Albertstadt in Dresden

Garnisonkirche Dresden
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Kasernenviertel und die Garnisionkirche

Als Schöpfer der Albertstadt ist Alfred Graf von Fabrice (1818 – 1891 ) zu nennen. Der General der Kavallerie, Staats-, Kriegsund Außenminister Fabrice hatte die zum großen Teil durch Preußen diktierten Aufgaben zur Neustrukturierung der Sächsischen Truppen umzusetzen, waren doch die militärischen Anlagen stark veraltet und dezentral organisiert.

Im Jahr 1873 wurde mit dem Bau der heutigen Stauffenbergallee (ehem. Heerstraße, Carola-Allee, später Dr.-Kurt-Fischer- Allee) als Zentralachse der Grundstein für die Albertstadt gelegt. Etwas oberhalb am nördlichen Rand von Dresden gelegen, sollte sie in der Folgezeit die größte Garnisionsstadt Deutschlands werden. Mit allen organisatorischen Einrichtungen, eigener Bäckerei mit Mühle, Heizkraft-, Elektrizitäts- und Wasserwerk, Kirche, eigenem Friedhof etc. ausgestattet, agierte die Albertstadt ab 1883 völlig eigenständig unter der Gutsherrschaft des Sächsischen Kriegsministers.

Garnisionkirche in der Albertstadt
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Das Zentrum bildete der Arsenalkomplex mit Munitionsdepot und Werkstätten, in dessen Hauptgebäude sich heute das Militärhistorische Museum der Bundeswehr befindet.
Großen Wert legte man, wohl auch wegen der Nähe zur Residenzstadt, auf die äußerliche Gestaltung in spätklassizistischem Stil mit Elementen der Neorenaissance. Grundsätzlich wurde Sandstein verbaut. Die von Kästner genannte Grenadierkaserne, in der das II. Grenadier- Regiment 101 unter Hoheit von Kaiser Wilhelm, König von Preußen, untergebracht war, erhielt beispielsweise zusätzlich kunstvoll gestaltete Tore, gesäumt von zwei Löwenskulpturen. Sie ist heute Sitz der Landesdirektion Dresden.

Militärhistorisches Museum Dresden
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Die Ausstattung der Kasernen war sehr modern – teilweise sogar durch eine Zentral-Luftheizung beheizt. Über einen hofseitigen, das gesamte Gebäude durchspannenden Flur gelangte man in die Wohnstuben – jeweils für 18 – 24 Mann. Für höhere Ränge gab es abgeschlossene Wohnungen. Die Kasernen verfügten jede über Speisesaal, Küche, Bäder, Werkstätten und Wirtschaftsräume. Außerdem wurden Kasinos für die Kurzweil der Offiziere eingerichtet. Im rückwärtigen Bereich befanden sich Schießstände, Pfredeställe und Reithäuser. Exerzier- und Übungsplätze waren nicht weit. Bis zu 20.000 Mann waren hier untergebracht.

Später hatte Reichswehr und Wehrmacht die Kasernen inne. Nach dem ersten Weltkrieg entwickelte sich das Industriegelände. Während des zweiten Weltkrieges wurde die einst größte Garnision zu einem der größten Lazarette Deutschlands. Später waren Sowjetische Truppen und Einheiten der NVA in den Kasernen stationiert.


In der Gegenwart veränderte sich der Charakter des Gebietes grundlegend.

Ein großer Teil der Geäude wurde bis heute saniert und wird nun von Verwaltungen oder als Wohn- und Gewerbeeinheiten genutzt. Das Stadtarchiv Dresden befindet sich bespielsweise in der ehem. Heeresbäckerei. Goetheinstitut, Landesfunkhaus, Sächsisches Staatsarchiv und Fachgerichtszentrum sind in sanierten Kasernengebäuden untergebracht. Neben privaten Firmen, Handwerkskammer und Bäckereifachschule haben sich im Industriegelände auch verschiedene Clubs angesiedelt.

Stark zerfallene Häuser mussten abgerissen werden, die Grundstücke sind größtenteils neu bebaut. Auch die Bundeswehr übernahm Teile der ehemaligen Garnision. So zog die Offizierschule des Heeres 1998 auf die Marienallee.

Heute noch erinnern zahlreiche Straßennamen an die einstige Nutzung: zum Beispiel die Provianthofstraße in der ehemaligen Heeresbäckerei, die Magazinstraße, Zum Reiterberg oder die Schützenhöhe. Auf dem heute so beliebten Alaunplatz wurden regelmäßig Paraden und militärische Vorführungen abgehalten.

 

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