Weiteres aus dem Vegetarierleben

17. Juni 2009

Ich liebe meinen Freund, aber er ist kein Vegetarier – Fleischstücke müssen es sein, groß und ganz viel. Das muss ich akzeptieren.

Mit meinem „Halbkochwissen“ wollte ich ihm eine Freude machen, meine Liebe zeigen und dachte mir: ´Okay, versuch´s doch mal mit Leber.` Das sich das für mich so anstrengend gestaltet, hätte ich wissen müssen.

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Der erste Weg war klar: ab zum Fleischer, Leber besorgen. Doch schon das Betreten der Fleischerei war eine komische Sache. Was für Nichtvegetarier sicherlich sehr lecker ist, riecht für mich ziemlich merkwürdig. So ranzig, leicht muffig. Die Auslage der Theke war auch nicht eben einladend. Augen zu und durch: Eine Zunge, die einen direkt entgegenspringt und abschlecken will neben komisch tiefroten, nassen Fleischstücken mit Sehnen und Fettrand in metallenen Boxen.

Die Verkäuferin, welche diese typische blau-weiße Schürze mit dem passenden Kopfkäppi trug, fragte ganz freundlich: „Und Sie?“ Soviel Entgegenkommen macht Mut.

Mhm, ich kenne mich super aus was Fleisch betrifft … seit ca. 13 Jahren war ich nicht mehr in so einem Laden und musste mich auch nicht damit auseinandersetzen, ob es Unterschiede gibt oder so. „Ich hätte gern Leber“, sagte ich. „Und was für Leber?“, war die Retourkutsche. Ich hatte keine Ahnung! Also was soll es, ich oute mich einfach mal. „Keine Ahnung. Ich weiß es nicht. Ich möchte sie braten.“ Die Verkäuferin schaut mitleidig und sagt: „Na gut. Dann empfehle ich Ihnen diese. Wieviel soll es denn sein?“, kommt gleich das nächste Problem auf mich zu. „Tja, so für eine Person.“ „Gut. Dann mache ich es ihnen mal fertig. Kostenpunkt …“, und ich war wieder draußen, mächtig stolz, diese Hürde gemeistert zu haben.

Ich spürte förmlich die Blicke der Verkäuferin im Rücken, die sich wahrscheinlich so ihre Gedanken über die jungen Frauen, das Kochen und die heutige Zeit machte…

Nun hatte ich also ein Fleischpaket in meiner Tasche, welches komisch roch und das ich auch immer berührte wenn ich, typisch Frau, etwas in meiner Tasche suchte. Ein merkwürdiges Gefühl, wenn man bedenkt, dass man da gerade totes, blutiges Tier in der Tasche über die Straße trägt.

Auf meinem Heimweg kamen mir dann auch noch so merkwürdige Gedanken, was wohl andere so in ihren prall gefüllten Beuteln heimtragen. Hühnerherzen … oder -beine. Schnell Heim!

Schon wartete die nächste Hürde: Wie macht man diese Leber?

Ich wusste, ich muss diese blutigen Teile in Mehl wälzen, würzen und anbraten. Also ran an die Arbeit. Das Einpackpapier war schnell entfernt. Dann strahlten mich die tollen Leberstücke aus einer durchsichtigen Plastiktüte blutig an. Und nun?? Erst einmal auf den Teller schütten. Gut. Da lagen sie nun. Zwei Gabeln zur Hand genommen als Verlängerung derselben, beherzt jedes Stück anpicken und ins Mehl fallen lassen.

Nun ein bisschen Mehl mit der Gabel drüberhäufen und aufs Brett rüber tragen. Würzen und ab in die Pfanne. Oh, wie das riecht! Dann fingen diese Fleischdinger auch noch an auszulaufen. In meine Vegetarierpfanne! Die werde ich bestimmt nicht mehr für meinen Camembert nutzen.

Aber okay. Zu guter Letzt hat mein Freund tapfer und mit überzeugendem: „Mhm, lecker“, die Leber mit Zwiebel und Kartoffelbrei gegessen und gemeint, ich könnte das ruhig öfter machen. ´Bestimmt nicht`, dachte ich mir nur…

e.u.

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