Dresden Tolkewitz

Tolkewitzer Friedhof - Johanni
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Wasserwerk, Donaths Neue Welt und Zwirnhändler

1350 wurde Tolkewitz als „tolkenwicz“ erstmals urkundlich erwähnt. Den ursprünglichen Ortskern Alttolkewitz, ein typisches Gassendorf, bewohnten hauptsächlich Bauern, Zwirnbleicher und -händler.

Die Gemeinde gehörte zur Frauenkirche, wurde dann, wie auch Laubegast, nach Leuben eingepfarrt. Das blieb bis 1952 so, obwohl die Gottesdienste schon lange in der Schule, der Kapelle auf dem Friedhof oder im Gutshof Hauber abgehalten wurden. Ab 1950 begann der Bau einer eigenen Kirche. 1951 wird die Bethlehemkirche geweiht. Ein großes Feuer im Jahr 1873 vernichtete die meisten Höfe. Einige der danach errichteten neuen Gebäude sind bis heute erhalten. Ab 1880 entstand auf der anderen Seite des Flutgrabens das sogenannte Neutolkewitz, mit  Straßenbahnhof, dem damals größten in Dresden, Wasserwerk, zahlreichen neuen Wohngebäuden und Villen.

Bis 1901 gingen die Kinder in die Laubegaster Schule. Dann bekamen sie - 111 Kinder und zwei Lehrer - ein eigenes Gebäude an der Salbachstraße, dessen Modernisierung und Erweiterung 1912 in die Hände von Hans Erlwein gelegt wurde. Heute ist hier die 44. Grundschule.

Tolkewitz wurde 1912 nach Dresden eingemeindet. Der genossenschaftliche Siedlungsbau beginnt 1927 an der Töpler-und Marienberger Straße. Auch die Errichtung des Toeplerparks fällt in diese Zeit.

Heute gehört Alttolkewitz zu Laubegast und damit zum Ortsamtsbereich Leuben, dagegen zählt der andere Teil (Neutolkewitz) zum Ortsamtsbereich Blasewitz.

Zwirnhändler und Astronom Christian Gärtner (1705 – 1782)

Als Sohn eines einfachen Garnbleichers und Zwirnhändlers wurde Christian Gärtner 1705 in Tolkewitz geboren. Schon im Kindesalter entdeckte er seine Begeisterung für die Astronomie und investierte wohl manches  Taschengeld in sternenkundige Werke.

Für den Vater war diese Leidenschaft völlig unverständlich, sollte sein Sohn doch in der Wirtschaft kräftig mit anfassen und sich nicht in die Dinge der Gelehrten mischen.  Er tat seine Pflicht, jedoch heimlich am Abend  schaute er in den Himmel. Nach dem Tod seines Vaters konnte er seiner Liebhaberei auch offiziell frönen und wurde bald über die Dorfgrenzen hinaus bekannt. Viel Geld seines Tagwerks als Zwirner mag er in Apparaturen und Literatur für sein nächtliches Studium gesteckt haben. Sogar einen Turm als „Sternwarte“ ließ er an sein Wohnhaus in Alttolkewitz bauen.

Johann Georg Palitzsch

War ein wohlhabender Bauer aus Prohlis, scheint durch Christian Gärtner zur Astronomie gefunden zu haben, weilte oft in Tolkewitz und lernte wissbegierig vom zwirnhandelnden Sternenkundler. Später  müssen Lehrer und Schüler erbitterte Rivalen geworden sein, die sich in Fachkreisen darüber „duellierten“, wer welches Himmelsereignis zuerst entdeckt hat. Auch fand Gärtner Freunde und Förderer in Leipzig, wo er zur Messe weilte, und im Dresdner Mathematisch-Physikalischen Salon, mit denen er regen Gedankenaustausch pflegte. Mit Professoren aus anderen Teilen Deutschlands bis Österreich stand er in Briefkontakt. Er eignete sich  Kenntnisse im Glasschleifen an und fertigte selbst Ferngläser.

Selbst König Friedrich August II....

versorgte Gärtner über mehrere Jahre hinweg mit Neuigkeiten vom Sternenhimmel. Der Regent ließ Gärtner seine alte Observationsplattform abreißen und einen neuen, bequemeren Turm für seine Forschungen erbauen. Das Geld hierfür sollte er aus der königlichen Schatzkammer erhalten, was jedoch wohl niemals geschah. Das war der Anfang für eine tiefe Armut, aus der sich Gärtner bis zu seinem Tod nicht mehr erholen sollte. Und auch die Sterne konnten ihn von weiterem Unglück nicht bewahren, so verlor er z.B. all seine Handelsware bei einem Brand und war im Alter infolge eines Schlaganfalls gelähmt.

Mehrere Bittschriften schrieb er in seiner Not an seinen Landesherren, die Kurfürstin und später an Kurfürst August III., bat um eine geringe Pension für seine Dienste. Zeitweise ließ sich August III. von seinem Untertan in der Sternenkunst unterrichten, was seine Not jedoch kaum linderte.

Jahre später verfasste er eine letzte Bittschrift an den Fürsten, die wohl wiederum ungehört blieb, denn 1782 verstarb Christian Gärtner einsam und mittellos.

Wasserwerk Tolkewitz

Die Saloppe, erstes Dresdner Wasserwerk und 1875 in Betrieb genommen, stieß bald an Kapazitätsgrenzen. Deshalb wurde, nach vorangegangener Errichtung von Brunnen, im Jahr 1896 mit dem Bau des Wasserwerkes  Tolkewitz begonnen. Das Land dazu hatte die Stadt von Gemeindevorstand August Hähnichen, dem wir später noch einmal begegnen werden, erworben.

Bis heute wurde das Werk ständig erweitert, ab 1997 schließlich umfassend modernisiert, wobei die denkmalgeschützten Gebäude so weit wie möglich mit genutzt wurden. Im Jahr 2000 ging die Wasseraufbereitungsanlage wieder in Betrieb. Die Elbwiesen mit den Brunnen rund um das Wasserwerk sind Trinkwasserschutzgebiet.

Donath´s Neue Welt

"Wie haben wir dort gefeiert! So manches  Paar Schuhe und viele Nächte haben wir bei Donath´s durchtanzt.", schwärmt Oma mit einem Leuchten in den Augen.
Dresden war bis zum II. Weltkrieg berühmt für seine zahlreichen Vergnügungsetablissements. Und Donath´s  Neue Welt gehörte zu den Glanzlichtern. Zu Tausenden müssen die Besucher zu Fuß, mit der Pferdebahn und später mit der Elektrischen nach Tolkewitz gepilgert sein, um das weit über Stadtgrenzen hinweg bekannte Alpenglühen zu erleben. Und nicht nur das!

1872 erwarb Rinaldo Donath, Bildhauer und Gastwirt aus Blasewitz, den ehemaligen Tolkewitzer Gasthof. Gemeinsam mit seinem Bruder Hermann, Fotograf und Maler, erschufen sie ihre Welt. So waren eine künstliche  Turmruine, eine Camera obscura und ein einmaliges Alpenpanorama mit Blick auf Eiger und Wetterhorn nur einige der zahlreichen Höhepunkte. Das berühmte Alpenglühen gehörte zweifellos zu den Besuchermagneten. Prachtvolle Bälle fanden statt. In der Konzertmuschel spielten die bekanntesten Tanzkapellen. Auch die Kinder erlebten einige Attraktionen: So begeisterten ein kleiner Tiergarten, die Märchengrotte, eine Rutsche und ein  Kaspertheater die Kleinsten.

Auch die nachfolgenden Eigentümer Emil Böbber und Karl Wattig führten die Tradition fort, erweiterten Gebäude und Angebot noch. Legendär sind die Sommerfeste, Konzerte und zahlreichen anderen Veranstaltungen. 1956 schließlich gingen die Lichter im beliebten Dresdner Vergnügungslokal endgültig aus.

Das Gelände war seitdem  dem Zerfall preisgegeben. Alle Hoffnungen, der frühere Glanz könnte doch noch einmal ins Donath´s zurückkehren, wurde mit dem Großbrand 2004 zerstört.

Der Augustushof in Alttolkewitz

1628, unter Eigentümer Paul Reißig, wurde der Gutshof erstmals erwähnt. Oft um-,  aus-, gar neu gebaut, sah er zahlreiche Besitzer kommen und gehen.

Gutsbesitzer Karl August Hähnichen verpasste dem Gebäudeensemble sein bis heute noch in großen Teilen erhaltenes Gesicht mit Uhrenturm und prächtigem Taubenschlag in der Hofmitte. An ihn erinnern u.a. die Initialen A. H. am schmiedeeisernen Tor. August Hähnichen war außerdem 25 Jahre Gemeinderat. Seine Amtsräume hatte er, wie damals üblich, mit im Gut. Nach mehreren Umzügen bezog die Gemeindeverwaltung bis zur  Eingemeindung das neue Gebäude an der Marienberger Straße.

Doch zurück zum Augustushof: 1898 ging er an Hähnichens Schwiegersohn Oskar Richard Schumann über, weshalb auch vom Schuhmannschen Gut gesprochen wird. Er starb 1923 und  sein Sohn Reinhold führte das  Lebenswerk seines Vaters bis 1953 weiter. Danach war der schon zu DDR-Zeiten unter Denkmalschutz stehende Hof dem Verfall preisgegeben. Erst 1999 beginnen erste Arbeiten an den zwischenzeitlich stark  einsturzgefährdeten Gebäuden.

Heute ist das Ensemble komplett saniert und beherbergt Wohn- sowie Geschäftsräume.

Bericht aus dem Magazin die-infoseiten.de

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