Eintauchen in die Welt des Sandsteins – eine Rundwanderung
Bericht aus Magazin die-infoseiten.de – Ausgabe Juli-August 2009
Mit freundlicher Empfehlung des Heimat- und Tourismusvereins Stadt Wehlen e.V.
Vor über 1 00 Millionen Jahren befand sich im heutigen Gebiet der Sächsischen Schweiz das Kreidezeit-Urmeer. Auf dessen Boden verfestigten sich Quarzsand-Ablagerungen und bildeten so eine riesige, ca. 600 m starke Sandsteinplatte, aus der die Natur in den folgenden Millionen Jahren eine einzigartige Felsenwelt schuf. Seit dem Tertiär graben die Elbe und ihre Nebenflüsse mit unvorstellbarer Kraft riesige Täler in die Platte. Verbunden mit
Regen, Wind und Eis (Erosion), entstanden so die bizarrsten Felsformationen. Auf unserer heutigen Wanderung werden
wir diese vielfältigen, von den Naturgewalten geschaffenen Formen hautnah erleben. Interessant ist nicht zuletzt das Profil der Wanderung: Von der Elbe über die Teufelsschlucht zum Plateau überwindet man ca. 190 Höhenmeter. Über Steinbruch und Wilke zurück zur Elbe steigt man von 200 m ü. NN auf 110 m ü. NN wieder hinab.
Ausgangspunkt: Stadt Wehlen
Die Anreise erfolgt ebenso wie bei der Wanderung durch das Goldene Dreieck der Sächsischen Schweiz (Magazin März-
April 2009) mit dem Auto, der S-Bahn oder dem Schiff bis nach Wehlen.
I. Etappe
Los geht es am Ufer der Elbe in einer Höhe von 112 m über NN und wir beginnen mit einem Besuch des Heimatmuseums
der Stadt Wehlen mit seinem vielfältigen Pflanzengarten. Im Museum ist neben einem gläsernen Bienenstock, in dem man ein echtes Bienenvolk bei der täglichen Arbeit beobachten kann, auch das Modell eines Sandsteinbruchs im Maßstab 1 :20 zu bewundern.
Hier wird die Arbeit der Sandsteinbrecher in der 1 . Hälfte des 20. Jahrhunderts dargestellt – vom Abbau (Sprengen
und Zerlegen), über den Transport ans Elbufer, bis zum Verladen und Abtransport auf dem Wasserweg in alle Welt.
Um 1900 waren bis zu 3.000 Arbeiter in den Sandsteinbrüchen des Elbtals beschäftigt. Der Pflanzengarten wurde einst in liebevoller Arbeit durch den Bildhauer und Bergsteiger Hans Thumm angelegt und zeigt bis heute Gewächse aus aller Welt, die Berg- und Wanderfreunde von ihren Touren mit nach Hause brachten.
II. Etappe
Vom Heimatmuseum bis zu unserem nächsten Ziel, dem Miniaturpark „Die Kleine Sächsische Schweiz“, führen zwei Wege.
Der kürzere und leichtere Weg führt vom Museum über die mit Sandsteinen belegte Buschholzstraße bis auf das Plateau in einer Höhe von 250 m ü.NN, welches sich zwischen den Orten Lohmen und DorfWehlen erstreckt (II.1 ).
Der andere ist länger, man muss teilweise kraxeln, aber wie so oft ist er auch der interessantere Weg (II.2). Er führt durch den Wehlener Grund bis zur Weggabelung an der Gedenktafel für den international bekannten Käferforscher
Friedrich Märkel (1790 – 1860). Von der Gedenktafel gehen wir geradeaus in den wildromantischen Teufelsgrund.
Nach ca. 1 00 m führt links der Weg über die Teufelsschulter, vorbei an der Heringshöhle zur Buschholzstraße.
Hier müssen wir über größere Felsstufen und durch Felsspalten klettern (II.3). Oder wir laufen in den Teufelsgrund
weiter hinein, vorbei an der Teufelskammer und durch ein großes Felsentor, um am Ende der Schlucht über eine Leiternpassage hinauf zur Buschholzstraße zu gelangen (II.4). Dieser Straße nun folgend, biegen wir nach ca. 100 m links über freies Feld in Richtung Dorf Wehlen ab, um nach ca. 10 min. ein kleines, erhaltenswertes Biotop mit Schilf und Fischen zu erreichen. Ein geeigneter Ort für eine Pause (II.5).
Der Weg führt uns weiter durch den Ortsteil Dorf Wehlen, mit seinen vielen, wunderschön restaurierten Bauernhöfen und wir erreichen in ca. 15 min. den Miniaturpark „Die Kleine Sächsische Schweiz“. Die Anlage zeigt alle bekannten Felsen, Landschaften und Sehenswürdigkeiten der Umgebung en miniature (siehe Bericht
Magazin Mai-Juni 2008).
III. Etappe
Oberhalb der Schauanlage finden wir auf die Steinbruchstraße, über die wir in 20 Min. den Steinbruch der Sächsischen Sandsteinwerke GmbH erreichen. Auf halbem Weg lädt eine Bank zum Verweilen ein, um das fantastische Panorama zu genießen (II.6): vom Basteiwald mit der Basteiaussicht, über Lilienstein, Königstein, Rauenstein und die Bärensteine
bis zum in der Ferne liegenden Schneeberg.
Ein Stück weiter gelaufen, stehen wir vor einem der letzten drei noch in Betrieb befindlichen Sächsischen Sandsteinbrüche – ein gewaltiger Anblick. Dieser Steinbruch wurde nach 20 Jahren Pause 1985 wieder in Betrieb genommen, um den großen Bedarf an Sächsischem Sandstein zu decken. Dieser hier hat eine besondere Härte und wurde u.a. am Dresdner Schloss, an der Frauenkirche, am Rathaus in Kopenhagen und am Stockholmer Schloss verwendet.
Der Abbau des Sandsteins war stets eine sehr schwere körperliche Arbeit, welche eindrucksvoll in den Kunstwerken der
Maler Robert Sterl und Pol Cassel gezeigt werden – ca. 5 min. elbabwärts gelaufen, befindet sich das ehemalige Atelier von Pol Cassel (II.7).
Wir laufen weiter elbaufwärts auf den Spuren des Sandsteins in Richtung Stadt Wehlen.
IV. Etappe
Der Rückweg führt uns über den Steinbrecherpfad – dessen Wegzeichen ein stilisiertes Mühlrad ist – vorbei an vielen
historischen Gegenständen aus der aktiven Sandsteinbrecher-Zeit, wie einer Abraumhalde, dem Bremsberg, der Steinsäge, Gleisen und Loren der alten Bahn und vielen Sandsteinmauern. Nach ca. 20 min. gelangen wir zur der bekannten Wilke-Aussicht mit Blick auf das verträumte Elbtal.
Danach folgt der Abstieg durch das romantische Wilkebachtal zurück an das Elbufer. Von hier aus erreichen wir in ca.
15 min. den Ausgangspunkt unserer Wanderung.
Am 08. September 2009 - Veröffentlicht in: Sächsische Schweiz

Redaktion (87 comments) 14. September 2009 14:54 :
Das Goldene Dreieck der Sächsischen Schweiz – eine weitere Wanderung im Nationalpark “Sächsische Schweiz”
weiterlesen: http://www.die-infoseiten.de/das-goldene-dreieck-der-saechsischen-schweiz/
Heinz (1 comments) 28. Februar 2010 11:09 :
Hallo,
kann mir jemand sagen, ob dieser Pfad wieder vom Fährhaus Zeichen Richtung Wehlen aus begehbar ist. Im Jahr 2008 gab es Probleme mit dem Durchgehen von Privatgrundstücken oberhalb von Zeichen.
Danke
Redaktion (87 comments) 01. März 2010 14:45 :
Sehr geehrter Leser (Heinz),
nach Rücksprache mit dem Heimat- und Tourismusverein, hat sich die Situation leider nicht verändert und der Pfad ist nicht öffentlich begehbar.
Wir wünschen viel Spaß beim Wandern!