Dresden Altmickten - Der idyllische Dorfkern

Altmickten Dresden
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Der idyllische Dorfkern von Altmickten steht heute unter Denkmalschutz und kann mit Recht als Kleinod unter den alten Dresdner Dorfkernen bezeichnet werden. Der Dorfplatz ist begrünt, Bänke laden zum Verweilen unter alten Bäumen ein, historische Straßenlaternen tauchen den Ort des Abends in heimeliges Licht. Den Platz umgeben alte Fachwerkhöfe, größtenteils entstanden nach einem Brand von 1823.

Wie man nach Altmickten gelangt?

Biegen Sie von der Leipziger Straße auf die Kötzschenbroder Straße ab. Die Elbe links haltend weiter auf die Böcklinstraße gefahren, erreichen Sie direkt Altmickten. Noch schöner ist natürlich die Fahrt auf dem Elberadweg. Die Häuser liegen auf einer Anhöhe und somit vor den üblichen Hochwassern geschützt am Elbufer. Ein alter Treidelpfad führt direkt an der dicken Stützmauer vorbei. Etwas weiter elbabwärts gelaufen erreicht man einen weiteren alten Dorfkern - Altübigau.

Das ehemals slawische Platzgassendorf Mickten wurde 1378 erstmals urkundlich erwähnt. Die Bewohner waren Bauern, und Fischer und betrieben auf ihren Grundstücken auch Weinbau - später sogar in der Radebeuler Lößnitz.

Viele Jahrhunderte später beeinflusste Übigau

... die weitere Entwicklung Micktens. Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert siedelten sich in Übigau zahlreiche Fabriken an - so u.a. die Übigauer Schiffswerft, die mit der "Königin Maria" das erste Personendampfschiff baute. In Mickten entstanden in Folge die dringend benötigten Wohnungen für die Übigauer Arbeiterfamilien. Gingen die Kinder anfangs noch in Kaditz zur Schule, wurde Ende des 19. Jahrhunderts ein eigenes Schulhaus errichtet. Weitere Neubauten folgten.

Allmählich siedelten sich auch hier große Unternehmen an. Genannt seien an dieser Stelle beispielhaft die Waffelfabrik der Gebrüder Hörmann und das Transformatorenwerk Koch & Sterzel. Bereits 1904 auf der Zwickauer Straße als Spezialfabrik für wissenschaftliche Apparate gegründet, erweiterte man das Unternehmen 1923 um das Werk in Mickten/Übigau. Koch & Sterzel fertigte den ersten 1-Megavolt Prüftransformator von Europa. Neben Transformatoren und Röntgengeräten wurden hier auch Radiogeräte gefertigt. Nach dem II. Weltkrieg entstand hier mit dem VEB Transformatoren-und Röntgenwerk ein für den Export sehr bedeutender Betrieb. Am Standort siedelte sich nach 1990 Siemens an.

Auf der Durchfahrt in die Lößnitz

Dresdner Ausflügler durchquerten Mickten auf ihrem Weg in die Lößnitz. Der Micktener Straßenbahnhof war Knotenpunkt. Hier endete die Stadtlinie und begann die Lößnitzbahn auf schmaler Spur, die 1929 auf Stadtspur angeglichen wurde. Mehr als 10 Jahre ungenutzt, dient der Bahnhof an der Leipziger / Ecke Lommatzscher Straße seit 2009 als Einkaufszentrum in historischem Gewand.

1903 wird Mickten gemeinsam mit seinem Nachbarn Übigau nach Dresden eingemeindet.

Elbepark Dresden

In den 1990iger Jahren entstand mit dem Elbepark der größte Dresdner Einkaufspark. Ehrgeizige Projekte sahen eine Stadterweiterung auf den großen Freiflächen vor. Bereits vor dem II. Weltkrieg gab es hierfür nicht realisierte Bebauungspläne. Wegen fehlender Nachfrage wurde der gegenüberliegende riesige Wohnpark nur zum Teil realisiert.

Ballhaus Watzke

Das Grundstück mit einem kleinen Haus gehörte dem Branntweinbrenner Johann Gottlob Dietzen, der hier 1804 eine Destille einrichtete. Wegen hoher Schulden wurde es 1811 für 855 Taler öffentlich versteigert.

Der Wirt und Brauherr Gottlob Wilhelm Hübel kaufte es und bekam 1814 die Schankerlaubnis für Stadtbier, Wein und Branntwein. 1838 ging die Wirtschaft an den Bierbrauer Carl Joseph Watzke über und wurde fortan "Watzkes Bier- und Gartenrestaurant" genannt. Das Geschäft florierte und so war es dem Wirt möglich, 1899 an gleicher Stelle das prachtvolle Ballhaus mit Tanzsaal, in dem wunderschöne Deckenmalereien zu sehen sind, zu errichten.

entnommen "Historischer Wanderleitfaden - Viele Wege führen nach Dresden"

Während beider Weltkriege wurde das Grundstück als Unterkunft für das Militär genutzt. 1945 wollte man an alte Zeiten anknüpfen, gab schon im Sommer täglich eine Varietévorstellung, um den Menschen in der schweren Zeit ein wenig Zerstreuung zu bieten. Bald jedoch wurde das Grundstück volkseigen und im Gebäude bis 1990 Sportartikel der HO gelagert. Seit 1996 ist das inzwischen sanierte Gebäude wieder als Ballhaus Watzke geöffnet und wie es die Tradition gebietet, wird auch wieder ein hauseigenes Bier gebraut.

Die Waffelfabrik Gebrüder Hörmann

Die Gebrüder Hörmann errichteten 1897 zwischen der Sternstraße, der Trachauer- und Kötzschenbroder Straße eine Waffelfabrik. Sie wurde schnell zur größten Waffelbäckerei Deutschlands. Über 500 Arbeiter stellten Waffeln, Biskuits, Kekse und Russisch Brot her. Ein Werbespruch der damaligen Zeit lautet: "Alles knabbert wirklich gern: Waffeln Marke Alpenstern." Nach dem Zweiten Weltkrieg produzierte der VEB Dauerbackwaren Dresden in den Räumlichkeiten, 1990 musste die Produktion eingestellt werden. 1995/96 wurde der unter Denkmalschutz stehende Gebäudekomplex saniert und zu Wohnzwecken umgebaut.

entnommen "Historischer Wanderleitfaden - Viele Wege führen nach Dresden"

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