Stadtteilgeschichte Dresden Übigau

Bericht aus Magazin die-infoseiten.de – Ausgabe September-Oktober 2007
„Zur Erinnerung an das Elbehochwasser im August 2002 – Übigau dankt allen Helfern!“ … steht auf dem Gedenkstein am Dorfplatz von Altübigau, der früher „Die Tränke“ genannt wurde. Trotz seiner Lage von ca. 8 m über dem Elbespiegel, war das Gelände von der Rekordflut 2002 mit einem Elbpegel von 9,40 m betroffen. Dem unermüdlichen Fleiß der Anwohner und Helfer ist es zu verdanken, dass man heute davon nichts mehr sieht.
Der kleine Stadtteil Übigau liegt nord-westlich der Altstadt direkt im Elbbogen neben Kaditz und Mickten und wurde 1324 als Vbegowe erstmals urkundlich erwähnt. Über die Herkunft des Namens wird spekuliert. Möglicherweise entstammt er vom altsorbischen Wort ubeg (Flucht). Später nannte man das Dörfchen auch Uibigau oder Uebigau.
Die Bewohner des Sackgassendorfes lebten vom Acker- und Gartenbau sowie vom Fischfang, wobei der Anbau von Wein in der Lößnitz und der Ebene größere Bedeutung gewann. Es ist belegt, dass die kurfürstliche Kellerei im Jahr
1630 neun Fass Wein von den Übigauer Bauern abkaufte. Übigau gehörte zum Meißner Domstift, bis im Jahr 1559 das Kurfürstliche Amt Dresden die Verwaltung übernahm. Im Jahr 1559 bewohnten 13 Bauern die Übigauer Flur. 1834 zählte Übigau 152 Einwohner.
1903 wird Übigau wohl nicht ohne Widerstand nach Dresden eingemeindet, wie das „Festlied zur 25-jährigen Gedenkfeier der Einverleibung Uebigaus nach Dresden“ noch erahnen lässt. Hier ein kleiner Auszug:
„Neunzehnhundertdreie, Ei, wie war´s da schön,
Uebigau das treue Einverleibt zu sehn…
… Und die lieben Steuern, Ach, herjemerne,
Groß und ungeheuern Trägt kein Portmonai…“
(Verfasser unbekannt, Quelle und vollständiger Text: www.dresden-uebigau.de)
Die einsetzende Industrialisierung ab Beginn des 19. Jahrhunderts und der damit verbundene Aufschwung durch den Bau zahlreicher Fabriken ging auch an Übigau nicht vorüber, was in den nachfolgenden Passagen noch eingehend beschrieben werden soll.
Wegen seiner abgeschlossenen Lage im Elbbogen geht von Übigau heute ein ganz besonderer, fast dörflicher Reiz aus. Der Stadtteil ist deshalb als Wohnviertel sehr beliebt. Die Nähe zur Elbe lässt nicht nur das Herz von Naturfreunden höher schlagen.
Eine Vielzahl von Straßen wurden in Erinnerung an bedeutende Maler, Grafiker und Kupferstecher benannt. Beispielsweise die Thäterstraße – benannt nach Julius Thäter (1804 – 1870), Professor der Kupferstecherkunst -, die Mengsstraße – benannt nach Anton Raphael Mengs (1728 – 1779), bekannter Maler des deutschen Klassizismus – und die Klingerstraße, bei der Max Klinger (1857 – 1920), Professor der Leipziger Akademie der Graphischen Künste und selbst Bildhauer sowie Grafiker, Namensgeber war.
Das Schloss Übigau
Der Barockbau am Elbufer wurde in den Jahren von 1724 – 26 auf Geheiß des Kabinettministers Graf von Flemming erbaut. Die elbseitige Front ziert das sächsisch-polnische Wappen. Bereits 1726 erwarb König Friedrich August I. (August der Starke) das Gebäude und nutzte Schloss sowie barocke Gartenanlage mit Orangerie, Teich, Pavillons uvm. für seine legendären Feste. Eine zur Elbe führende Treppe diente als Anlegestelle für die prunkvollen Gondeln des Hofes.
Leider blieb vom damaligen königlichen Flair nicht viel übrig. Nachdem 1838 die „Aktien-Maschinenbauanstalt-Gesellschaft zu Übigau“ an der Nordseite ein Fabrikgebäude zum Bau von Dampfmaschinen aller Art errichten ließ, diente das Schloss als Verwaltungs- und Konstruktionsgebäude, in dessen erster Etage Andreas Schubert – einer der wichtigsten Techniker Deutschlands und Professor an der damaligen TUDresden – wohnte. Von 1886 – 1921 befand sich im Schloss eine beliebte Ausflugsgaststätte. Das Gebäude wurde im Anschluss fast nur noch für Verwaltungszwecke genutzt.
Heute steht das verfallende Areal leer.
Die Übigauer Schiffswerft
Wie bereits ausgeführt, errichtete die 1836 gegründete „Aktien-Maschinenbauanstalt-Gesellschaft zu Übigau“ im Jahr 1838 ein Fabrikgebäude auf dem Gelände des Schlosses. Unter der Leitung von Andreas Schubert wird in Übigau 1837 das erste Personendampfschiff „Königin Maria“ gebaut. 1838 folgte der zweite Dampfer „Prinz Albert“.
Bereits im nächsten Jahr wurde in der Maschinenbauanstalt erneut Geschichte geschrieben. Die nach englischem Vorbild errichtete erste deutsche Lokomotive „Saxonia“ meisterte ihre erste Fahrt auf der Eisenbahnstrecke Dresden – Leipzig so erfolgreich, dass die Erbauer weitere Aufträge erhielten. 1841 wird die Maschinenbauanstalt geschlossen.
Nach zwischenzeitlich unterschiedlicher Nutzung – beispielsweise als Dampf-Mahlmühle, Eisengießerei und als kleine Schiffswerft – übernimmt 1877 die Elbeschifffahrtsgesellschaft „Kette“ das Areal. Durch Erweiterungen und Ausbauten entsteht so eine der bedeutendsten Binnenwerften für Fracht- und Personenschiffe in Deutschland mit 1200 Beschäftigten im Jahr 1910 und rd. 1500 im Jahr 1921. 1935 entstanden neue Fabriken auf dem Werftgelände, welche unabhängig voneinander Dampfkessel und später U-Bootteile produzierten. Nach 1945 nutzte der VEB Dampfkesselbau das Gelände bis zum Ende der fünfziger Jahre.
Nach der Wende wurde mehrmals versucht, an alte Traditionen anzuknüpfen, was jedoch leider immer wieder scheiterte. Heute befinden sich hier verschiedene mittelständige Unternehmen.
Der Uferkran von Übigau
Direkt am Elbufer erinnert heute ein großer eiserner Drehkran an die Werftgeschichte. Das technische Denkmal nahm 1891 mit einer Tragfähigkeit von erst einmal 25 Tonnen seinen Dienst auf. Später wurde er umgebaut, mit elektrischem Antrieb sowie Gegengewicht versehen und somit seine Tragkraft auf 30 Tonnen erhöht. Mit dem Kran hob man die Motoren in die neugebauten Schiffe. Nach einer äußerlichen – nicht technischen – Sanierung im Jahr 2005 ist er nun wieder in altem Glanz zu bewundern.
Die Flügelwegbrücke
Sie verbindet die Altstädter Elbseite mit den Stadtteilen Übigau, Mickten und Kaditz. In den Jahren 1929 – 30 wurde die Flügelwegbrücke nach einem Entwurf und unter Bauleitung von Reichsbahnrat Koch erbaut. Die siebente Dresdner Brücke galt damals als längste Blechträgerbrücke von Europa. Die Elbe wird mit einer lichten Weite von 115 m – das heißt ohne weitere Zwischenstütze – überspannt, so dass der Schifffahrtverkehr nicht behindert wird.
Der offizielle Name „Kaditzer Brücke“ ist von der umgangssprachlichen Bezeichnung so sehr verdrängt worden, dass man sie heute als Flügelwegbrücke sogar in Dresdner Stadtplänen wiederfindet.
Auf der Internetseite www.dresden-uebigau.de erhalten Sie weitere umfassende Auskünfte rund um den Stadtteil Übigau. Wir danken Herrn Frank Philipp für die unkomplizierte Bereitstellung der Informationen.
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Historischer Wanderleitfaden – Viele Wege führen nach Dresden

Übigau: Neue Straßenbeleuchtung für Scharfenberger Straße
Vom 21. Juni bis zum 20. August erneuert das Straßen- und Tiefbauamt die Straßenbeleuchtung auf der Scharfenberger Straße, zwischen Marie-Curie-Straße und Einfahrt Stadtentwässerung. Die Anlieger müssen in den Bauphasen zeitweise mit Einschränkungen rechnen. Der Durchgangsverkehr ist jederzeit gewährleistet.
Für die neue Anlage errichtet die beauftragte Firma Teletek GmbH dreizehn Stahlmasten und verlegt rund 435 Meter Kabel neu. Zuvor werden die dreizehn alten, verschlissenen Betonmasten demontiert.
Die Kosten belaufen sich auf rund 36 500 Euro.
Newsletter der Landeshauptstadt Dresden, 18.06.2010