Böhmisch Brauhaus Großröhrsdorf GmbH

Böhmisch Brauhaus Großröhrsdor

Ein Traditionsbier – in Sachsen gebraut

Uralt ist der Brauch, Bier und bierähnliche Getränke herzustellen und bei den verschiedensten Anlässen zu genießen. Die Großröhrsdorfer Brautradition lässt sich mehr als 600 Jahre zurückverfolgen und hat ihren Ursprung im ehemaligen Lehngut des Ortes.

Früher, vor der Einführung der Gewerbefreiheit, war es landesweit üblich, dass Rittergüter, Klöster aber auch Lehngüter mit so genannten „Gerechtigkeiten“ oder „Freiheiten“ ausgestattet waren, die es den jeweiligen Besitzern erlaubten, Bier zu brauen oder Schnaps zu brennen. Das Lehngut in Großröhrsdorf war von Anfang an mit derlei Lehnrechten zum Bierbrauen versehen und es ist historisch zu belegen, dass vor mehr als 600 Jahren bereits Bier im Ort gebraut worden ist – sicher in kleineren Mengen und mit einer äußerst einfachen Ausstattung.

Die Industrialisierung in der 2. Hälfte des 19. Jh. machte um die vielen Brauereien keinen Bogen, immer mehr Maschinen lösten aufwändige Handarbeiten ab und die ersten Großbrauereien wurden errichtet. Die weit über Großröhrsdorf hinaus bekannte Firma C.G. Großmann erwarb gegen Ende des 19. Jahrhunderts die gesamten Liegenschaften des Großröhrsdorfer Lehngutes einschließlich der darauf befindlichen Braurechte. Im Jahre 1886/87 errichtete die Firma C.G. Großmann auf einem zum Lehngut gehörenden Flurstück direkt am Bahnhof (dem jetzigen Standort des Böhmisch Brauhaus) eine vollkommen neue Brauerei.

Böhmisch Brauhaus seit 1887

Unter dem Namen Böhmisch Brauhaus nahm am 1.Juli 1887 die für damalige Verhältnisse nach den modernsten Gesichtspunkten ausgerüstete Brauerei den Braubetrieb durch den Pächter Albin Nestler auf. Der Betrieb entwickelte sich sehr vortrefflich, der Absatz stieg rasant und zahlreiche Erweiterungen der Brauerei, so auch. der Neubau einer eigenen Mälzerei (1899), konnten realisiert werden. Der Ausstoß vor dem 1. Weltkrieg betrug für damalige Verhältnisse stattliche 14.500 hl. Dieser Aufschwung wurde im 1. Weltkrieg jäh gestoppt, aufgrund der Rohstoffknappheit kam die Bierherstellung fast gänzlich zum Erliegen. Der Aufgabe des Betriebes entging das Böhmisch Brauhaus nur dadurch, dass die Mineralwasserfabrikation aufgenommen wurde.

Nach den schwierigen Nachkriegsjahren fasste das Unternehmen Anfang der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts wieder Fuß. Richtungsweisende Investitionen wurden getätigt, welche Basis für einen rasanten Aufschwung des Böhmisch Brauhaus waren, der aber durch den 2. Weltkrieg wieder unterbrochen wurde. Die Kriegsfolgen waren auch für das Böhmisch Brauhaus verheerend. Die Brauerei wurde im Krieg zwar glücklicherweise nicht zerstört, die Bierherstellung aber musste wegen fehlenden Rohstoffen 1945 erneut eingestellt werden.

Die Brauerei in der DDR

Erste Schritte der Wiederaufnahme der Produktion waren vom Mangel geprägt – im Böhmisch Brauhaus wurden deshalb anfangs nur Molkenbier und Dünnbier hergestellt. Mit der Verbesserung der Rohstoffsituation lief die Bierherstellung nur langsam wieder an. Im Jahre 1953 übernahm Herr Herbert Hartmann die Leitung der Brauerei und führte das Böhmisch Brauhaus bis 1962 als Privatbetrieb in Form einer Kommanditgesellschaft. 1962 erfolgte die Teilverstaatlichung (Betrieb mit staatlicher Beteiligung), bevor am 1.5.1972 das Böhmisch Brauhaus vollständig enteignet wurde. In den 19 Jahren (von 1953 bis zur Verstaatlichung 1972) ist es der Firmenleitung und den Gesellschaftern des Böhmisch Brauhaus mit viel Initiative, unternehmerischer Weitsicht und Risikobereitschaft gelungen – trotz allgemeiner Mangelwirtschaft in der damaligen DDR – umfangreiche Umbau- und Ausbaumaßnahmen durchzuführen.

Gleichzeitig wurden in dieser Zeit lukrative Absatzgebiete in der Sächsischen Schweiz (mit eigener Niederlage in Königsstein) sowie in der Stadt und dem Landkreis Dresden gewonnen. 1972 betrug der Ausstoß fast 70.000 hl. Die Partei (SED) und die zuständigen örtlichen Wirtschaftsfunktionäre „dankten“ Herrn Herbert Hartmann sein Lebenswerk im Böhmisch Brauhaus, indem sie ihn 1972 vom Chefposten absetzten. Als staatlicher Leiter wurde im Anschluss sein Sohn, Herr Gunter Hartmann, eingesetzt.

Noch 2 Jahre durfte das Böhmisch Brauhaus als eigenständiger VEB (Volkseigener Betrieb) arbeiten. In dieser kurzen Zeit konnte Herr Gunter Hartmann mit großem persönlichen Engagement und Umsicht an das Werk seines Vaters anknüpfen und weitere entscheidende Investitionen (neue Wasseraufbereitungsanlage, neuer Drucktankraum, neue Malzsiloanlage, Umgestaltung Labor und Verwaltung) auf den Weg bringen und erfolgreich abschließen. Am 1.1.1975 wurde der „VEB Böhmisch Brauhaus“ dem VEB Dresdener Brauereien als Betriebsteil im Werk Bautzen zugeordnet. Die Investitionen des Kombinates konzentrierten sich auf Prestigeobjekte in den Hauptwerken und wie es damals allgemein üblich war, wurde auch das Böhmisch Brauhaus wie fast alle anderen kleineren Betriebe restlos auf Verschleiß gefahren.

Der in den Jahren nach dem Krieg bis zur Verstaatlichung 1972 mühsam aufgebaute Kundenstamm in Dresden Stadt und Land wurde per Kombinatsbeschluss durch eine sogenannte „Liefergebietsbereinigung“ dem Böhmisch Brauhaus weggenommen.

Böhmisch Brauhaus nach 1990 – eine Tradition lebt weiter

Mit dem Einzug der D-Mark und der politischen Wende im Jahre 1990 war auch das Böhmisch Brauhaus von einschneidenden Veränderungen betroffen – der Markt war über Nacht weggebrochen und die Bevölkerung orientierte sich anfangs sehr stark an Produkten aus dem Westen. Nachdem in den Jahren vor der Wende nur die allernötigsten Erhaltungsarbeiten an den Gebäuden und Anlagen der Brauerei getätigt worden waren, hatte das Böhmisch Brauhaus jetzt einen denkbar schwierigen Start in die Marktwirtschaft.

Umso höher ist die Risikobereitschaft der ehemaligen Gesellschafter des 1972 zwangsenteigneten Böhmisch Brauhaus zu würdigen, denen es unter der umsichtigen und besonnenen Führung von Herrn Gunter Hartmann gelungen ist, das Unternehmen erfolgreich zu reprivatisieren. Um im neuen Biermarkt wettbewerbsfähig zu werden, war das Böhmisch Brauhaus in den Folgejahren gezwungen, den technischen und technologischen Rückstand zu den anderen Mitbewerbern schnellstens aufzuholen.

Eine Reihe von Investitionen waren unumgänglich und wurden sehr schnell ausgeführt:

  • Keg-Anlage
  • Filtertechnik
  • Flaschenabfüllanlage
  • Kälteversorgung
  • Dampferzeuger
  • Wasseraufbereitungsanlage
  • Gärung und Reifung
  • Drucktanklager

Diese umfangreichen Maßnahmen waren die Voraussetzung dafür, dass das Böhmisch Brauhaus Bier heute einen festen Platz auf dem sächsischen Biermarkt einnimmt, und v. a. in Kreisen von Kennern und Liebhabern geschätzt wird. Treuer Kundschaft, zeitgemäßer Brautechnik, engagierten Mitarbeitern sowie einer ganzen Reihe glücklicher Umständen ist es zu verdanken, dass es gelungen ist, wirtschaftlich nicht immer einfache Zeiten (2001 – 2008) zu überstehen.

Erfolgskurs seit 2008

Am 27.05.2008 erwarben 2 Privatpersonen aus Thüringen bzw. aus Sachsen-Anhalt die Brauerei und firmieren seitdem unter dem Namen Böhmisch Brauhaus Großröhrsdorf GmbH. Damit ist das Böhmisch Brauhaus Großröhrsdorf eine der wenigen selbstständigen Braustätten in Sachsen geblieben. Die beiden neuen Eigner der Brauerei haben es sich auf ihre „Fahnen geschrieben“, an die erfolgreichsten Etappen der Großröhrsdorfer Brauereigeschichte anzuknüpfen und das Brauhaus zu einem erneuten Aufschwung zu führen.

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