Klettern für den Wald von Morgen
Zapfenpflücker beginnen mit Saatguternte bei Weißtanne. Sachsen erwartet 2009 gute Erträge
Forstminister Frank Kupfer hat am 2. September 2009 bei Hohnstein im Nationalpark Sächsische Schweiz die diesjährige Saatguternte in Sachsens Wälder gestartet. Den Auftakt bildet die Ernte der Samenzapfen bei der Baumart Weißtanne. Dazu steigen speziell ausgebildete Zapfenpflücker, ausgerüstet mit Steigeisen oder Steigklemme, Seil und Säcken, bis zu 40 Meter hoch in die Kronen der Bäume und pflücken die Zapfen. „Die Ernte der Weißtannenzapfen ist eine besondere Herausforderung und ein wichtiger Beitrag für unser Waldumbauprogramm“, sagte der Minister heute in Hohnstein. „Das Besteigen der ausgewählten Bäume, ohne diese zu beschädigen, erfordert viel Mut und Können. Außerdem erhalten wir so wertvolles Saatgut einer seltenen, aber für Sachsen sehr wichtigen Baumart“, so Kupfer weiter.
Außer im Nationalpark Sächsische Schweiz sind in den kommenden 14 Tagen auch im Forstrevier Bärenfels (Osterzgebirge) neun Zapfenpflücker unterwegs, um das Saatgut der Weißtanne zu ernten. Insgesamt fallen dabei 1,5 bis 2,5 Tonnen Rohsaatgut (Zapfen) an. Nach dem Pflücken werden die unreifen Zapfen in die zentrale Staatsdarre nach Flöha (Lkrs. Mittelsachsen) transportiert. Dort werden sie auf einem Trockenboden zur Nachreife ausgelegt. Die Zapfen zerfallen schließlich. Das so gewonnene Saatgut wird anschließend gereinigt, aufbereitet und bis zu einem Wassergehalt von vier bis fünf Prozent getrocknet. Danach werden die Samen kühl gelagert, bevor sie dann im Frühjahr in einer Forstbaumschule ausgesät werden. Dort verbringen die kleinen Weißtannen zirka fünf Jahre, bevor sie im Wald gepflanzt werden. „Mit diesem Verfahren können wir aus 100 Kilogramm Tannenzapfen etwa ein Kilogramm reines Saatgut gewinnen. Daraus entstehen wiederum rund 15 000 kleine Pflanzen für unsere heimischen Wälder“, erklärte der Minister.
Die Weißtanne (Abies alba) ist eine der wichtigsten Baumarten in der natürlichen Vegetation der gesamten sächsischen Mittelgebirge. „Allerdings ist bei keiner anderen Baumart in Sachsen die Diskrepanz zwischen ihrem ursprünglichen Anteil an der natürlichen Vegetation und ihrer tatsächlichen heutigen Verbreitung so groß, wie bei der Tanne“, betonte Kupfer. Im 17. Jahrhundert war die Weißtanne in den sächsischen Mittelgebirgswäldern noch mit etwa einem Drittel an der Baumartenzusammensetzung beteiligt. Heute gibt es in ganz Sachsen noch etwa 2 000 Alt-Tannen auf rund acht Hektar Wald verteilt. Knapp die Hälfte davon befindet sich im Nationalpark Sächsische Schweiz. „Damit zählt die Weißtanne in Sachsen zu den vom Aussterben bedrohten Arten“, so der Minister. „Die Wiederbesiedelung der Weißtanne in die sächsischen Mittelgebirge ist deshalb ein ganz wesentlicher Baustein des Waldumbaus in Sachsen“. Im sächsischen Staatswald werden in diesem Jahr auf 228 Hektar 670 000 Weißtannen neu gepflanzt und auf rund 23 Hektar gesät. Allein in der Sächsischen Schweiz soll so die Weißtanne langfristig einen Flächenanteil von drei bis vier Prozent erreichen.
Außer bei den Tannen wird in den nächsten vier bis fünf Wochen auch bei den Baumarten Rotbuche, Stiel- und Traubeneiche, Douglasie, Fichte, Kiefer, Lärche das Saatgut aus anerkannten Beständen geerntet. Die Zapfen der Nadelbäume werden dabei ebenfalls gepflückt, die Früchte mit den Samen der Laubbäume werden mit Netzen am Boden aufgefangen. „Gegenüber dem sehr ungünstigen vergangenen Jahr rechnen wir für 2009 bei den Hauptbaumarten mit einer mittleren bis sehr guten Ernte“, erwartet Kupfer. Die Vorbereitungen für die Beerntung der für den Waldumbau bedeutendsten Baumart Rotbuche laufen bereits auf Hochtouren. Hier werden in diesem Jahr zwischen 20 und 40 Tonnen Bucheckern erwartet.
Das letzte nennenswerte Mastjahr gab es in Sachsen 2006. Dabei wurden in den 182 sächsischen Saatgutbeständen insgesamt 89 330 Kilogramm Zapfen, Rohsaatgut und frische Früchte von 14 Baumarten geerntet.

