger genannt. Auf diesem Gelände an der Bastion Luna begannen die Bauarbeiten. Ursprünglich erhielt Pöppelmann 1709 den Auftrag, eine Winterunterkunft für die kostbaren und empfindlichen südländischen Gewächse, die am Hofe sehr beliebt waren, zu schaffen. Nach 1711 wurden die Pläne erweitert und die Orangerie gebaut. Zu dieser Zeit begann Permoser mit seiner Arbeit an den Figuren für das Nymphenbad. Bis 1716 wurden der Französische und der Mathematische Pavillon errichtet. Das Kronentor, Dokumentation der polnischen Königswürde des Bauherren Friedrich August I., nahm mit der Langgalerie seit 1715 Gestalt an. Gegen den Widerspruch des Militärs wurden damit die Festungswälle bebaut. Bis 1732 fügten sich nacheinander die stadtwärts liegenden Bogengalerien und Pavillons in das Bauwerk ein. Die beschwingten Bauformen der Gebäudeteile verschwinden förmlich unter der Fülle des bildhauerischen Schmuckes. Etwa 600 Figuren aus sächsischem Sandstein schmücken das Ensemble, welche nicht nur Permoser zugeschrieben werden. Erst 1847 – 1855 wurde der Zwinger zur Elbe hin durch den Museumsbau der Gemäldegalerie von Gottfried Semper abgeschlossen. Nach den Zerstörungen des 2. Weltkrieges wurde der Zwinger rekonstruiert. Fortlaufende Arbeiten halten ihn instand. Heute hat der Zwinger jährlich ca. 2,5 Mio. Besucher und wird hauptsächlich museal genutzt. Der Kunsthistoriker Hans Weigert fasst sein Urteil in einem einfachen Satz zusammen: „ Der Zwinger ist der Gipfel des Barock in Europa.“
Stallhof und Fürstenzug
Der Stallhof ist einer der letzten Zeitzeugen der Renaissance in Dresden. Hier wurden Spektakel und Turniere abgehalten, bei denen sich die höfische Gesellschaft mit sportlichen Wettkämpfen die Zeit vertrieb. Der Lange Gang mit seinen Arkaden, an denen Trophäen, Wappen und die Sgrafitto-Technik zu bewundern sind, wird dem Besucher besonders ins Auge fallen. Im Dezember fand hier der beliebte Mittelalterliche Weihnachtsmarkt statt, bei dem es im letzten Jahr während eines Brandes zu erheblichen Beschädigungen an der historischen Fassade kam, die nun beseitigt werden. Der Fürstenzug befindet sich an der äußeren Nordwand des Stallhofes. Er misst ganze 102 Meter auf denen auf 25.000 Meißner Porzellankacheln die Sächsischen Herrscher mit Gefolge abgebildet sind.
Das Residenzschloss – Dresdner Schloss
… war bis 1918, als der letzte Sächsische König angeblich mit den Worten: „Dann macht doch euern Dreck alleene!“ abdankte, Wohn- und Regierungssitz der Sächsischen Landesfürsten. Ein spätromanischer Bau wurde über die Jahrhunderte hinweg mehrmals umgebaut. Im 16. Jahrhundert entstand so unter Kurfürst Moritz eines der prachtvollsten Renaissanceschlösser in Deutschland. Nach einem verheerenden Schlossbrand von 1701 wurden die Räume auf Geheiß von August des Starken mit barockem Prunk neu gestaltet. Als auch dieses Gebäude 1945 komplett niederbrannte, begann man 1985 mit dem komplizierten Wiederaufbau. Nach und nach zogen Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in den Gebäudekomplex ein. So auch seit 2004 das „Grüne Gewölbe“. Vom ca. 100 m hohen Hausmannsturm, der noch der Zeit der romanischen Burganlage zugerechnet werden kann, genießt man einen phantastischen Blick über die Stadt.
Die Brühlsche Terrasse
Nachdem die militärischen Wehranlagen an Bedeutung verloren hatten, verschenkte Kurfürst Friedrich August II. – Sohn von August dem Starken – Teile der Anlagen an seinen Minister Heinrich Graf von Brühl. Dieser errichtete sich hier in der Mitte des 18. Jahrhunderts sein persönliches barockes Areal mit Lustgarten. Seit die Brühlsche Terrasse 1814 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, erreicht man sie über eine monumentale Freitreppe am Schlossplatz, welche von den „Vier Jahreszeiten“ gerahmt wird. Von den Bauten Minister Brühls ist heute leider nicht mehr viel übrig, jedoch ist der „Balkon Europas“, wie die Terrasse auch schwärmerisch betitelt wird, ein Highlight der Dresdner Sehenswürdigkeiten.
Der Altmarkt
Von jeher ist der Altmarkt ein zentraler Punkt in Dresden, auf dem Feste, Turniere und Märke abgehalten wurden. 1370 wurde er als „circulus“ erstmals urkundlich erwähnt und bereits um 1400 kam der Begriff „Margt“ auf. Als an der Frauenkirche der Neumarkt entstand, bürgerte sich für den Platz der Name „Alter Markt“ ein. Berühmt wurde der Platz sicherlich auch durch den auf ihm abgehaltenen Striezelmarkt. Nachdem der Altmarkt 1945 vollkommen zerstört worden war, begann man 1953 mit der Neubebauung der Ost- sowie Westseite, wobei man hierbei auf historische Elemente zurückgriff. Als nördlicher Abschluss wurde bis 1969 der Kulturpalast errichtet. Erst 1998 entstanden auf der Südseite moderne Geschäfts- und Bürohäuser.
Der Gänsediebbrunnen
auszugsweise entnommen aus „Historischer Wanderleitfaden“- Dresdner Stadtspaziergänge
Robert Dietz, Professor an der Dresdner Kunstakademie, schuf 1878 die Hauptfigur des Brunnens: den Gänsedieb. Die Geschichte des Gänsediebes geht bis in das 16. Jahrhundert zurück. Ein Schweizer namens Thomas Platter zog als wandernder Schüler durch Deutschland und stahl bei Dresden zwei Gänse. In Dresden fand er dann Aufnahme in der Kreuzschule. Die Figur auf dem Brunnen wurde als ein fideler Bursche, seine Beute im Arm haltend und nach der heftig erschrockenen zweiten Gans greifend, sehr lebendig dargestellt. Auch bei den zwei unter ihm entfliehenden, flügelschlagenden Gänsen, hört man förmlich ihr ängstliches Geschrei. Das volkstümliche Werk, von dem ein gewisser Humor ausgeht, wurde erstmals zum 36. Geburtstag von Dietz am 20. April 1880 auf dem Ferdinandplatz der Öffentlichkeit übergeben. … Seinen neuen Standplatz erhielt der Gänsedieb- Brunnen nach Überholung und Reinigung 1961 auf der Weißen Gasse.
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Am 02. November 2009 - Veröffentlicht in: Geschichte Dresden
Historischer Wanderleitfaden – Dresdner Stadtspaziergänge
Redaktion (87 comments) 01. März 2010 15:28 :
Neugestaltung des Umfelds der Kreuzkirche, 1. Bauabschnitt
Das Straßen- und Tiefbauamt saniert ab Montag, 1. März 2010, die Platzbefestigung im Umfeld der Kreuzkirche. Dabei ersetzen südlich und westlich (Haupteingang) des Bauwerkes Granitplatten die alte Asphaltdecke. Außerdem verlegt die Stadt im Traufbereich, also am unmittelbaren Rand des Gebäudes, neue Sandsteinplatten.
Hintergrund der Arbeiten ist zum einen der schlechte Zustand des Asphaltes. Südlich der Kirche (An der Kreuzkirche 6) liegen zudem die bereits vorhandenen Platten höher als die bisherige Straßendecke. Nun entsteht hier eine Fläche mit gleicher Höhe. Im Zuge dessen erhält auch der Bodenbereich um die vier Ahornbäume eine neue Gestaltung. Neue Bänke, Fahrradbügel und Papierkörbe ergänzen die Maßnahmen. Die Sanierungsarbeiten erstrecken sich bis zum Haus Altmarkt 6, hier müssen die vorhandenen Granitplatten ebenfalls angehoben werden.
Die Arbeiten dauern bis circa Ende Juni 2010. Während der Arbeiten wird der Anlieger- und Lieferverkehr aufrechterhalten, Einschränkungen in der Verkehrsführung werden in den jeweiligen Bauphasen ausgeschildert.
Parallel dazu werden nach der Winterunterbrechung die Arbeiten in der Kramergasse von Anfang März bis circa Ende Mai weitergeführt.
Newsletter der Landeshauptstadt Dresden, 27.02.2010
Redaktion (87 comments) 29. März 2010 16:48 :
Das Dresdner Schloss hat seine Englische Treppe wieder
Nach fünfjähriger Bauzeit ist es geschafft: Die Englische Treppe im Dresdner Residenzschloss ist wiederaufgebaut! Sachsens Finanzminister Prof. Dr. Unland hat anlässlich einer Baufeier die detailgetreue und filigrane Rekonstruktion und historische Bedeutung der Treppe hervorgehoben. Er sagte: „Dank der günstigen Befundlage, der wissenschaftlichen Kenntnisse und der unermüdlichen Arbeit der Baufirmen, Restauratoren, Bildhauer, Künstler, der Denkmalpflege und des Staatsbetriebes SIB konnte die Englische Treppe wieder erlebbar gemacht werden. Diesen einst schwer geschädigten und ruinösen Raum so prachtvoll ins 21. Jahrhundert zurückzuholen, ist eine große Leistung.“ Der Freistaat Sachsen hat in diese Baumaßnahme rund 4 Millionen Euro investiert.
Die Englische Treppe war ursprünglich dem sächsischen Königshaus und seinen Gästen vorbehalten. Von nun an ist sie öffentlich begehbar, denn sie ist der Hauptzugang in die Ausstellungen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Das heißt: Jeder Besucher, der ins Schloss kommt und das einzigartige und herausragende kulturelle Angebot der Kunstsammlungen, die 2010 ihr 450-jähriges Bestehen feiern, wahrnimmt, wird über diese Treppe in die einzelnen Ausstellungsbereiche gelangen.
Mit der Fertigstellung dieser Baumaßnahme nimmt das Dresdner Schloss – Sachsens größtes staatliches Bauvorhaben – weiter konkret Gestalt an. Nach der Fertigstellung des Kleinen Schlosshofes und der Fürstengalerie im vergangenen Jahr, der Eröffnung der Türckischen Cammer vor wenigen Wochen, folgt mit der Übergabe der Englischen Treppe nun das nächste Meisterstück auf dem langen Weg zum Wiederaufbau des Dresdner Schlosses.
2005 wurde der zerstörte Treppenraum schrittweise zurückgebaut und gleichzeitig nach vorhandenen Details des ursprünglichen Zustandes gesucht. Auch die Bevölkerung wurde durch einen Aufruf gebeten, Hinweise für die Rekonstruktion zu liefern. 2006 wurde dann die Treppenkonstruktion wieder errichtet. Mit Hilfe modernster Technik und einem enormen Arbeitsaufwand gelang es, Wände und Decken des Treppenhauses im Erdgeschoss, 1. und 2. Obergeschoss in der neobarocken Fassung von 1895 wieder herzustellen. Zu den besonderen Glücksumständen zählte, dass bei früheren Sicherungsmaßnahmen Befunde geborgen und Abgüsse gemacht werden konnten, die später als Vorlagen dienten. So konnte der wertvolle Kamin aus Adneter Marmor ergänzt und restauriert werden. Restauriert wurde auch der zerstörte Sandsteinkamin, der ein Blickfang für den ankommenden Besucher ist. Last but not least: Das beeindruckendste Bauteil ist die Stuckdecke. Sie umkrönt den Raum und schließt ihn nach oben eindrucksvoll ab.
Historie der Englischen Treppe
Die „Große Treppe“ wurde 1692 durch den Hofbaumeister Johann Georg Starcke und Christoph Beyer als breite, über vier Pfeiler geführte Treppe mit Treppenauge konstruiert. 1693 wurde sie in „Englische Treppe“ umbenannt, weil Kurfürst Johann Georg IV. durch den englischen Gesandten Sir William Swan zum Ritter des Englischen Hosenbandordens ernannt wurde. Der vom englischen König Eduard III. 1348 gestiftete Hosenbandorden ist eines der exklusivsten Orden Großbritanniens und einer der an-gesehensten Europas. Eduard versuchte mit diesem Orden die wichtigsten Ritter des Königreiches fester an sich zu binden.
1701 wurde die Treppe bei einem Schlossbrand zerstört und zwischen 1718 und 1719 unter Matthias Pöppelmann neugestaltet. Zum 800-jährigen Bestehen des Hauses Wettin bekamen das Schloss und damit auch die Treppe ein neues, neobarockes Gewand. Im Februar 1945 wurde die Treppe fast vollständig zerstört. Erst zu Beginn der 90er Jahre begannen Sicherungsarbeiten.
Schlossausbau
Der Rohbau des Schlosses ist seit 2007 abgeschlossen. Ende 2009 lagen die Investitionsausgaben bei rund 250 Millionen Euro. 2010 sind für den Wideraufbau des Schlosses 15 Millionen Euro eingeplant. Der weitere Ausbau des Dresdner Schlosses mit allen Ausstellungsflächen erfolgt nach den finanziellen Möglichkeiten des Landes, möglichst bis zum Jahr 2013. In den Folgejahren werden sich weitere Rekonstruktionen von Repräsentationsräumen anschließen.
Zu den Bau-Schwerpunkten 2010 im Residenzschloss gehören der Ostflügel mit Ausbau des Riesensaals, der Ausbau des 1. und 2. OG mit Kleinem Ballsaal sowie des Südtreppenhauses im Georgenbau, der Einbau eines Schlingrippengewölbes in der ehemaligen Schlosskapelle und die Herstellung von Musterachsen in den Paraderäumen im 2. OG des Westflügels.
Pressemitteilung Sächsisches Staatsministerium der Finanzen, 29.03.2010
Redaktion (87 comments) 15. April 2010 08:43 :
Zukunft seit 1560 – Jubiläumsausstellung im Dresdner Residenzschloss
“Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden feiern einen stolzen Jahrestag. Dabei geht es nicht darum 450 Jahre ‚Sammeln in Dresden‘ zu feiern. Vielmehr ist das Jubiläum Anlass für einen Blick zurück in die Zukunft, heißt gleichermaßen zurück wie nach vorn”, sagte der Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Prof. Martin Roth heute zur Eröffnung der Jubiläumsausstellung “Zukunft seit 1560″. Das Jahr 1560 dokumentiere für die Dresdner Sammlungen eine Grenzlinie hinter der Kurfürst August nicht mehr nur einzelne wertvolle Gegenstände anhäufte. „Mit der Einrichtung der kurfürstlichen Kunstkammer im Residenzschloss hat in Dresden das systematische von Erkenntnisgewinn und von Repräsentationsinteressen bestimmte Sammeln begonnen. Dieses Jubiläum gilt es zu feiern.”
“Die Sammlungsgeschichte der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zeigt, dass Kunst und Wissenschaft untrennbar miteinander verbunden waren. Forscherdrang und Repräsentationsgedanke bedingten sich und bildeten das Fundament für die kulturelle, wissenschaftliche und nicht zuletzt auch wirtschaftliche Entwicklung des Freistaates. Gesammelt wurden sowohl technische Apparate als auch Kunstgegenstände. Es gilt, die Identifikation mit diesem kulturellen Vermächtnis an die jüngere Generation weiterzutragen”, so Sachsens Kunstministerin Sabine von Schorlemer.
“Die Ausstellung ‚Zukunft seit 1560‘ zeigt Phänomene, die zu allen Zeiten den Umgang mit den Sammlungen bestimmt haben. Sie visualisiert den Zukunftsgedanken als treibende Kraft der Entwicklung in fünf großen Kapiteln: Schöpfung- Verlangen- Wissbegierde-Konfrontation-Ausstrahlung”, so die Kuratorin der Jubiläumsausstellung, Dr. Karin Kolb. Wie in der frühen Kunstkammer stehen dabei handwerkliche und naturwissenschaftliche Objekte neben Kuriositäten und Werken der bildenden Kunst.
Die Jubiläumsausstellung schöpft dabei sowohl aus dem riesigen Reservoir an eigenen Kunstschätzen, wie auch aus ehemaligen kurfürstlichköniglichen Sammlungen. Deutsche und internationale Leihgaben ergänzen die Ausstellung. Sie kommen unter anderem aus dem Pariser Louvre oder der Eremitage in St. Petersburg. Das Musée de la Renaissance – Ècouen (Frankreich) hat der Jubiläumsausstellung eine mehr als vier Meter lange Drahtziehbank von 1565 als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Kurfürst August hatte das außergewöhnliche Objekt in Nürnberg anfertigen lassen, um auf der Höhe der Zeit zu bleiben. Er soll damit sogar selbst Silberdraht aus Silber gezogen haben. Als Leihgabe der Münchner Staatsgemäldesammlungen werden nach 420 Jahren der Trennung Albrecht Dürers „Maria als Schmerzensmutter“ und die dazugehörigen sieben Tafeln „Die sieben Schmerzen der Maria“ für kurze Zeit erstmals wieder vereint zu sehen sein. Bereits im 16. Jahrhundert waren die Tafeln von der Madonna getrennt worden.
Ganz gleich ob der Krebsautomat von Hans Schlottheim aus dem Jahr 1590, sieben Gemälde aus dem Sonderauftrag Linz, deren Identität teilweise in Vergessenheit geraten war, eine feuervergoldete Planetenlaufuhr, die die Faszination Augusts des Starken für Astrologie zeigt oder mit Blattgold belegte javanischen Schattenspielfiguren – zum ersten Mal zeigen die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden eine Ausstellung aus einer solchen Menge und Vielfalt an Exponaten.
Dem Zukunftsgedanken verpflichtet ist auch die Ausstellungsgestaltung. Die Museumsgestalter hg merz architekten platzieren die Exponate auf Plateaus in der Mitte der Räume vor teilweise unverputzten Wänden. Die ehemaligen Paraderäume im Residenzschloss sind so ein letztes Mal vor ihrer Rekonstruktion zu sehen. Zur Ausstellung erscheint ein „Mediaguide“ in den Sprachen deutsch, englisch, russisch, tschechisch und polnisch. Er beinhaltet Bilder und Filme, die über einen Touchscreen zu steuern sind. Das Multimediakonzept von Jangled Nerves aus Stuttgart wird von Wandprojektionen und einer Touchscreen-Station ergänzt. In einem Schuber erscheint eine Chronologie der Dresdner Sammlungen vor 1560 bis heute, das Katalogbuch zur Ausstellung und eine Anthologie mit historischen und aktuellen Texten zu den Dresdner Sammlungen, herausgegeben vom Deutschen Kunstverlag. (Gesamtpreis Museumsausgabe 48 Euro/Buchhandelsausgabe 58 Euro).
“Zukunft seit 1560 – Die Ausstellung” ist im Dresdner Residenzschloss vom 18. April bis zum 7. November täglich außer dienstags von 10 bis 18 Uhr zu sehen.
Pressemitteilung Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, 14.04.2010
Redaktion (87 comments) 27. April 2010 15:06 :
Bauarbeiten am Mathematisch-Physikalischen Salon (MPS) im Dresdner Zwinger jetzt auch nach außen für Besucher des Zwingers sichtbar
Nachdem die im Mai 2008 begonnen Bauarbeiten am Mathematisch-Physikalischen Salon im Dresdner Zwinger bisher eher im Verborgenen blieben, werden sie in den nächsten Wochen auch nach außen sichtbar. Gründe sind die bessere Witterung und vor allem der Abschluss der Auswertung der archäologischen Funde.
Ab heute wird mit dem Einrichten der Baustelle begonnen. Der vorgesehene Bauzaun im Zwingerhof wird bis Ende Mai mit Informationen zum Baugeschehen bestückt. Die Projektleitung hat der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB).
Bis Ende 2012 investiert der Freistaat Sachsen rund 14,5 Millionen Euro in die Generalsanierung des MPS. Es entstehen neu gestaltete Ausstellungsflächen (zirka 1.100 qm), Depots, Werkstätten sowie Verwaltungsbereiche für den Museumsbetrieb des MPS. Die Bauarbeiten umfassen die denkmalgerechte innere und äußere Sanierung der Bogengalerie K, des Anbaus R, des Pavillons F und der Langgalerie O, einschließlich der Terrassen, der Treppenanlagen und des Figurenschmuckes an den Fassaden. Darüber hinaus ist die gesamte Technik unter Beachtung klimatischer und sicherheitstechnischer Belange zu modernisieren. Besonderes Augenmerk wird auf die neue Präsentation und Ausleuchtung des oft sehr lichtempfindlichen Kunstgutes gelegt.
Umplanungen waren vor allem im Bereich des ehemaligen Grottensaales notwendig. Das Landesamt für Archäologie hatte bei Grabungen im ehemaligen Grottensaal ca.14.000 Stuckfragmente gefunden, die zur originalen Ausstattung des Saales gehörten. In diesem Zusammenhang wurden auch alte Leitungen der Wasserspiele des Grottensaales freigelegt und gesichert. Die teils bemalten, vergoldeten bzw. mit Glasflitter beschichteten Fragmente, die einst zum Grottenwerk an den Wänden und Brunnen gehörten, wurden im Landesamt für Denkmalpflege untersucht, dokumentiert und anschließend, in Kisten verpackt, eingelagert.
Durch die Funde kann der ehemalige Grottensaal nicht wie geplant zur Unterbringung von Depots, Werkstätten und Klimazentrale unterkellert werden. Nunmehr sehen die Planungen einen neuen unterirdischen Anbau im Wall vor.
Der ehemalige Grottensaal selbst, ursprünglich ausschließlich für Ausstellungen geplant, wird zum Eingang für die Besucher und bietet gleichzeitig den Auftakt der Ausstellung. Dadurch wird dieser in seiner Bedeutung aufgewertet und die historische Erschließung durch das Hauptportal im Pavillon aufgenommen. Im neuen unterirdischen Anbau im Wall werden Ausstellung, Depots, Werkstätten und Technik untergebracht. Der fensterlose Ausstellungsbereich (ca.160 qm) bietet beste Bedingungen für lichtempfindliche Ausstellungsgegenstände.
Die Erdarbeiten für den Anbau beginnen im Mai. Dabei kommt es durch Absperrungen auch zu Behinderungen des Besucherverkehrs auf dem Wall.
Der Dresdner Zwinger gehört zu den bekanntesten Bauwerken der Stadt. Die einzigartige Verbindung von Architektur und Plastik erhebt den Zwinger zu einem der Hauptwerke des europäischen Barocks. Der Pavillon F, die Bogengalerie K und die Langgalerie O sind in den Jahren 1712/14 vom Oberlandbaumeister M. D. Pöppelmann erbaut worden. Kurz nachdem das »Königliche Cabinet der mathematischen und physikalischen Instrumente« 1728 im Zwinger untergebracht worden war, entstand das erste Inventarverzeichnis der Sammlung. Im Jahr 1746 erhielt das Museum schließlich seinen bis heute gültigen Namen »Mathematisch-Physikalischer Salon«.
Pressemitteilung Sächsisches Staatsministerium der Finanzen, 27.04.2010
Redaktion (87 comments) 18. Juni 2010 08:36 :
Försters „Großer trauernder Mann“ zurück auf dem Georg-Treu-Platz
Die Bronzeskulptur „Großer trauernder Mann, den Opfern des 13. Februar 1945 gewidmet“ des in Dresden geborenen Künstlers Wieland Förster steht wieder auf dem Georg-Treu-Platz. „Ich bin überaus froh, dass die Plastik rechtzeitig zur Wiedereröffnung des Albertinums an ihrem ursprünglichen Standort wieder aufgestellt worden ist“, freut sich Dresdens Kulturbürgermeister Dr. Ralf Lunau.
Im Zuge baulicher Maßnahmen war die im Jahr 1985 geschaffene Skulptur, die zu Wieland Försters bekanntesten Arbeiten gehört, vom Georg-Treu-Platz zuerst auf das Areal vor dem Dresdner Schloss, später gegenüber dem Zwinger versetzt worden. Für die unbürokratische Wiederaufstellung der Plastik dankt die Dresdner Stadtverwaltung sowohl dem Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst als auch dem Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagment.
Newsletter der Landeshauptstadt Dresden, 18.06.2010